Panne kommt nur durch Zufall ans Licht
Turbine defekt: Krümmel schon wieder vom Netz
Mittwoch, 1. Juli 2009 21:43
- Von Kai Gerullis und Jens Dinsen
Geesthacht. Erst vor zwölf Tagen war das Atomkraftwerk Krümmel nach zwei Jahren Stillstand wieder hochgefahren worden. Mittwochnachmittag musste die Anlage wieder vom Netz getrennt werden.
Gegen 15 Uhr kam es zu einer automatischen Schnellabschaltung der Hauptturbine, nachdem es einen Fehler in einem Eigenbedarfstransformator gab. Der Reaktorbetrieb an sich sei nicht betroffen, lediglich die Leistung wurde heruntergefahren, hieß es beim Betreiber Vattenfall. „Die Ursachenanalyse dauert zurzeit noch an“, sagte Barbara Meyer-Bukow, Sprecherin der Vattenfall Europe Nuclear Energy GmbH.
Die Panne kam Mittwochnachmittag durch Zufall ans Licht der Öffentlichkeit: Dem Geesthachter Horst Teichmann war bei Messungen aufgefallen, dass die Wassertemperatur der Elbe zwischen Tesperhude und dem Bereich vor dem Kraftwerk nur um 1,5 Grad differierte – zu wenig für einen Volllastbetrieb. Erst auf Nachfrage unserer Zeitung bestätigte Betreiber Vattenfall am Nachmittag die Trennung vom Netz. Überrascht von der Krümmel-Panne zeigte sich dagegen das Kieler Aufsichtsministerium, angesiedelt beim Sozialministerium von Gitta Trauernicht (SPD). Deren Sprecher Oliver Breuer gab sich beim Anruf unserer Zeitung ahnungslos: „Wir wissen noch von gar nichts“, hieß es gegen 16.25 Uhr. „Rufen sie doch mal bei Vattenfall an“ – dabei war die Turbine bereits gegen 15 Uhr abgeschaltet worden. Erst gegen 18.15 hieß es in einer knappen Stellungnahme aus dem Ministerium, dass zur genaueren Klärung der Ursache und des weiteren Vorgehens von Seiten der Atomaufsicht Sachverständige hinzugezogen worden seien. Wann die Anlage wieder Strom produziert, war zu Redaktionsschluss unklar.
Die Geesthachter Anti-Atomkraftaktivistin Bettina Boll zeigte sich bestürzt von dem Vorfall: „Es hat sich gezeigt, dass es sich um einen alten Reaktor handelt, den man nicht einfach schnell wieder hochfahren kann.“ Gegenüber unserer Zeitung äußerte sich Mittwochnachmittag auch der ehemalige Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne): „Seit zwei Jahren stand der Reaktor wegen technischer Fehler still. Dass beim Wideranfahren bereits eine Panne im sicherheitsrelevanten Bereich auftrat und Krümmel nach wenigen Tagen Betrieb wieder still steht, ist nicht nur ein Armutszeugnis für Vattenfall, sondern zeigt auch, dass der Reaktor außer Dienst gestellt gehört. Besonders widersinnig wird das Verhalten der Betreiber dadurch, dass diesen durch eine Stilllegung kein Geld verloren ginge, da sie die Reststrommengen problemlos auf neuere Atomkraftwerke übertragen könnten. Statt zwei Jahre am Schrottreaktor rumzubasteln, sollten sie endlich ihre sture Haltung aufgeben und die sieben ältesten Reaktoren abschalten.“
Das Atomkraftwerk Krümmel war erst am 19. Juni nach fast zweijährigem Stillstand wieder ans Netz gegangen. Bereits am Montag hatte es beim Betrieb des Kraftwerks Probleme mit einer Baugruppe im Reaktorschutzsystem gegeben. Anti-Atomkraft-Initiativen planen für Freitag eine 18-stündige Mahnwache am Kraftwerk



Abo
Printarchiv
Leserbrief
Kontakt
Gastro-Tipps
Preisvergleich
Leserreisen
Versicherungscheck
Energievergleich
Immobiliensuche













Anton Klein meint:
Um es ganz derb zu sagen: ob man an Leukämie draufgeht oder am Hautkrebs dank der höheren UV-Strahlung wegen des Treibhauseffektes stirbt, es kommt am Ende das selbe raus.
Übrigens: Es war die SPD, die in den 70er Jahren unter Helmut Schmidt die meisten Reaktoren in Deutschland gebaut hat.
Krümmelmonster meint:
ATOMKRAFT NEIN DANKE .....
Philipp Anz meint: