Schriftgröße: A A A
Logo der Bergedorfer Zeitung
http://www.bergedorfer-zeitung.de/bergedorf/article81849/Bergedorf_verliert_Identitaet_als_Stadt.html
Link in E-Mail oder Instant-Message einfügen close

Bergedorf verliert Identität als Stadt

Bergedorf. Geht es nach den üblichen Gepflogenheiten des Senats, entscheidet sich am Freitag, 10. September Bergedorfs Zukunft. Denn der rigorose 17-Punkte-Sparplan von Finanzsenator Carsten Frigge dürfte hinter den Kulissen gerade die letzten Verhandlungen durchlaufen, um am Montag dann als Drucksache formuliert zu werden.
Hamburg soll 500 Millionen sparen, auch wenn's weh tut.
Foto: BZ
Hamburg soll 500 Millionen sparen, auch wenn's weh tut.
Hamburger Senatsklausuren, wie die vom 20. bis 22. September, winken solche Papiere erfahrungsgemäß durch.
Gelingt am Freitag kein generelles Umschwenken, droht in der ganzen Stadt vor allem Familien soziale Kälte, schließlich sollen Elternschulen, Mütterberatung, Häuser der Jugend und sogar der Schulärztliche und Schulzahnärztliche Dienst abgeschafft werden. Dramatisch wirkt sich für Bergedorf zudem ein Vorhaben aus, das auf den ersten Blick wie eine Nebensächlichkeit wirkt: die Abschaffung der Fachleute für Wirtschaftsförderung im Bezirk. Ihre Arbeit soll zentralisiert werden. Betroffen sind Dr. Andreas Aholt und Till Bode.
„Mit ihnen ist Bergedorf ein wirtschaftlich starker Brückenkopf, ohne sie ein degeneriertes ‚Zonenrandgebiet’“, sagt der Chef der Bergedorfer Wirtschaftsinitiative WSB, Gero Tuttlewski. In Briefen an die Senatoren für Stadtentwicklung, Wirtschaft und Finanzen sowie an den Präsidenten der Handelskammer mahnt er: Bergedorf habe tagtäglich in Ansiedlungsfragen mit den um 70 Prozent geringeren Gewerbesteuersätzen und im Vergleich sogar noch niedrigeren Grundstückspreisen der direkten Nachbargemeinden in Schleswig-Holstein zu kämpfen. „Die umliegenden Kreise mit ihren Wirtschaftsförderungsgesellschaften machen uns aktive Konkurrenz. Eine lediglich zentral operierende Hamburger Wirtschaftsförderung kann hierzu kein Gegengewicht bilden“, schreibt Tuttlewski. Punkten könne Bergedorf nur mit weichen Standortfaktoren wie dem Wohnumfeld, der Kultur oder der guten Verbindung in die Hamburger City. „Um das überzeugend an ansiedlungswillige Unternehmer bringen zu können, sind fundierte Standortkenntnisse erforderlich, wie sie lediglich auf dezentraler Ebene entstehen können und in Bergedorf vorhanden sind.“
Für Tuttlewski setzt der Senat „mit seinen Sparplänen die erfolgreiche Bergedorfer Wirtschaftsförderung leichtfertig aufs Spiel“. Es gehe um die Zukunft vieler Arbeitsplätze, sogar um die „Identität Bergedorfs als gefühlte Stadt“. Dass diese Sorgen in Hamburg erhört werden, ist längst nicht sicher. Tuttlewski: „Im Moment klagen alle. Da wird Bergedorf gern überhört.“
Noch kein Kommentar abgegeben

Onlineanzeigenannahme
nach oben
© Bergedorfer Zeitung 2008