Peinemanns Naturgeschichten
Flattermann mit Ortungssystem
Dienstag, 24. November 2009 19:30
- Von Georg Peinemann
Unser Natur-Kolumnist Georg Peinemann beschreibt die Fledermaus.

Foto: jürgensen
Es berichtet der Naturbuchautor Georg Peinemann
Blut – Fledermaus – Vampir? Immer langsam. Die Erklärung hat gar nichts Gruseliges. Ein reflexartiger Biss mit spitzen Zähnen. In meiner pommerschen Heimat bestiegen wir Bengels abends mit einer Taschenlampe heimlich den alten Kirchturm, leuchteten die im Gebälk hängenden Fledermäuse an und dachten uns allerlei Spukgeschichten aus. Furcht hatten wir nicht vor den Fledermäusen, sondern vor dem Küster, der uns manchmal zornig nachstieg. Wir wussten damals schon, dass die Flattertiere nützliche Insektenvertilger sind. Ihr Ortungssystem ist faszinierend. Die kleinen Säugetiere, die in der Dämmerung fliegen, senden ununterbrochen Peillaute im Ultraschallbereich für die Orientierung und Nahrungsaufnahme aus. Einen summenden Brummer hören sie draußen so laut wie wir ein startendes Düsenflugzeug, und das Flattern eines Nachtfalters ist Musik für sie, verheißt es doch einen fetten Happen. Um die Fledermaus zu fangen, hängten wir das Fischernetz meines Vaters im Geäst einer Eiche auf. Pustekuchen! Das Ausweichen gehört zu den leichtesten Übungen dieser Tiere.
Gar nichts Gruseliges? Bitte schön – der große Vampir im tropischen Amerika mit einer Flügelspanne von 90 Zentimetern liebt reife Früchte. Aber da sind in tropischen Bereichen auch noch die Vorbilder der gruseligen Geschichten. Diese Vampire mit dem Kopf von der Größe einer Kirsche ritzen schlafenden Haustieren blitzschnell die Haut auf und lecken genüsslich das austretende Blut. Ja, so schlicht und nüchtern ist die vampirische Wahrheit.
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