Schmerzarzt Dr. Sittig fristlos gekündigt - Hausverbot
Montag, 23. Januar 2012 20:47
- Von Kim Nadine Meyer
Geesthacht. Überraschend wurde dem Schmerztherapeuten und Palliativmediziner Dr. Hans-Bernd Sittig im Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) fristlos gekündigt. Auch die Geschäftsführung des Auxilium-Hospizes wurde ihm entzogen. Sittig hat einen Anwalt eingeschaltet.

Foto: Kim Nadine Meyer
Dem gefragten Schmerzarzt Dr. Hans-Bernd Sittig, hier ein Archivbild, wurde fristlos gekündigt.
Sechs Jahre lang hat Dr. Hans-Bernd Sittig im Medizinischen Versorgungszentrum
Geesthacht (MVZ) praktiziert. Ein Segen für alle Schmerzpatienten in der
Region. Denn der Facharzt für Anästhesie, spezielle Schmerztherapie und
Palliativmedizin gehört zu den besten seines Fachs. Von der Zeitschrift
„Focus“ wurde er Mitte des Jahres 2011 zu den Topmedizinern Deutschlands
gewählt. Zudem ist er rund um die Uhr für die Gäste des Auxilium-Hospizes
da. Eigentlich Grund genug, um alles dafür zu tun, Dr. Sittig in Geesthacht
zu halten. Doch am 30. Dezember erhielt der Arzt seine fristlose Kündigung.
„Meine Frau informierte mich gegen elf Uhr, dass die Kündigung zu uns nach
Hause gebracht worden sei“, sagt Dr. Sittig. Eine halbe Stunde später hätten
bereits zwei Mitarbeiter von Dr. Detlef Kramer, der das MVZ betreibt, den
Arzt aus der Praxis eskortiert. Das Wartezimmer war voller verdutzter
Patienten. Bilder von der Familie, private Bücher, die ungeöffnete Post –
nichts konnte Sittig mehr mitnehmen. Er bekam Hausverbot. „Das kam für mich
vollkommen überraschend“, sagt der Arzt. „Ich habe mich sehr wohlgefühlt und
viel positives Feedback von Patienten bekommen.“
In der Tat sind viele seiner Patienten verzweifelt. Angelika Rosenthal,
Leiterin der Selbsthilfegruppe für chronische Schmerzen in Geesthacht und
selbst Patientin von Dr. Sittig, ist empört: „So viele Patienten sind nun
ohne Versorgung. Wir waren so froh, Dr. Sittig hier zu haben“, sagt sie.
Ähnlich geht es den Schwestern des Auxilium-Hospitzes. Wo vorher Dr. Sittig
als geschäftsführender Arzt für alle Bewohner jederzeit zur Verfügung stand,
sind nun verschiedene Palliativ- und Hausärzte zuständig.
Sittig hat seinen Anwalt eingeschaltet, um gegen die Kündigung vorzugehen. Ein
Vorwurf an ihn lautet offenbar, dass er Patienten weiter betreut habe, wenn
er krank oder im Urlaub war, auch in dieser Zeit Medikamente verschrieb, die
ihnen niemand anders rezeptieren wollte. Ein vorgeschobener Grund, meint
Sittig. Nach bisher nicht bestätigten Gerüchten, lautet ein weiterer
Vorwurf, Dr. Sittig habe zu viele Patienten behandelt. Das habe sich nicht
gerechnet. Weil die veraltete Bedarfsplanung Schmerztherapeuten nicht extra
berücksichtigt, gibt es in vielen Regionen zu wenige Schmerzärzte und die
Praxen sind überlaufen. Das bestätigte die Kassenärztliche Vereinigung
Schleswig-Holstein bereits im vergangenen Jahr. Ein Grund, warum Dr. Sittig
seit langem einen Kollegen in seine Praxis nehmen wollte.
Dr. Kramer, Betreiber des MVZ, wollte sich zu dem Fall nicht äußern.
Begründung: Es handele sich um ein laufendes Verfahren.

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Jürgen Suchan meint:
Dr sittig muss auch zurück er war immer nett gegenüber seinen Patienten...
juergensuchan chron schmerzpatient
T. Ristola meint:
Jetzt würde mich nur brennend interessieren, wo und ab wann er wieder praktiziert. Ich glaube, die Frage stelle ich im Namen vieler anderen zufriedenen Patientinnen und Patienten. Hat da jemand irgendwelche Informationen?
Michaela Dehning meint:
Das ist toll!
Ich musste zu einem anderen Schmerztherapeuten wechseln, da ich BTMs verschrieben bekomme. Und auch mein neuer Arzt ist gut. Dennoch möchte ich gerne wieder Dr. Sittig als meinen Schmerztherapeuten benennen dürfen.
Ich will hoffen, dass sich nun auch jemand darum kümmert, dass Dr. Kramer in dieser Region nicht mehr praktizieren darf! Denn er hätte die Kassenärztliche Vereinigung als auch die Ärztekammer vor seiner Entscheidung Dr. Sittig fristlos zu entlassen zumindest informieren müssen - rein moralisch gesehen, wie die Rechtslage in dem Fall aussieht weiß ich nicht.
Nachdem ich meine Nachricht auf unserem AB abhörte, dass die Praxis AB SOFORT geschlossen ist, und ich diese Nachricht verdaut hatte, rief ich bei den vorher genannten Stellen an: Die wussten von gar nichts!
Einen Arzt"kollegen" wie Dr. Kramer braucht doch wirklich keiner:
Die Kopie meiner Krankenakte hatte ich bereits zwei Tage später angefordert - bis jetzt allerdings immer noch nicht vollständig erhalten...
Ich möchte Dr. Sittig wieder haben! Und ich möchte, dass er wieder in Frieden in dieser Region praktizieren darf.