Abrechnungsskandal
Herzogtum Lauenburg will sich vom DRK trennen
Mittwoch, 19. Oktober 2011 17:46
Geesthacht. Düstere Aussichten für das Deutsche Rote Kreuz (DRK) als Vertragspartner des Kreises: Der Innenausschuss hat das Thema Rettungsdienst erneut auf der Tagesordnung. Es geht um insgesamt rund 200.000 Euro, die vom DRK zu Unrecht kassiert und inzwischen zurückgezahlt wurden.

Foto: Jann
Die Luft für den DRK-Rettungsdienst wird dünner Der Kreis Herzogtum Lauenburg überlegt sich von dem Vertragspartner zu trennen.
Am 31. Oktober (Beginn: 17.30 Uhr, Kreishaus Ratzeburg) sollen die Handlungsalternativen zur Durchführung des Rettungsdienstes durch das DRK im Auftrag des Kreises Herzoogtum Lauenburg beraten werden. Dörte Kröpelin, Leitende Verwaltungsdirektorin des Kreises, beurteilt die Fortführung des Vertrags in ihrer Vorlage für das Gremium als „nicht zumutbar“.
Wie berichtet, ist zwischen dem DRK-Kreisverband sowie der Kreisverwaltung und den Politkern des Kreises ein Streit entbrannt. Unter anderem besteht Betrugsverdacht, weil gefälschte Rechnungen eingereicht wurden. Die Organisation gibt dem Kreis eine Mitschuld.
Der Innenausschuss hatte daraufhin in seiner letzten Sitzung beschlossen, die Verantwortlichen des DRK anzuzeigen und den Vertrag dahingehend zu prüfen, welche Alternativen es zur Zusammenarbeit mit dem DRK gibt.
Parallel dazu kümmert sich das DRK laut Vertrag auch um die nötigen Beschaffungen und die finanzwirtschaftlichen Vorgänge in Sachen Rettungsdienst. Und genau da sieht Dörte Kröpelin Handlungsspielraum einer „Vertragsanpassung“ gegeben. Zum Jahresende könnte ihrer Einschätzung nach der Vertrag mit einer Frist von einem Jahr gekündigt werden.
Deshalb drängt die Zeit. Der Kreistag müsste den Vertrag kündigen, benötigt dafür jedoch eine Vorarbeit durch den Innenausschuss. Und der müsste dann in seiner übernächsten Sitzung am 17. November eine Entscheidung auf den Weg bringen. „Ich möchte dem Ausschuss den Vorschlag machen, dass wir uns am 17. November einen Zwischenbericht für die Buchprüfung des Jahres 2009 durch unser Rechnungsprüfungsamt geben lassen und dann entscheiden“, erklärte gestern Norbert Brackmann (CDU), der Vorsitzende des Innenausschusses.
Auf das mit dem Wirtschaftsprüfer des DRK-Kreisverbandes verabredete Zeitfenster für die Jahresrechnungen 2009 und 2010 setzt Brackmann nicht mehr. Hintergrund: Nach Infos unserer Zeitung hat sich der DRK-Landesverband eingeschaltet und als externe Fachleute einen Anwalt und einen Wirtschaftsprüfer eingesetzt. Der DRK-Kreisverband hatte ebensolche aus Ratzeburg eingesetzt.tja

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Ruheinperson meint:
Lars meint:
Äskulap meint:
Genau. Das ist der springende Punkt. Der DRK-Kreisvorstand schadet der an und für sich guten Sache des DRK dadurch, dass der Verantwortliche nicht sang- und klanglos entlassen wird, wie es in der freien Wirtschaft unter solchen Umständen gang und gäbe ist. Ausbaden müssen es alle haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter und Helfer und schlussendlich alle diejenigen Menschen, die auf die Hilfe des DRK - in welcher Form auch immer - angewiesen sind.
Denn wie viele Kommentare hier zeigen, wird mittlerweile alles unrettbar miteinander vermengt. Die Rettungsmittel brauchen zu lange, die KTW werden falsch eingesetzt , es gebe zu wenig Rettungsmittel, die Qualität der Versorgung sei schlecht, DRK-Disponenten in der Rettungsleitstelle ginge gar nicht (hier wird unausgesprochen die Integrität dieser Mitarbeiter in Frage gestellt) usw. Ob das alles so stimmt, sei dahingestellt.
Jeder möge einmal in sich gehen und überlegen, ob und wann er schon einmal Hilfe benötigt hat und in welcher Form er diese vom DRK erhalten möchte oder erhalten hat. Die Motivation der haupt- und ehrenamtlichen Helfer geht zumindest gerade den Bach runter. Ja, macht alles dicht, alle DRK-Einrichtungen einstampfen, Ende. Aber wenn es dann knallt und kaum einer zum Helfen da ist - bitte nicht wieder Zeitungsartikel, Kommentare usw. posten, warum nicht geholfen wurde...
Wie gesagt - die Affäre an sich ist katastrophal und nicht zu entschuldigen, und der Umgang des DRK-Kreisvorstandes damit und insbesondere mit Herrn T. unentschuldbar. Aber gewisse Grenzen sollten beachtet werden.