19.03.12

Atommüll

Marode Fässer beschäftigen den Landtag

Geesthacht. 1100 Fässer mit strahlendem Müll liegen unter dem Kernkraftwerk Krümmel - Zustand unbekannt. Diese Nachricht regt Leser und Politiker auf. Am Freitag beschäftigen die Fässer den Landtag Schleswig-Holsteins. Von Kim Nadine Meyer

Fotostrecke
Foto: Jann

Das Atomkraftwerk Krümmel an der Elbe ist abgeschaltet. Für Aufregung sorgt es dennoch.

Foto: Jann

Im Jahr 2000 wurden bereits in der Landessammelstelle auf dem GKSS-Gelände marode Atomfässer entdeckt. Atommüll in ähnlichem Zustand könnte auch in zwei Kavernen unter dem Kernkraftwerk Krümmel lagern. Die Atomaufsicht hat jetzt die Überprüfung beider Lagerstätten veranlasst.

"Der gemeine Bürger wird für dumm verkauft." "Ich bin fassungslos, ich bin entsetzt." "Kriminal-Tango in der Kaverne. Rostige Fässer und keine Sicht." – Das sind nur einige Reaktionen unserer Online-Leser auf die Nachricht, dass nicht nur in Brunsbüttel, sondern auch unter dem Atomkraftwerk Krümmel Fässer mit gefährlicher Strahlung lagern. Und mit 1100 sogar 500 mehr als in Brunsbüttel.

Vor allem die mangelhafte Kommunikation der Energieriesen lässt das Vertrauen schwinden. Auch Olaf Schulze (SPD), Mitglied des Landtags, kritisiert die Informationspolitik von Vattenfall. "Jedes Mal, wenn wieder etwas passierte, versprachen die Verantwortlichen ihre Informationspolitik zu verbessern, doch nichts ist geschehen. Seit dem Trafo-Brand in Krümmel habe ich das Versprechen bestimmt sechs Mal gehört", sagt Schulze. "Ich gehe davon aus, dass die Landesregierung an der Sache dran bleibt und alles aufklärt."

Am Freitag werden die Fässer Thema im Landtag sein. Einen engeren Austausch zwischen Atomaufsicht und Vattenfall erwartet der CDU-Landtagsabgeordnete Markus Matthießen. "Tatsache ist, dass die Existenz eines Bereichs, der so strahlend ist, dass ihn niemand betreten darf, nicht gerade zur Vertrauensbildung beiträgt."

Matthießen sieht in dem Ärger rund um die korrodierenden Fässer aber ein gesamtgesellschaftliches Problem: "Die Endlagerfrage ist noch nicht geklärt. Das ist ein unangenehmes Thema, aber wir müssen uns dem stellen", sagt Matthießen. Deshalb findet er es richtig, dass Gorleben ergebnisoffen erkundet wird. Der CDU-Politiker meint: "Alles, was mit Kernenergie zu tun hat, wird schnell skandalisiert." Möglicherweise ein Grund für die mangelhafte Kommunikation der Energiekonzerne. "Aber Sicherheit ist oberstes Gebot."

51 Fragen und Antworten hat die Atomaufsicht Schleswig-Holstein zu den korrodierenden Fässern veröffentlicht, etwa wie viele Fässer bereits umgelagert sind oder ob eine Kamerainspektion in den Kavernen durchgeführt werden soll. Zu Krümmel heißt es: "Im Kernkraftwerk Krümmel sind bei Umfüllvorgängen in den vergangen Jahren umfangreiche Überprüfungen von eingelagerten Fässern durchgeführt worden. Dabei wurden keine Fässer auffällig."

Leser-Kommentare Kommentare
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt.

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei der Bergedorfer Zeitung.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt.
HINWEIS: Die Leserkommentare werden moderiert und freigeschaltet in der Zeit von:
Werktags: 6-23 Uhr
Wochenende und Feiertags: 7-23 Uhr
blog comments powered by Disqus
Meistgelesene Artikel
  1. 1. Gebührenstreit Kurioser Streit um Biotonne
  2. 2. Gerd Krämer Landrat kündigt seinen Rücktritt an
  3. 3. Übergriffe Immer mehr Gewalt in Bergedorfs Ämtern
  4. 4. Ladenbeker Furtweg Lärmschutz-Spezialist sorgt für Krach
LESERREPORTER_teaser
kontakttelefon_968146l.jpg
Kontakt

So erreichen Sie unsere Redakteuremehr »

VW_online-signet
Volkers Welt

Wissen, staunen, schmunzeln, ratenmehr »

ANZEIGEN_kontakt
Schreiben Sie uns!

Wir rufen oder mailen zurück!mehr »

LeserreisenTieser
Verreisen

Mit uns in den Urlaub!mehr »