Atommüll
Marode Fässer beschäftigen den Landtag
Montag, 19. März 2012 16:48
- Von Kim Nadine Meyer
Geesthacht. 1100 Fässer mit strahlendem Müll liegen unter dem Kernkraftwerk Krümmel - Zustand unbekannt. Diese Nachricht regt Leser und Politiker auf. Am Freitag beschäftigen die Fässer den Landtag Schleswig-Holsteins.
„Der gemeine Bürger wird für dumm verkauft.“ „Ich bin fassungslos, ich bin
entsetzt.“ „Kriminal-Tango in der Kaverne. Rostige Fässer und keine Sicht.“
– Das sind nur einige Reaktionen unserer Online-Leser auf die Nachricht,
dass nicht nur in Brunsbüttel, sondern auch unter dem Atomkraftwerk Krümmel
Fässer mit gefährlicher Strahlung lagern. Und mit 1100 sogar 500 mehr als in
Brunsbüttel.
Vor allem die mangelhafte Kommunikation der Energieriesen lässt das Vertrauen
schwinden. Auch Olaf Schulze (SPD), Mitglied des Landtags, kritisiert die
Informationspolitik von Vattenfall. „Jedes Mal, wenn wieder etwas passierte,
versprachen die Verantwortlichen ihre Informationspolitik zu verbessern,
doch nichts ist geschehen. Seit dem Trafo-Brand in Krümmel habe ich das
Versprechen bestimmt sechs Mal gehört“, sagt Schulze. „Ich gehe davon aus,
dass die Landesregierung an der Sache dran bleibt und alles aufklärt.“
Am Freitag werden die Fässer Thema im Landtag sein. Einen engeren Austausch
zwischen Atomaufsicht und Vattenfall erwartet der CDU-Landtagsabgeordnete
Markus Matthießen. „Tatsache ist, dass die Existenz eines Bereichs, der so
strahlend ist, dass ihn niemand betreten darf, nicht gerade zur
Vertrauensbildung beiträgt.“
Matthießen sieht in dem Ärger rund um die korrodierenden Fässer aber ein
gesamtgesellschaftliches Problem: „Die Endlagerfrage ist noch nicht geklärt.
Das ist ein unangenehmes Thema, aber wir müssen uns dem stellen“, sagt
Matthießen. Deshalb findet er es richtig, dass Gorleben ergebnisoffen
erkundet wird. Der CDU-Politiker meint: „Alles, was mit Kernenergie zu tun
hat, wird schnell skandalisiert.“ Möglicherweise ein Grund für die
mangelhafte Kommunikation der Energiekonzerne. „Aber Sicherheit ist oberstes
Gebot.“
51 Fragen und Antworten hat die Atomaufsicht
Schleswig-Holstein zu den korrodierenden Fässern veröffentlicht, etwa
wie viele Fässer bereits umgelagert sind oder ob eine Kamerainspektion in
den Kavernen durchgeführt werden soll. Zu Krümmel heißt es: „Im
Kernkraftwerk Krümmel sind bei Umfüllvorgängen in den vergangen Jahren
umfangreiche Überprüfungen von eingelagerten Fässern durchgeführt worden.
Dabei wurden keine Fässer auffällig.“



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Matthias Wilde meint:
Aber alle üben sich in gepflegtem Erstaunen, und ein Herr Matthießen sieht sogar ein gesamtgesellschaftliches Problem im Atommüll. Wie das? Nimmt die Strahlung ab, wenn wir den Müll akzeptieren? Der Mann redet von Kommunikationsproblemen und ergebnisoffenen Prüfungen in Gorleben, und dass das Ganze ein unangenehmes Thema ist. Ja, aber nur für Befürworter der Nutzung einer nicht beherrschten Energieform. Hätte man die Abfallentsorgung von Anfang an den Versorgern auferlegt, wäre Atomstrom niemals zu so einer Größe gewachsen. Der Ausstieg aus diesem Wahnsinn ist einfach nur überfällig, und Politiker, die jetzt vor einer "Skandalisierung" der Debatte warnen, sind nicht auf der Höhe der Zeit. Gorleben wurde lange als nahezu einzige Möglichkeit erkundet, und es ist bezeichnend, dass es nach Jahrzehnten noch immer nicht gelungen ist, die Tatsachen so zu verfälschen, dass man eine Eignung befürworten kann. Wo sind die Alternativen?
maxernst meint:
Nordmann meint:
Dert eigentliche Skandal, ist der unglaublich laxe Umgang der Landesregierung SH mit Vattenfall und all den bereits bekannten Vorfällen.
Dem Thema Endlagersuche, hätte sich die Landesregierung schon lange stellen können, jetzt aber will sie damit anfangen. Jetzt schon !!!
Man sollte diesen "Dreck" rausholen, verladen und diesen Herrschaften vor den Kieler Landtag werfen.
Dann und wirklich erst dann, würde etwas geschehen.