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Brandstifter muss in Therapie

Geesthacht. Wolfgang Günter H. aus Börnsen ist vom Lübecker Amtsgericht zu einer Haftstrafe von 30 Monaten verurteilt worden. Außerdem muss er sich in Therapie begeben. Im August 2011 hatte der 45-Jährige durch Brandstiftung auf einer Weide in Besenhorst ein Großfeuer verursacht.
6. August 2011: In Besenhorst stehen 1000 Rundballen in Flammen. Bis zu 150 Feuerwehrleute löschen im Schichtdienst.
Foto: Jann
6. August 2011: In Besenhorst stehen 1000 Rundballen in Flammen. Bis zu 150 Feuerwehrleute löschen im Schichtdienst.
Ob ihm diese Therapie hilft? Wenn Wolfgang Günter H. (45) aus Börnsen betrunken ist, besteht die Gefahr, dass er ein Feuer legt. Wie zuletzt in Besenhorst. Jetzt soll er seiner krankhaften Pyromanie mit einem Alkoholentzug und einer Therapie begegnen. Zusätzlich verhängte das Lübecker Amtsgericht eine Haftstrafe von 30 Monaten gegen den Mann, der am 6. August 2011 auf einer Weide in Besenhorst gut 1000 Rundballen Stroh, Heu und Silage des Escheburger Reiterhofes Pfeiffer angezündet hatte. Die Löscharbeiten zogen sich bis zum nächsten Tag hin, mehr als 150 Feuerwehrleute löschten den Großbrand im Schichtdienst.
Gleich zu Beginn der Verhandlung verlas der Verteidiger eine Stellungnahme des Angeklagten. Darin räumte er die Brandstiftung ein. Schaden: 38.000 Euro. Nur 27.000 Euro ersetzte die Versicherung dem betroffenen Landwirt Heinz-Martin Pfeiffer, weitere Zahlungen verhinderte das Kleingedruckte in den Policen.
Hinter Wolfgang Günter H. liegt buchstäblich eine heiße Vergangenheit. In normalen Familienverhältnissen in Berlin aufgewachsen, verließ er als 18-Jähriger eine Sonderschule ohne Abschluss, um als Pferdepfleger zu arbeiten – sein Traumjob. Doch immer wieder greift er zum Feuerzeug. 1990 schiebt er einen Müllcontainer in das Treppenhaus eines Berliner Wohnblocks und zündet ihn an. Wie durch ein Wunder gibt es keine Verletzten. Es folgen Brandstiftungen an Bauwagen, Müllcontainern, Geräteschuppen, Strohballen, Pferdemist, in einem Wald bei Wentorf und sogar in einer Lagerhalle am Südring in Wentorf. In Wentorf hatte der 45-Jährige eine Zeit lang als Pferdepfleger gearbeitet. Für die Brandstiftungen in Wentorf hatte ihn das Amtsgericht Reinbek vor einem Jahr zu drei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Auflage: eine Gesprächstherapie, um vom Alkohol und der Pyromanie loszukommen.
Dem kam Wolfgang Günter H. nicht nach. Er fand einen Job als Sandwichhersteller, traute sich dann in der Probezeit nicht, seine Therapeutin aufzusuchen.
Es kam, wie es kommen musste. Am 6. August 2011 fährt H. mit dem Rad von Börnsen nach Geesthacht, kauft bei Famila zehn 0,5-Liter-Flaschen „Oettinger Export“-Bier und macht es sich an der Elbe gemütlich. Die Sonne scheint, H. genießt sein Bier. Gutachter Dr. Dirk Reichel rechnet vor, dass es der 45-Jährige auf 2,77 Promille gebracht haben müsste.
Entsprechend alkoholisiert macht sich der Sandwichhersteller auf den Heimweg. Am Bahngleis entlang fährt er durch Besenhorst, entdeckt dabei gegen 22 Uhr das Lager mit den frisch aufgestapelten Erntevorräten von Heinz-Martin Pfeiffer. Der hatte die 1000 Rundballen noch bis 18 Uhr aufgestapelt und mit Folie abgedeckt – drei Mieten, jede 50 Meter lang. Wegen schlechter Erfahrungen mit Vandalismus hatte er den Lagerplatz eingezäunt und verriegelt.
All das hält Wolfgang Günter H. nicht davon ab, wieder zu zündeln. Er nimmt sein Feuerzeug und zündet – wie er versichert – einen einzigen Ballen an. Während sich in Besenhorst ein Inferno entwickelt, macht es sich der 45-Jährige zu Hause mit einem Bier gemütlich und geht dann ins Bett. Im Zuge der Ermittlungen gibt es drei Zeugenaussagen, die einen verdächtigen Mann beschreiben. Einem Ermittler fällt dabei H. ein – er kennt ihn von der früheren Brandserie in Wentorf. Alles andere ist Routine. Hausdurchsuchung, Vernehmung, erkennungsdienstliche Behandlung, schließlich ein Geständnis. Seit dem 26. August 2011 sitzt der 45-Jährige bereits in Untersuchungshaft. Reiterhofbesitzer Pfeiffer zahlt den drei Zeugen jeweils ein Drittel der ausgelobten Belohnung von insgesamt 1000 Euro.
Vor Gericht bescheinigt der psychiatrische Gutachter dem Brandstifter, der unter anderem auch schon wegen Geldfälschung vorbestraft ist, eine „hohe Motivation“, seine Alkoholkrankheit und die Pyromanie bekämpfen zu wollen. Diese Chance soll er nun bei einer stationären Therapie bekommen. Jobst-Rüdiger Puchert, der Vorsitzende Richter des Schöffengerichts, folgte damit dem Antrag von Oberstaatsanwalt Günter Möller. In den zweieinhalb Jahren Haft soll sich H. bessern, so die Hoffnung des Gerichts. Vorrang hat jetzt aber erst einmal die Therapie, die der Brandstifter zeitnah beginnen muss.
2 Kommentare
Schwarzenbeker Jung meint:
Naja, so viel Energie Straftaten zubegehen. Wahnsinn. Aber vom Gesetz aus, hat er das Recht eine Therapie zumachen. Ob sie was bringt?? Das ist fraglich, wer einmal Blut geleckt hat wird es immer wieder tun.

Und es ist ja auch vorbildlich, dass er NUR einen angesteckt hat. Und will damit zum Ausdruck bringen. Ich wollte ja gar nicht alles anstecken. Traurig aber wahr.

Das nächste mal wäre es ein Mehrfamilienhaus gewesen mit Familien.
Hamburgo meint:
Ich hätte eine alternatives Threapieangebot. 10 Jahre Sibirien
dort Steineklopfen und schon wäre er geheilt. Im famosen Deutschland gibt es wieder nur Schmuseurteile und die Opfer dürfen selber zahlen. So sieht Gerechtigkeit aus.
Sperrt Intensivtäter endlich einmal für lange Zeit weg und kümmert auch um den Opferschutz.

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