Vattenfall

Krümmel-Rückbau: Was passiert mit dem Atommüll?

Das Kernkraftwerk Krümmel steht seit fast neun Jahren still.

Foto: Timo Jann

Das Kernkraftwerk Krümmel steht seit fast neun Jahren still.

Geesthacht. 2015 kündigte Vattenfall den Rückbau des Atomkraftwerks in Krümmel an. Nun sollen Bürgerfragen dazu beantwortet werden.

Geesthacht..  Jahrelang schwieg Betreiber Vattenfall beharrlich über die Zukunft des Kernkraftwerks Krümmel. Im August stellte der Energieriese dann einen Antrag auf Stilllegung und Rückbau – und überraschte damit Atomkritiker und Lokalpolitiker gleichermaßen. Anders als immer wieder in der Vergangenheit verspricht der Konzern nun Transparenz – und sucht am Donnerstag, 28. Januar, im Geesthachter Oberstadttreff (18 Uhr, Dialogweg 1) den Dialog mit den Bürgern. Unter der Überschrift „Energiewende konkret“ will sich Vattenfall den Fragen aus der Bevölkerung stellen.

„Es war überfällig, dass für den bevorstehenden Rückbau der Dialog mit der Öffentlichkeit gesucht wird“, sagt die Ratsherrin und langjährige Anti-Atomkraft-Aktivistin Bettina Boll (Grüne). „Wichtig ist jetzt, dass die Öffentlichkeit auch kommt und viele Fragen stellt.

Dialoggruppe begleitet Rückbaupläne

Seit September trifft sich bereits eine von Vattenfall ins Leben gerufene Dialoggruppe, in der Politiker und Aktivisten die Rückbaupläne kritisch begleiten. Zweimal hat die Gruppe seitdem getagt, der jetzt geplante Informationsabend für die breite Öffentlichkeit ist als einer der klaren Wünsche der Gruppe umgesetzt worden.

Im Mittelpunkt der ersten Diskussion stehen der geplante Rückbau des Kraftwerks und damit verbundene Themen wie der Stilllegungsantrag oder das Aufsichtsverfahren. Neben Kraftwerksleiter Torsten Fricke wird unter anderem Dr. Jan Backmann, Leiter der Atomaufsicht in Kiel, auf dem Podium sitzen. Vattenfall setzt mit dem Dialog auf Erfahrungen, die der Konzern an seinem Standort Brunsbüttel sammeln konnte. Dort laufen seit gut zwei Jahren die Vorbereitungen für den Rückbau des örtlichen Reaktors. „Wir sehen bei unseren verschiedenen Veranstaltungen, dass das Interesse am Kraftwerk groß ist und mit dem geplanten Rückbau noch weiter steigt“, sagt Vattenfall Geschäftsführer Pieter Wasmuth.

Was passiert mit dem Atommüll?

„Die wichtigste Frage bleibt weiterhin, was mit dem Atommüll passiert“, sagt Bettina Boll. Dabei geht es nicht allein um die abgebrannten Brennelemente, die im Standort-Zwischenlager in Castor-Behältern abgestellt werden, bis es ein bundesweites Endlager gibt. 43 dieser Spezialbehältnisse werden hier stehen, wenn der Rückbau beginnt. Doch derzeit gibt es Lieferengpässe bei den Castoren.

„Viel wichtiger ist aber die Frage, was mit dem leicht radioaktiven Material geschieht“, sagt Boll. So kann belasteter Bauschutt aus dem Reaktorgebäude beispielsweise nach Jahrzehnten „freigemessen“ und dann deponiert werden – auch in der Region. Doch für Boll bleibt ein Restrisiko. „Auch freigemessenes Material kann immer noch strahlen. Ich erhoffe mir deshalb Antworten, wie und wo dieser Müll gelagert werden soll, wenn der Rückbau beginnt“, sagt Boll.

Rückbau dauert vermutlich 15 Jahre

Der Rückbau der Anlage wird vermutlich 15 Jahre dauern, dabei fallen 500 000 Tonnen Bauschutt an – das entspricht etwa 25 000 Lkw-Ladungen. 6000 Tonnen Einbauten gelten als kontaminiert. Beginnen kann der Rückbau, wenn die Atomaufsicht den Plänen zustimmt. Weiterhin offen ist eine Klage Vattenfalls gegen die Bundesrepublik vor einem internationalen Schiedsgericht in Washington. Prozessauftakt soll nach vier Jahren Vorbereitung im Oktober sein.