Offene Fragen nach der Panne
Was wird aus Krümmel?
Donnerstag, 2. Juli 2009 22:12
- Von Kai Gerullis
Geesthacht. Nach der erneuten Panne im Atomkraftwerk Krümmel ist der Meiler wieder am Netz. Allerdings läuft der Reaktor seit Mittwochabend nur mit halber Leistung.
Wie es in Krümmel weitergeht, ist derzeit unklar. Wie berichtet hatte sich am Mittwochnachmittag der Generator automatisch abgeschaltet und das Kraftwerk damit vom Netz getrennt. Auslöser der Abschaltung war der Ausfall eines Eigenbedarftransformators.
„Der ausgefallene Transformator wird genau inspiziert. Wenn die Funktionsfähigkeit nicht zu 100 Prozent sichergestellt ist, wird der Betrieb nicht wieder aufgenommen“, sagte gestern Barbara Meyer-Bukow, Sprecherin des Betreiber Vattenfall Europe Nuclear Energy. „Das könnte unter Umständen ein paar Tage dauern.“
Das Kieler Sozialministerium, bei dem die Atomaufsicht angesiedelt ist, betonte am Donnerstag, dass nach dem Ausfall ein Betrieb mit bis zu 65 Prozent Leistung zulässig sei. „Rechtlich besteht keine Handhabe, die Anlage vom Netz zu nehmen, sofern nicht andere Gründe vorliegen“, so Ministeriumssprecher Oliver Breuer.
Neben den Vattenfall-Technikern versuchten auch Vertreter der Atomaufsicht und externe Sachverständige vor Ort den Auslöser des Zwischenfalls zu ermitteln. Vermutlich führte ein von Hand fälschlicherweise geschlossenes Notventil zum Ausfall des Transformators, so Meyer-Bukow. Erste Untersuchungen brachten aber auch ans Licht, dass es beim Herunterfahren Probleme mit einer Speisewasserpumpe am Reaktor gab. In einem ersten Sachstandsbericht an die Atomaufsicht heißt es, dass abweichend von den üblichen Bestimmungen „der Regler einer Speisewasserpumpe durch die Gleichlaufüberwachung der drei Speisewasserpumpen automatisch auf Hand geschaltet wurde, so dass der Füllstand im Reaktor von Hand geschaltet wurde.“ Warum der Reaktorfahrer in den automatisierten Betrieb eingreifen musste, wird derzeit noch untersucht. „Die anschließende Auswertung wird voraussichtlich mehrere Tage dauern“, so Breuer.
Nach fast zweijährigem Stillstand hatte die Atomaufsicht erst am 19. Juni das Wiederanfahren des Atommeilers genehmigt. Vergangene Woche gab es einen ersten Defekt an einer elektrischen Baugruppe für eine Reaktorschutzmaßnahme.
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