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Alles für den plattdeutschen Snack

Glinde. "Klappreekner" ist ein Laptop oder Notebook - mit "Ackerschnacker" ist ein Handy gemeint: Dass Plattdeutsch kein regionaler Dialekt, sondern eine eigene Sprache ist, dass auf allen 21 Glinde-Ortsschildern demnächst zusätzlich der niederdeutsche Name "Glinn" prangt und nicht zuletzt, dass die noch bestehende Ausgabe des Deutsch-Plattdeutsch-Wörterbuchs mit aktuellem Wortschatz und Sprachgebrauch modernisiert wird, ist größtenteils Heinrich Thies zu verdanken.
Plattdeutsch ist sein Leben: Heinrich Thies vor der Glinder Mühle mit dem plattdeutschen Wörterbuch, das er gerade aktuell überarbeitet.
Foto: Katja Hardter
Plattdeutsch ist sein Leben: Heinrich Thies vor der Glinder Mühle mit dem plattdeutschen Wörterbuch, das er gerade aktuell überarbeitet.
Thies ist nicht nur Mitbegründer des Heimat- und Bürgervereins von 1982, sondern engagiert sich außerdem in der Fehrs-Gilde aktiv für Bestandspflege und Förderung der plattdeutschen Sprache und Kultur. Langfristiges Ziel des 71-jährigen, pensionierten Juristen ist es, das Niederdeutsche auch im modernen Schulunterricht oder in Arbeitsgemeinschaften wiederzubeleben. Sogar im Kindergarten sollten die Kleinen damit Berührung haben, erste Wörter lernen. "Die Fehrs-Gilde hat diesbezüglich einen Bildungserlass gefordert", sagt Thies. "Ich bleibe dran, bis endlich was passiert." Für sein jahrzehntelanges ehrenamtliches Engagement in Sachen traditionelle Sprachkultur wurde er jetzt als Kandidat für den Bürgerpreis Bergedorf nominiert.
Auf sein Aktiv-Konto gehen auch die gelungene Aufnahme von Niederdeutsch in die Europäische Sprachencharta und die Bildung eines Beirates für Plattdeutsch beim schleswig-holsteinischen Landtag. Dafür sammelte er per Internet und Rundschreiben 18 000 Unterschriften.
Foto: BGZ
Die Fehrs-Gilde wurde 1916 kurz nach dem Tode des Dichters Johann Hinrich Fehrs gegründet. Thies: "Der Schwerpunkt unserer Arbeit lag früher auf der Herausgabe guter plattdeutscher Literatur. Manche Leute denken: Auf Plattdeutsch gibt es nur Döntjes, aber das stimmt nicht. 1949 wurde der Verlag der Fehrs-Gilde gegründet. Der wurde dann 1989 in den Wachholtz Verlag integriert." Eines der bekanntesten und verbreitetsten plattdeutschen Bücher überhaupt, so Thies, sei das niederdeutsch-hochdeutsche "Kleine Plattdeutsche Wörterbuch" von Johannes Sass. Dieses Standardwerk der niederdeutschen Sprache wurde von der Fehrs-Gilde veröffentlicht und wegen der großen Nachfrage immer wieder neu nachgedruckt.
Heinrich Thies hat beispielsweise das Fotobuch "Schleswig-Holstein - Land twüschen Heven un See" ins Platt übersetzt. "Reich geworden bin ich dadurch nicht. Mein Autorenhonorar geht in den Topf unseres Heimatvereins", lacht er. Die Liebe zum Niederdeutschen wurzelt bei ihm in frühester Kindheit. In der Nähe von Rendsburg geboren, wurde ihm die Regionalsprache direkt mit in die Wiege gelegt. "Meine Muttersprache ist Platt, erste Fremdsprache Hochdeutsch", frotzelt der Bürgerpreis-Kandidat, der mit seinen Enkelkindern nur Platt snackt.
Spannend findet Heinrich Thies seine Arbeit für das "Plattdeutsche Wörterbuch". Derzeit überarbeitet er die kleine Ausgabe, hat parallel dazu eine große im Werden, in die auch 7000 moderne Wörter integriert werden. "Wir müssen das Plattdeutsche aktuell und lebendig erhalten, also auch zeitgemäßen Sprachgebrauch, übernommene Begriffe aus dem Englischen sowie Fachwörter mit berücksichtigen. Sprache wächst mit."

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© Bergedorfer Zeitung 2008