Vogel des Jahres
Die Dohle hat in Geesthacht nur Gaststatus
Mittwoch, 1. Februar 2012 16:23
- Von Karin Lohmeier
Geesthacht. Die Dohle gilt als klug und gesellig - und wurden vom Naturschutzbund Nabu zum Vogel des Jahres 2012 gewählt. In und um Geesthacht können die Tiere derzeit regelmäßig beobachtet werden, allerdings sind sie nur Gäste. Warum, darüber rätseln Experten.

Foto: Karin Lohmeier
Schlau und gesellig: Die Dohle wurde vom Nabu zum Vogel des Jahres 2012 gekürt.
Früher nannte man sie „des Pastors schwarze Taube“. Denn die Dohle nistete gerne in Nischen und Mauerlöchern, die sie auch in Kirchtürmen fand. Doch viele dieser Brutplätze sind verschwunden, weil Turmöffnungen zur Taubenabwehr vergittert wurden. Auch Gebäudesanierungen haben dazu beigetragen, dass die Zahl der brütenden Dohlenpaare in Deutschland auf 100000 gesunken ist. Ein Grund für den Naturschutzbund, „Coloeus monedula“ – so der lateinische Name – zum Vogel des Jahres 2012 zu ernennen.
In mehreren Bundesländern stehen die Dohlen auf der Roten Liste der gefährdeten Arten oder, wie in Schleswig-Holstein, auf der Vorwarnliste. Denn auch ihr Tisch ist nicht mehr reich gedeckt. Auf Weiden, Feldern und Wiesen fanden Dohlen früher viele Käfer, Heuschrecken, Würmer und Schnecken. Heute werden immer mehr Flächen versiegelt und für den Anbau von Mais und Raps flächendeckend Pestizide eingesetzt.
„Dabei ist der Vogel durchaus auch für die Landwirtschaft nützlich, weil er eben so viele Insekten vertilgt“, sagt Dr. Friedhelm Ringe, Vogelexperte des Naturschutzbundes in Geesthacht.
Jetzt im Winter halten sich viele Dohlen an der Elbe auf. Sie teilen ihre Schlafbäume an der Geesthachter Schleuse mit den Saatkrähen. Es sind Wintergäste aus dem Osten, die im Frühjahr wieder zurück nach Polen, Weißrussland oder ins Baltikum fliegen, um dort zu brüten. Ringe: „Insgesamt sind es etwa 2000 bis 3000 Vögel, jeweils die Hälfte davon Dohlen und Saatkrähen.“ Er hat beobachtet, dass die Bestände deutlich zurückgegangen sind: „In den 70er- und 80er-Jahren waren es mal insgesamt 10000 Vögel.“
Bei einem Spaziergang an der Elbe lässt sich das ausgeprägte Sozialverhalten der Dohlen beobachten. Sie sind ihrem Partner ein Leben lang treu und fürsorgliche Eltern. Ihr Lautrepertoire ist vielseitig, die klugen Vögel können sogar andere Tierarten und Menschen nachahmen. „Markant ist das ‚Kjak, Kjak' der Dohlen“, so Friedhelm Ringe.
Rätselhaft findet er jedoch, dass die Vögel in Geesthacht und Umgebung nicht brüten – und das schon seit mindestens 50 Jahren. „Dabei sind die Bedingungen hier sehr gut“ sagt Friedhelm Ringe. Denn im Wald bei Grünhof-Tesperhude gibt es Baumhöhlen, zudem hängt der Nabu Dohlen-Nistkästen auf. Und in den Feldern der Elbmarsch würden die Vögel auch genügend Nahrung finden. Ringe: „Wer einen Tipp hat, warum die Dohlen hier nicht brüten, kann sich bei mir melden.“ Auch für Hinweise auf Dohlen mit einem hellen Streifen am Hals ist der Nabu-Experte dankbar: „Die kommen nämlich aus sehr weit entfernten Gebieten im Osten – bis hin zum Ural.“ Telefon: (04152) 73968.

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Dohlenfreund meint:
Wir spielten viel in den umliegenden Waldgebieten und sahen überall die drolligen Dohlen. Besonders im Waldgebiet der ehemaligen GKSS (davor Dynamit AG Krümmel). Wir Kinder hatten zeitweise selbst zahme Dohlen, mit denen wir uns beschäftigten. Wenn sie erwachsen waren, blieben sie dann fast immer fort, nämlich in dem o.g. Waldgebiet.
Leider sehe ich seit vielen Jahren auch keine Dohlen dort mehr. Ich glaubte, sie wären vielleicht noch in der Tiefe des Waldes Richtung Schnakenbek (Avendorfer Heide), was laut Herrn Ringe wohl nicht der Fall ist. Auch Schwarzspechte gab es damals viel mehr. Doch von denen habe ich unlängst ein Paar beobachten können.