Treibeis
Elbe gesperrt - Eisbrecher nach Hamburg verlegt
Freitag, 3. Februar 2012 17:42
- Von Timo Jann
Geesthacht. Die Schifffahrt auf der norddeutschen Oberelbe ist eingestellt. Die bis zu 1200 PS starken Eisbrecher des Wasser- und Schifffahrtsamtes haben ihre Einsatzpositionen bezogen. Acht der Spezialschiffe machten sich auf den Weg nach Hamburg.
Das eisige Wetter dieser Tage weckt bei vielen Erinnerungen an den Winter
1996: Damals war das Treibeis auf der Elbe im Februar zum Stillsand
gekommen. In Tesperhude konnte man zu Fuß den gut 300 Meter breiten Fluss
überqueren. Am Ufer herrschte Volksfeststimmung, es gab Bratwurst- und
Glühweinstände, Autos von Touristen verstopften die Elbuferstraße. Unterhalb
von Krümmel war das Atomkraftwerk in Betrieb. Die Elbe war hier wegen des
eingeleiteten warmen Wassers aus der Kühlung eisfrei ein seltenes
Schauspiel.
Als später wieder milder wurde, mussten die in Geesthacht stationierten
Eisbrecher das dick aufgetürmte Packeis 230 Kilometer weit bis Magdeburg
aufbrechen. Ein Job, der sich wochenlang hinzog. So lange war die
Schifffahrt auf der Elbe eingestellt.
Danach sieht es allerdings derzeit nicht aus. Aber die Verantwortlichen des
Wasser- und Schifffahrtsamtes (WSA) beobachten die Lage regelmäßig. Als
Schwachstelle im Eisabfluss gilt das Stauwehr unterhalb der Geesthachter
Elbbrücke. Hier wurde 1993 der Eisbrecher „Bison“ tagelang in den mehrere
Meter hoch aufgetürmten Eismassen eingeschlossen, die Besatzung musste das
Schiff verlassen.
Vorsorglich wurden am Freitag acht der zehn im Geesthachter Hafen
stationierten Eisbrecher nach Hamburg verlegt. Von hier aus sorgen sie
jeweils bei ablaufendem Wasser für einen reibungslosen Ablauf der
Eisschollen in Richtung Nordsee.
So soll verhindert werden, dass die Eisschollen sich verkeilen, den Fluss
blockieren und es dahinter zu einem Stau des Wassers kommt. So eine
Eisbarriere hatten Pioniere der Bundeswehr vor 25 Jahren vor Spadenland auf
der Elbe sprengen müssen, weil sich dahinter rasend schnell ein Hochwasser
gebildet hatte.
Zwei Eisbrecher bleiben vorsorglich in Geesthacht liegen, um von hier aus
operieren zu können. Die Motoren der Spezialschiffe leisten bis zu 1200 PS.
In den beiden vergangenen Wintern waren die Besatzungen stark gefordert, weil
auf Elbe, Elbe-Lübeck-Kanal und Elbe-Seiten-Kanal wochenlang Eiszeit war.
Erstmals ist in dieser Saison ist der neu in Dienst gestellte Eisbrecher
„Keiler“ mit am Start und muss sich bewähren.
3. Januar 1963: Der Eisweg kostet die halbe Fährgebühr
Aus der Lauenburgischen Landeszeitung:
Innerhalb der Buhnen ist die Elbe zumeist bis auf den Grund zugefroren.
Bei Geesthacht und in Lauenburg liegen drei Eisbrecher in Bereitschaft, die
beim Einsetzen von Tauwetter mit dem Aufknacken der Eisdecke beginnen
sollen. Oberhalb der Staustufe ist die Elbe bis weit über die Zonengrenze
hinaus fest zugefroren. Bei Tesperhude ist mit behördlicher Genehmigung eine
Straße für Kraftwagen über das Eis freigegeben worden. Die Decke ist so
stark, dass heute auch Lastwagen zwischen Niedersachsen und
Schleswig-Holstein pendeln können. Für den Eisweg wird die halbe Fährgebühr
kassiert. Ein Schild macht darauf aufmerksam, dass Beifahrer während der
Überfahrt aussteigen müssen.
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