Streitgespräch
Hamburger Schulreform auf der Kippe
Mittwoch, 7. Juli 2010 19:44
- Von Ulf Peter Busse und Christina Rückert
Bergedorf. Zehn Tage vor dem Volksentscheid wird es eng für die Hamburger Schulreform. Umfragen sehen einen deutlichen Vorsprung für die Gegner der Verlängerung der Grundschule um die Klassen 5 und 6 zur sogenannten Primarschule.

Foto: Ulf-Peter Busse
Schulverbesserer Walter Scheuerl im Streitgespräch gegen Senatorin Christa Goetsch.
Bis zu 56 Prozent der Befragten lehnen das Projekt der schwarz-grünen Koalition und ihrer zuständigen Senatorin Christa Goetsch (GAL) ab.
Viel Arbeit also für die „Schulverbesserer“, wie sich die Befürworter nennen. Und verhaltener Jubel bei der Initiative „Wir wollen lernen“, die gegen die Reform mobil macht. Trotzdem werden beide Seiten an ihren Info-Ständen auf Plätzen und in Fußgängerzonen bis zur Abstimmung am Sonntag, 18. Juli, mächtig für ihre Sache werben.
Wir lassen heute die prominenten Köpfe beider Seiten zu Wort kommen: Schulsenatorin Christa Goetsch und Walter Scheuerl, Sprecher von „Wir wollen lernen“. Im Streitgespräch um die Zukunft der Bergedorfer Schulen liefern sie sich einen erbitterten Schlagabtausch.
Scheuerl warnt vor einer Benachteiligung von Schülern aus armen Familien durch den längeren Verbleib in den Schulen ihrer Problem-Stadtteile. Er sieht sich deshalb sogar von türkisch-stämmigen Müttern in der Ablehnung der Schulreform unterstützt.
Christa Goetsch hält mit den großen Chancen des längeren gemeinsamen Lernens gerade für Jungen dagegen – und führt nicht zuletzt das einstimmige Votum der Bergedorfer Grundschulleiter für die Schulreform als positives Prädikat für ihr Projekt an.
Gerade dieses Schreiben sieht Scheuerl sehr kritisch, wittert eher die Aufbesserung der persönlichen finanziellen Lage der Rektoren als Motivation: „Wenn sie einen Leitungsposten in einer Primarschule bekommen, können sie Bezahlung nach A 15 erwarten.“
Das bedeute für einen Grundschulleiter, der heute 50 ist, etwa 100.000 Euro mehr Einkommen bis zum Rentenalter.
- Lesen Sie das komplette Streitgespräch auf einer Doppelseite in der gedruckten Donnerstagsausgabe unserer Zeitung vom 8. Juli.
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