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Krebskranker sollte Wohnung räumen

Neuallermöhe. . Das vergangene halbe Jahr hat Hannelore Schädlich fast 20 Kilo gekostet. Und das ist bei der hageren 68-Jährigen beinahe ein Drittel ihres Körpergewichts.
Schädlich
Foto: Ulf-Peter Busse
Hannelore Schädlich mit ihrem krebskranken Sohn Heino.
Hinzu kommen Beruhigungstropfen – flaschenweise. Dabei ist die Seniorin eigentlich eine Kämpferin, setzt sich auch schon Mal für ihre Nachbarn in der Wohnanlage am Fanny-Lewald-Ring 171-179 ein.
Doch am 19. März brach ihre Welt zusammen. Damals wurde Gewissheit, was sie schon Wochen zuvor geahnt hatte: Ihr Sohn Heino (51), Angestellter bei der Post, mit dem sie sich seit 18 Jahren eine Drei-Zimmer-Wohnung im zweiten Stock teilt, war schwer an Krebs erkrankt. Was folgte, waren Monate der Operationen und Chemotherapie. Im Juli zeichnete sich ab, dass der Krebs etwas zurückgedrängt werden konnte.
Doch damit begannen für die Schädlichs neue Probleme. „Ich wusste, dass Heino, sobald er aus der Klinik kommt, einen Rollstuhl braucht. Aber damit kommt er nicht in unsere Wohnung, denn die Anlage hat keinen Aufzug. Und tragen kann ich ihn nun wirklich nicht“, erinnert sich Hannelore Schädlich, die Grundsicherungsrente bezieht, also das Hartz IV für Rentner.
So begann ihr Kampf um den Umzug ins Erdgeschoss. Dort hatte ihr die Lehrer-Baugenossenschaft, der die ganze Wohnanlage am Fanny-Lewald-Ring gehört, schon im Juni eine fast identische Drei-Zimmer-Wohnung zum 1. September angeboten. Doch das Grundsicherungsamt des Bezirks stellte sich quer. Die gewohnten 80 Quadratmeter seien nach heutiger Rechtslage zu groß. Maximal würden Mutter und Sohn bei einem Umzug heute nur 60 Quadratmeter zustehen. Hannelore Schädlich solle sich „unbedingt in anderen Hamburger Stadtteilen nach passendem Wohnraum umsehen“.
Und es ging noch weiter: Die Behörden erkannten Heinos Erkrankung nicht an, wichtige Atteste gingen von der Klinik an falsche Adressen – und die Genossenschaft wollte wissen, ob die Schädlichs die Wohnung denn nun haben wollen. Es gebe eine Reihe weiterer Interessenten.
„Mir lief die Zeit davon. Die Wohnung war zum Greifen nah, aber unerreichbar“, erinnert sich Hannelore Schädlich. Die Nerven lagen blank, was die Sachbearbeiter im Bezirk nicht gerade zu Freunden machte. In ihrer Not wandte sich die Neuallermöherin an unsere Zeitung – wir konnten vermitteln: Sozialdezernentin Angela Braasch-Eggert persönlich kümmerte sich um den Fall und half, die nötigen Unterlagen schnell an die richtigen Stellen zu bringen.
Tatsächlich ist zumindest die Wohnungsodyssee der Schädlichs in letzter Sekunde abgewendet worden: Vor wenigen Tagen haben sie den Mietvertrag unterzeichnet. Die Lehrer-Baugenossenschaft hatte tatsächlich allen Interessenten abgesagt. „Das ist wie ein Traum“, sagt Hannelore Schädlich. Sie hofft nun, noch viel Zeit mit ihrem Heino in den neuen vier Wänden verbringen zu können.
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