Biogasanlage
Öko-Strom aus Mais und Rüben
Mittwoch, 11. Juli 2012 16:18
- Von Timo Jann
Geesthacht/Hamwarde. Die Stadtwerke und fünf Landwirte aus dem Umland wollen vor den Toren Geesthachts eine Biogasanlage bauen. Schon ab 2013 soll diese 2000 Haushalte mit Strom versorgen. Das Biogas soll dazu zu einem Blockheizkraftwerk am Barmbeker Ring geleitet werden.
Aus Mais und Zuckerrüben werden ab 2013 in Hamwarde Strom und Wärme. Direkt
vor den Toren Geesthachts entsteht eine Biogasanlage, deren Gas in einem
Blockheizkraftwerk am Barmbeker Ring zur Stromerzeugung verfeuert wird. Die
dabei entstehende Hitze dient gleichzeitig dazu, Wohnungen in der Oberstadt
mit Fernwärme zu versorgen. „Damit hätte Hamwarde rechnerisch die
Energiewende geschafft, denn der Strom soll für 2000 Haushalte reichen, die
Wärme für 285 Haushalte“, sagt Markus Prang, der Geschäftsführer der
Stadtwerke Geesthacht.
550 Kilowatt Leistung soll die Biogasanlage nordwestlich der Siedlung „Hinter
den Höfen“ in der Feldmark zwischen dem Jetmoorweg und der Hamwarder Straße
haben.
„Die Idee ist einzig und allein auf meinem Mist gewachsen“, sagt der Hamwarder
Landwirt Manfred Lemke. In der Sitzung der Gemeindevertreter stellte er
gemeinsam mit Torsten Müller von der Lüneburger Unternehmensberatung Treurat
+ Partner das Projekt vor. Lemke sowie seine Berufskollegen Frank Lütten
(Brunstorf) und Ferdinand Deeken, Karsten Hümpel und Manfred Pemöller (alle
Wiershop) wollen das Millionenprojekt realisieren. Über Jahre galt die Idee
als betriebswirtschaftlich nicht tragbar. Lemke: „Jetzt sind wir gemeinsam
mit den Stadtwerken so weit, dass es geht.“ Damit wird es endlich konkret,
dass nun auch in Geesthacht Strom und Wärme aus nachwachsenden Rohstoffen
erzeugt werden sollen.
Die fünf Landwirte bewirtschaften zusammen eine Fläche von 1000 Hektar Land.
Für den Betrieb der Biogasanlage, die laut Gesetz mit maximal 60 Prozent
Mais gefüttert werden darf, ist eine Ackerfläche von rund 250 Hektar nötig.
Dieselbe Fläche ist erforderliche, um später das vergorene Substrat nach dem
Prozess wieder auszubringen. Als zusätzliche Inputstoffe, also die
Materialien, die in der Biogasanlage vergoren werden, sollen auch
Zuckerrüben, Pflanzensilage sowie Grassilage dienen. Damit wird die im
Zusammenhang mit den nicht unumstrittenen Biogasanlagen oft kritisierte
„Vermaisung“ der Landschaft verhindert, eine sinnvolle Fruchtfolge bleibt
gewahrt.
7000 Tonnen Mais, 2500 Tonnen Zuckerrüben und 1500 Tonnen Silage, so die
Berechnungen, sind nötig, um die Biogasanlage zu betreiben. Übrig bleiben
9000 Tonnen Gärsubstrat, das auf Felder ausgebracht wird. Für diese 20.000
Tonnen sind knapp 1000 Fahrten mit Traktorgespannen erforderlich. „Wir
werden nicht mit Treckern durch Hamwarde fahren“, versicherte Lemke in der
Gemeindevertretersitzung. Stattdessen wollen die Landwirte, die Felder bei
Wiershop, Hamwarde, Kollow und Worth bewirtschaften, die Biogasanlage von
Nordwesten her anfahren.
Das Gas soll in einer Spezialleitung durch die Felder zur Geesthachter Straße
geführt werden und von dort über die Hansastraße und den Barmbeker Ring zum
Heizkraftwerk der Stadtwerke führen.
„Wir werden eine ältere Gasturbine in unserem Heizwerk durch ein modernes
Blockheizkraftwerk ersetzen und dieses mit dem Hamwarder Biogas betreiben“,
kündigt Prang an. „Die Nutzung des Gases bei uns sorgt dafür, dass nicht nur
der Strom, sondern auch die Wärme verwendet werden kann“, so Prang. Oft ist
eine sinnvolle Verwertung der anfallenden BHKW-Wärme von Biogasanlagen nicht
möglich.
Die fünf beteiligten Landwirte wollen sich durch den Bau der Anlage ein
weiteres finanzielles Standbein erschließen. Wegen der baurechtlichen
Privilegierung der Anlagen dürfte dem Vorhaben nichts mehr im Wege stehen,
so dass nach der Ernte 2013 die Biogasanlage angefahren werden könnte.
Positiver Nebeneffekt für Hamwarde: Wenn die Stadtwerke den Graben für die
Gasleitung legt, könnte gleich ein Anschluss der Gemeinde an das
Glasfasernetz für schnelles Internet, Telefon und Fernsehen erfolgen.



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Paul meint:
Die Erde ist mit Menschen überbevölkert.
Alle wollen Strom, warme Buden, Auto fahren, F.. ermehren.
Leider ist die Erde begrenzt. Und auch Gott taucht immer nur in Katastophenfällen auf. ( USA: Oh my God ).
Die Natur wird es richten.
Simone meint:
Die einen sagen: Kernenergie – nein danke!, die anderen: Lebensmittel für Energie verbrennen – was für eine Verschwendung! und der Dritte findet Windenergie zwar gut, aber ein Windrad direkt vor der eigenen Nase sollte es dann doch bitte auch nicht sein….
Dass man nicht direkt mit Ökostrom versorgt wird, nur weil man einen solchen Tarif gewählt hat, sollte hinlänglich bekannt sein. Es dient allerdings sehr wohl dazu den gesamten „Energiepool“ an sich sauberer werden zu lassen und nicht nur, um für irgendeinen anderen etwas zu finanzieren.
Aber letzten Endes ist das alles nicht der Weisheit letzter Schluss. Auch EEG-Anlagen werden uns nicht helfen können, die Masse an Energie zur Verfügung zu stellen, die weltweit benötigt wird. Wer wirklich Interesse hat, sich mit dem Thema Energie und ihrer Zukunft auseinander zu setzen, dem kann ich das Buch „Der Letzte macht das Licht aus“ von Robert B. Laughlin empfehlen.
Ich selber bin der Meinung, dass die Vorteile einer Biogasanlage überwiegen und unterstütze den Bau, im Bewusstsein darüber, dass es auch bei allen anderen Alternativen Gewinner und Verlierer gibt.
Torben meint:
Klar, die Stromversorger schicken als Beispiel in die Geesthachter Str. 3 "normalen" AKW-Strom, in das haus nebenan, wohlmöglich in die Wohnung drüber Ökostrom...
Wie das funktionieren soll, kann mir ja jemand erklären.
Wenn man mehr für Ökostrom bezahlt, heißt das nicht, dass man auch diesen geliefert bekommt, sondern diesen für andere quasi finanziert..