Schadstoffe Geesthachts Trinkwasser in Gefahr

Wassermeister Michael Körber-Kronenwett im Wasserwerk der Stadtwerke Geesthacht am Richtweg.

Foto: Timo Jann

Wassermeister Michael Körber-Kronenwett im Wasserwerk der Stadtwerke Geesthacht am Richtweg.

Geesthacht. Nitrate und Schadstoffe aus Biogasanlagen dringen immer Tiefen in den Boden ein. Bei den Stadtwerken Geesthacht sieht man nun die Gefahr, dass die Rückstände bis ins Trinkwasser sickern könnten.

Geesthacht..  Es ist 300 Jahre alt und kommt aus einer Tiefe von 100 Metern: Geesthachts Trinkwasser. Doch trotz dieses hohen Alters und der großen Tiefe ist das Lebensmittel Nummer 1 in Gefahr. Das geht aus dem kürzlich veröffentlichten Nährstoffbericht des Landes hervor. Biogasanlagen, intensive Tierhaltung und Bohrungen für die Erdwärmenutzung stellen ein Risiko für die Wasserqualität dar.

„Noch stimmt unsere Wasserqualität, aber ich sehe mit großer Sorge, wer heute alles in der Erde herumbohren darf und was alles an Abfällen­ ­­­­­­­­­­– so deutlich muss man es sagen – auf den Feldern verteilt wird“, erklärt Michael Körber-Kronenwett. Er ist Wassermeister bei den Geesthachter Stadtwerken.

1,9 Millionen Kubikmeter Trinkwasser werden pro Jahr in den beiden Wasserwerken am Richtweg und an der Elbuferstraße gewonnen. „Bis in eine Tiefe von 50 Metern können wir bereits Pflanzenschutzmittel feststellen“, so Körber-Kronenwett. Dringen diese Gifte durch Erdwärmebohrungen noch tiefer ein, haben sie schnell die Grundwasserleiter erreicht. Denn die Bohrungen auf der Suche nach Alternative zu Heizöl oder Gas durchlöchern die schützenden Bodenschichten.

Außerdem werden durch die Reststoffe aus den Biogasanlagen und der Tierhaltung massiv Stickstoffe ausgebracht. „Wir sehen seit mehr als zehn Jahren keine Verringerung bei der Belastung der Gewässer mit Nitrat und der Luft mit Ammoniak“, zieht Prof. Friedhelm Taube von der Uni Kiel im Nährstoffbericht Bilanz. Probleme sind Gülle und Gärreste: Aus denen entsteht Nitrat, das der Gesundheit schaden kann. Wird zu viel Gülle auf die Felder gebracht, gelangt das ins Grundwasser. Der Stickstoffüberschuss sei weit höher als erlaubt. „Der Handlungsbedarf ist dringend“, sagt Landwirtschafts- und Umweltminister Robert Habeck (Grüne): „Wir müssen die Einträge von Stickstoff dringend reduzieren, um das Trinkwasser künftiger Generationen zu schützen.“ Habeck forderte den Bund auf, die Vorgaben zu verschärfen. „Deutschland verfehlt die Ziele des Gewässerschutzes und kommt mit der Düngeverordnung nicht in die Puschen“, so Habeck. Deutschland sei weit entfernt, die gesetzlichen Vorgaben der EU einzuhalten, heißt es.

„Man hat sich noch nie so sehr in den Boden eingemischt, wie es aktuell der Fall ist“, berichtet Körber-Kronenwett. 70 Messstellen sollen helfen, mögliche Gefahren im Einzugsgebiet des Geesthachter Trinkwassers rechtzeitig zu erkennen. „Doch die Analysen der Proben sind teuer“, sagt der Experte. „Man kann Schadstoffe im Grundwasser technisch kaum aufbereiten. Der weitere Schutz des Wassers ist eine Herausforderung für Generationen“, so Körber-Kronenwett. Er setzt auf Gespräche aller Beteiligten an einem Tisch, die das Ministerium jetzt angekündigt hat. „Wir haben die Probleme auch nicht mehr nur in der Erde, sondern über Staub auch in der Luft“, sagt er.