Krümmel

AKW-Abriss: Dialog lässt Fragen offen

125 Zuhörer kamen zur „Perspektive Krümmel“ in den Geesthachter Oberstadttreff.

Foto: Timo Jann

125 Zuhörer kamen zur „Perspektive Krümmel“ in den Geesthachter Oberstadttreff.

Geesthacht. Energieriese Vattenfall möchte beim Rückbau des Kernkraftwerks Krümmel mit den Bürgern in den Dialog treten.

Geesthacht..  Der Reaktor des Atomkraftwerks Krümmel steht seit 2007 fast ununterbrochen still – und darf nach dem geänderten Atomgesetz auch nie wieder ans Netz gehen. Wie Betreiber Vattenfall sich den Rückbau der Anlage vorstellt, darüber erhofften sich 125 Zuhörer am Donnerstagabend umfangreiche Informationen im ersten Dialogforum „Perspektive Krümmel“ im Oberstadttreff. Doch viele Wenns und Abers in den Ausführungen der Vattenfall-Vertreter sorgten für Unmut im Publikum.

Vattenfall-Geschäftsführer Ingo Neuhaus erklärte, dass das Kraftwerk in zwei Phasen zurückgebaut werden könnte. „Zuerst soll möglichst viel strahlendes Material aus der Anlage geholt werden“, sagte er. Dann würde es zehn bis 15 Jahren dauern, innen alles zu demontieren, ehe für etwa drei Jahre der konventionelle Abriss den Schlusspunkt setzen wird. Neuhaus geht davon aus, spätestens in vier Jahren die Genehmigung der Atomaufsicht zu bekommen.

„Wir stehen noch ganz am Anfang“, sagte Jan Backmann, der Leiter der Atomaufsichtsbehörde in Kiel. Erst am 24. August 2015 hatte Vattenfall – durchaus überraschend – den Rückbau beantragt, derzeit werde geprüft.

Allerdings sorgten allzu vage Formulierungen, ob denn diese Genehmigung tatsächlich auch umgesetzt wird, für Unmut. So klagt Vattenfall seit Jahren vor einem Washingtoner Schiedsgericht auf Ausgleich der durch die Stilllegung verursachten finanziellen Verluste. Kritiker mutmaßten deshalb, Vattenfall wolle sich mit der Formulierung im Rückbauantrag ein Wiederanfahren des Atommeilers offen halten, sollte die Klage erfolglos bleiben. Vattenfall wollte sich trotz verschiedener Nachfragen nicht näher zu dem Prozess äußern – und bot eine weitere Gesprächsrunde mit diesem Kernthema an.

Kritik an Vattenfall gab es während des Treffens auch, weil in einer im September eingerichteten Dialoggruppe keine Anwohner aus dem Ortsteil Krümmel eingebunden sind. Das soll jetzt geändert werden, sagten Vertreter des Energiekonzerns auf mehrfache Nachfrage zu. Vorerst wird diese nicht öffentliche Runde weitere Themen bearbeiten. Ehe dann im Frühjahr wieder im großen Stil die Öffentlichkeit in die Rückbau-Pläne eingebunden werden soll.