11.07.12

Biogasanlage

Öko-Strom aus Mais und Rüben

Geesthacht/Hamwarde. Die Stadtwerke und fünf Landwirte aus dem Umland wollen vor den Toren Geesthachts eine Biogasanlage bauen. Schon ab 2013 soll diese 2000 Haushalte mit Strom versorgen. Das Biogas soll dazu zu einem Blockheizkraftwerk am Barmbeker Ring geleitet werden. Von Timo Jann

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Mais, Zuckerrüben und Silage sollen in der Biogasanlage vergoren werden. Das entstehende Biogas wird dann im Blockheizkraftwerk verfeuert.

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Auf der blau eingerahmten Fläche soll die neue Biogasanlage zwischen Hamwarde und Geesthacht entstehen.

Aus Mais und Zuckerrüben werden ab 2013 in Hamwarde Strom und Wärme. Direkt vor den Toren Geesthachts entsteht eine Biogasanlage, deren Gas in einem Blockheizkraftwerk am Barmbeker Ring zur Stromerzeugung verfeuert wird. Die dabei entstehende Hitze dient gleichzeitig dazu, Wohnungen in der Oberstadt mit Fernwärme zu versorgen. "Damit hätte Hamwarde rechnerisch die Energiewende geschafft, denn der Strom soll für 2000 Haushalte reichen, die Wärme für 285 Haushalte", sagt Markus Prang, der Geschäftsführer der Stadtwerke Geesthacht.

550 Kilowatt Leistung soll die Biogasanlage nordwestlich der Siedlung "Hinter den Höfen" in der Feldmark zwischen dem Jetmoorweg und der Hamwarder Straße haben.

"Die Idee ist einzig und allein auf meinem Mist gewachsen", sagt der Hamwarder Landwirt Manfred Lemke. In der Sitzung der Gemeindevertreter stellte er gemeinsam mit Torsten Müller von der Lüneburger Unternehmensberatung Treurat + Partner das Projekt vor. Lemke sowie seine Berufskollegen Frank Lütten (Brunstorf) und Ferdinand Deeken, Karsten Hümpel und Manfred Pemöller (alle Wiershop) wollen das Millionenprojekt realisieren. Über Jahre galt die Idee als betriebswirtschaftlich nicht tragbar. Lemke: "Jetzt sind wir gemeinsam mit den Stadtwerken so weit, dass es geht." Damit wird es endlich konkret, dass nun auch in Geesthacht Strom und Wärme aus nachwachsenden Rohstoffen erzeugt werden sollen.

Die fünf Landwirte bewirtschaften zusammen eine Fläche von 1000 Hektar Land. Für den Betrieb der Biogasanlage, die laut Gesetz mit maximal 60 Prozent Mais gefüttert werden darf, ist eine Ackerfläche von rund 250 Hektar nötig. Dieselbe Fläche ist erforderliche, um später das vergorene Substrat nach dem Prozess wieder auszubringen. Als zusätzliche Inputstoffe, also die Materialien, die in der Biogasanlage vergoren werden, sollen auch Zuckerrüben, Pflanzensilage sowie Grassilage dienen. Damit wird die im Zusammenhang mit den nicht unumstrittenen Biogasanlagen oft kritisierte "Vermaisung" der Landschaft verhindert, eine sinnvolle Fruchtfolge bleibt gewahrt.

7000 Tonnen Mais, 2500 Tonnen Zuckerrüben und 1500 Tonnen Silage, so die Berechnungen, sind nötig, um die Biogasanlage zu betreiben. Übrig bleiben 9000 Tonnen Gärsubstrat, das auf Felder ausgebracht wird. Für diese 20.000 Tonnen sind knapp 1000 Fahrten mit Traktorgespannen erforderlich. "Wir werden nicht mit Treckern durch Hamwarde fahren", versicherte Lemke in der Gemeindevertretersitzung. Stattdessen wollen die Landwirte, die Felder bei Wiershop, Hamwarde, Kollow und Worth bewirtschaften, die Biogasanlage von Nordwesten her anfahren.

Das Gas soll in einer Spezialleitung durch die Felder zur Geesthachter Straße geführt werden und von dort über die Hansastraße und den Barmbeker Ring zum Heizkraftwerk der Stadtwerke führen.

"Wir werden eine ältere Gasturbine in unserem Heizwerk durch ein modernes Blockheizkraftwerk ersetzen und dieses mit dem Hamwarder Biogas betreiben", kündigt Prang an. "Die Nutzung des Gases bei uns sorgt dafür, dass nicht nur der Strom, sondern auch die Wärme verwendet werden kann", so Prang. Oft ist eine sinnvolle Verwertung der anfallenden BHKW-Wärme von Biogasanlagen nicht möglich.

Die fünf beteiligten Landwirte wollen sich durch den Bau der Anlage ein weiteres finanzielles Standbein erschließen. Wegen der baurechtlichen Privilegierung der Anlagen dürfte dem Vorhaben nichts mehr im Wege stehen, so dass nach der Ernte 2013 die Biogasanlage angefahren werden könnte. Positiver Nebeneffekt für Hamwarde: Wenn die Stadtwerke den Graben für die Gasleitung legt, könnte gleich ein Anschluss der Gemeinde an das Glasfasernetz für schnelles Internet, Telefon und Fernsehen erfolgen.

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