Krümmel
Streit um Stimmenrecorder
Mittwoch, 25. Februar 2009 23:11
- Von Annette Luckey
Geesthacht. Kiel macht Druck zur Verbesserung der Sicherheitsstandards in den Atomkraftwerken. Am Mittwoch ordnete die Reaktoraufsichtsbehörde die Einführung von Audioaufzeichnungen in der Warte des Geesthachter Kernkraftwerks Krümmel binnen sechs Monaten an.

Foto: Timo Jann
Blick in den Simulator der Kraftwerkswarte. Während des Normalbetriebs arbeiten sechs bis zehn Leute in einer Schicht. In Notfällen fordert der Kraftwerksfahrer Verstärkung an.
Ähnlich wie in einem Flugzeugcockpit durch den Stimmenrecorder sollen künftig Mitarbeitergespräche und Geräusche aufgezeichnet werden, um Störfälle und Fehlhandlungen des Personals besser und schneller aufklären können. Nach dem Trafobrand im Juni 2007 hatte es mehrere Wochen gedauert, bis geklärt werden konnte, warum der Reaktor zu schnell heruntergefahren worden war.
In Deutschland ist die Audioüberwachung in Atomkraftwerken eine Premiere. „Im Bereich der Kerntechnik besteht Nachholbedarf“, sagte der Leiter der Reaktorsicherheitsabteilung Dr. Wolfgang Cloosters mit Blick auf die in anderen sicherheitsrelevanten Branchen wie der Luftfahrt längst übliche Praxis. Auch für die Kraftwerke in Brunsbüttel und Brokdorf soll die Audioüberwachung angeordnet werden.
Der Betreiber, der Energiekonzern Vattenfall, ist davon wenig begeistert. „Wir prüfen, ob unsere Bedenken berücksichtigt wurden“, sagte die Sprecherin von Vattenfall Europe, Barbara Meyer-Bukow. Bisher hatte sich der Konzern gegen eine Audioüberwachung mit der Begründung gesperrt, sie könne zu einer Verunsicherung der Mitarbeiter führen und kontraproduktiv sein. Zudem sei die Überwachung in der 120 Quadratmeter großen Kraftwerkswarte mit vielen Mitarbeitern schwierig und nicht mit der Situation in einem Flugzeugcockpit zu vergleichen.
Auf die Wiederinbetriebnahme des seit bald zwei Jahren stillgelegten Meilers in Krümmel hat der Erlass und eine mögliche Auseinandersetzung keine Auswirkungen. Vattenfall möchte das KKW in Krümmel im Mai wieder ans Netz gehen lassen. Derzeit ist der Konzern dort damit beschäftigt, Tausende Schwerlast-Dübel auf ihre Eignung zu überprüfen und auszutauschen, ebenso Risse in mehr als 30 Armaturen zu beheben. Seit dem Trafobrand und der Stilllegung des Reaktors waren mehr als 13 meldepflichtige Ereignisse im Kraftwerk aufgetreten.

Abo
Printarchiv
Leserbrief
Kontakt
Gastro-Tipps
Preisvergleich
Leserreisen
Versicherungscheck
Energievergleich
Immobiliensuche












