GEW
Sparkurs schlägt ein: Schulen finden keine Lehrer
Mittwoch, 2. November 2011 17:54
- Von Anne Passow
Geesthacht. Die Schulen in Schleswig-Holstein haben es schwer. Lehrer-Planstellen gibt es genug, nur bleiben die Bewerber oft aus. Bundesländer wie Hamburg und Niedersachsen sind für Lehrer attraktiver, weil die Rahmenbedingungen besser sind.

Foto: dpa
Schulstunde im Norden: Eine Lehrerin schreibt den Stundenplan an die Tafel. Aber für viele Fächer fehlen in Schleswig-Holstein Lehrer. Vor allem Mathe und Physik sind betroffen.
Befristete Verträge und bessere Konditionen in den Nachbarbundesländern sorgen dafür, dass viele Schulen in Schleswig-Holstein ernste Probleme haben, Lehrerstellen zu besetzen. „Gerade für Fächer wie Mathe, Physik und bei uns auch Sport ist es im Moment schwierig, Lehrer zu finden“, sagt René Imort, Leiter der Grund- und Gemeinschaftsschule in der Geesthachter Oberstadt. Auch Jens-Peter Pankow, Leiter des Otto-Hahn-Gymnasium (OHG) in Geesthacht, kennt das Problem. Neben Mathe und Physik betrifft es an seiner Schule auch die Fächer Latein und Spanisch. „Hamburg oder Niedersachsen sind für viele Lehrer attraktiver“, sagt er. Das liege zum einen an den Rahmenbedingungen. „Lehrer werden dort meist schneller verbeamtet.“
Zum anderen hätten Großstädte wie Hamburg eine andere Anziehungskraft als ländliche Gebiete. „Teilweise bleiben Stellen für eine Zeit unbesetzt, weil wir keine passenden Bewerber haben“, sagt Pankow. Neben den naturwissenschaftlichen Fächern sieht Pankow auch in Fächern wie Französisch oder Englisch Personalprobleme auf die Schulen zukommen.
„Nach unseren Berechnungen gibt es im Land einen Fehlbedarf von knapp 1500 Planstellen“, sagt Bernd Schauer, Landesgeschäftsführer der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Schleswig-Holstein. Und weiter: „Hamburg ist ein großer Konkurrent für uns. Denn dort wird in Bildung investiert, während sich bei uns die Situation verschlechtert.“
Schauer spielt darauf an, dass das Kieler Bildungsministerium, um den Landeshaushalt zu sanieren, allein in diesem Jahr 300 Lehrerstellen kürzt. 2010/11 kommen auf 400.600 Schüler an den öffentlichen allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen 23.123 Planstellen. Die Zahl der Planstellen an den Gymnasien sei über die vergangenen Jahre zwar gestiegen, bei den Grund- und Gemeinschaftsschulen hingegen hat sich die Situation verschlechtert, erläutert Schauer. Bis vor kurzem galt an der Grund- und Gemeinschaftsschule für Schüler ab der fünften Klasse noch der Schlüssel 1,42 Lehrernettostunden pro Kind, seit Beginn des Schuljahres seien es 1,33, informiert Eckhard Aleidt, Schulrat im Schulamt Ratzeburg, das zuständig dafür ist, die vom Land zugewiesenen Stellen an die Schulen ohne Oberstufe (Gemeinschafts-, Grundschulen und Förderinstitute) im Kreis Herzogtum Lauenburg zu verteilen. 822 Planstellen habe das Schulamt in diesem Jahr Jahr insgesamt bekommen, das seien 29 Planstellen weniger als im letzten Jahr. „Die Einsparungen führen natürlich dazu, dass wir auf Dauer weniger Möglichkeiten haben, Lehrer langfristig einzustellen“, so Aleidt. GEW-Sprecher Schauer ergänzt: „Mit den Stellenstreichungen muss Schluss gemacht werden. Wir müssen mehr Lehrer verbeamten oder zumindest unbefristet anstellen. Sonst sind wir nicht konkurrenzfähig gegenüber anderen Bundesländern.“
Zusätzliches Problem: Viele Stellen sind eigentlich besetzt, werden de facto durch Mutterschutz oder Krankheit aber nicht ausgefüllt. Pro Jahr gibt es, laut dem Bildungsministerium, in Schleswig Holstein durchschnittlich 500 Schwangerschafts- und Elternzeitfälle. „Dafür und für Krankheitsfälle stellen wir jährlich 12 Millionen Euro zur Verfügung“, so Ministeriumssprecher Thomas Schunck. Doch das ist für die betroffenen Schulen nur bedingt eine Lösung. „Oft kann ich zu Beginn eines Schuljahres nicht mit der Anzahl an Lehrern starten, die uns zustehen“, so Imort. Den Vertretungslehrern kann er nur befristete Verträge anbieten. Tatsächlich haben laut der GEW in diesem Jahr 80 Prozent der Lehrkräfte in Schleswig Holstein bei ihrer Einstellung nur befristete Verträge erhalten. Unter den Kräften, die Imort befristet anheuert, sind oft auch Seiteneinsteiger. „Denen würde ich mit unbefristeten Verträgen gerne eine Perspektive bieten“, so Imort. Auch die GEW unterstützt das, „wenn die Seiteneinsteiger berufsbegleitend pädagogisch ausgebildet werden“, so Schauer. „Wir arbeiten daran. “, sagt Thomas Schunck vom Bildungsministerium. Gemeinsam mit der Uni Flensburg gebe es für Mangelfächer bereits ein Projekt der berufsbegleitenden Ausbildung zum Lehrer.

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Jörg Wischermann meint:
J.Wischermann, SEB-RegS Wentorf,KEB-Regs Hzgt.Lauenburg
Lothar meint:
"Fachkräftemangel" durch Einwanderung auszugleichen - das haut einfach nicht hin. Wir brauchen gute Schulbildung - und das bundesweit!