Diskussion nach Zwischenfällen
AKW-Mitarbeiter stellen sich hinter ihren Ex-Chef
Donnerstag, 9. Juli 2009 18:01
- Von Timo Jann
Geesthacht. Im klein gedruckten Teil auf Seite 6 der Wiederanfahrgenehmigung, die am 19. Juni aus der Kieler Atomaufsicht im Kernkraftwerk Krümmel eintraf, steht es: Zur Überwachung der Transformatoren wird ein spezielles Messgerät gefordert.

Foto: Timo Jann
Hans-Dieter Lucht (60), hier bei der Startfreigabe zum Wiederanfahren am 19. Juni, ist als Kraftwerksleiter zurückgetreten. Seine Crew zollt ihm dafür Respekt, ist aber über die Entwicklung bedrückt.
Dieses Gerät ist entgegen einer früheren Absprache zwischen den Mitarbeitern des Sozialministeriums und des Energiekonzerns Vattenfall dann aber nicht umgehend eingebaut worden. Hans-Dieter Lucht (60), der Leiter des Werkes am Elbufer, hat wie berichtet am Montag dafür die Verantwortung übernommen und seinen Stuhl geräumt.

Foto: Timo Jann
Der frühere Kraftwerksleiter übernahm die Verantwortung für seine komplette Mannschaft.
Die Diskussion, die jetzt nach den neuen Zwischenfällen wieder um „ihr“ Kernkraftwerk entbrannt ist, trifft die 350 Mitarbeiter hart. „Ohne Frage. Wir hatten eine Störung, aber die wurde wie geplant beherrscht“, sagt Antje Schröter. „Dabei hat alles wie erwartet funktioniert.“
Jens Manthey, der Leiter des Standortzwischenlagers, macht die Situation betroffen. „Der Rücktritt von Herrn Lucht und der Wirbel, der um die Ursache gemacht wird, ist der Sache nicht angemessen“, sagt er. „Er hat hier einen guten Job gemacht und vor allem als Mensch mit seiner geradlinigen Art hohes Ansehen genossen“, so Manthey. Dem stimmt auch Harry-Georg Köhler aus der Bauverwaltung des Werkes zu. „Herr Lucht hat es auch geschafft, die regionale Bevölkerung einzubinden. Aber leider ist es gerade en vogue, gegen Atomkraft zu sein.“
Jürgen Weber hatte das Fax der Atomaufsicht vor dem Wiederanfahren angenommen. „Vielleicht haben wir den Hinweis auf das Messgerät einfach nicht richtig gedeutet. Aber bei einem spontanen Versagen, wie es bei einem Kurzschluss der Fall ist, hätte das System ohnehin nicht funktioniert“, erklärt er. „Es ist einfach nur traurig, was hier jetzt abgeht“, sagt Weber. Auch er bescheinigt Hans-Dieter Lucht „eine starke Führungspersönlichkeit“. Menschlich wie unternehmerisch sei es ein herber Verlust, dass der 60-Jährige sein Amt zur Verfügung gestellt hat. Weber: „Er kannte sich in der Anlage bestens aus.“
Die Mitarbeiter des Kraftwerkes wollen jetzt alles dafür tun, den Betrieb wieder aufzunehmen. „Das sind wir unserem Chef schuldig“, erklärt Antje Schröter. So will es auch Köhler. „Wir haben hier immer unser Bestes gegeben und wollen das weiterhin tun.“
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