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Menschenkette legt Verkehr lahm

Bergedorf. Volksfeststimmung auf der rund zwei Kilometer langen Strecke zwischen Bergedorfer Rathaus und dem Casinopark in Wentorf: Unzählige orange Luftballons leuchteten entlang der B 207, als sich hier Sonnabendmittag mehr als 750 Menschen für einige Minuten die Hände über Ländergrenzen hinweg reichten.
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Menschenkette
Foto: Peggy Hesse-Sommer
Grenzüberschreitender Händedruck: Bergedorfs Bezirksamtsleiter Dr. Christoph Krupp (li.) und Wentorfs Bürgermeister Matthias Heidelberg mit zersägtem Schlagbaum auf der Landesgrenze.
Das sollen auch die Landesregierungen in Kiel und Hamburg tun, fordert die Initiative „Schule ohne Grenzen“, die mit dieser Aktion ein neues Gastschulabkommen zwischen beiden Bundesländern erreichen will. An der Menschenkette beteiligten sich Eltern und Kinder von vier Bergedorfer Schulen (Montessori-Schule, Rudolf-Steiner-Schule, Gymnasium Lohbrügge und Luisen-Gymnasium) sowie von der Rudolf-Steiner-Schule Farmsen und der Waldorf-Schule Bergstedt.
„Es ist dramatisch“, sagte Kerstin Eilmes, eine der Teilnehmerinnen. „Wir wollen ein vereintes Europa und können nicht mal Ländergrenzen überspringen.“ In Bergedorf ist der grenzüberschreitende Schulbesuch für Hunderte Kinder Alltag. Dr. Sven Fastenrath lebt mit seiner Familie in Wentorf, seine achtjährige Tochter besucht jedoch die Montessori-Schule auf der Sternwarte. Ob auch ihre kleine Schwester dort im nächsten Jahr eingeschult werden darf, ist bisher ungewiss.
„So etwas zerstört ganze Familienstrukturen“, sagte Ute Langpaap aus Reinbek. Ihre Tochter Katharina (7) geht auf die Rudolf-Steiner-Schule in Bergedorf. Wenn ihre beiden Jüngsten demnächst in Reinbek unterrichtet würden, müsste die Mutter „einen Riesenspagat“ machen. Schon die unterschiedlichen Ferientermine wären ein Problem.
Insgesamt werden rund 6300 Schüler aus Schleswig-Holstein in Hamburg unterrichtet. Dafür zahlt Kiel bisher 8,5 Millionen Euro, Hamburg will dagegen 31 Millionen. Doch die Hansestadt hat sich in den laufenden Verhandlungen gerade bewegt, verlangt nur noch 20 Millionen Euro. Darauf hat Kiel noch nicht reagiert. Gibt es während der Sommerferien keine Einigung, müssen im August bis zu 100 Bergedorfer Elftklässler mit Wohnsitz in Schleswig-Holstein die Schule wechseln.
Allerdings sind die Gymnasien in Wentorf und Umgebung schon jetzt überlaufen. Die Bürgermeister umliegende Kommunen befürchten Engpässe an ihren Schulen, während in Bergedorf Schülermangel droht. Grund genug für Wentorfs Bürgermeister Matthias Heidelberg mit Bergedorfs Bezirksamtsleiter Dr. Christoph Krupp zur Säge zu greifen: Direkt an der Landesgrenze zersägten sie mitten auf der B207 den symbolischen Schlagbaum der Initiative „Schule ohne Grenzen“.
1 Kommentar
Mayer meint:
Ich finde das eine Frechheit, wie sich die Eltern verhalten. Sie wussten doch ganz genau, dass Bildung Ländersache ist. Zahlen in Hamburg keine Steuern, wollen aber umsonst ihre Kinder in Hamburg unterrichten lassen. Es sind ja nicht nur die 31 bzw. 20 Millionen Euro, die Hamburg fehlen, hinzu kommen noch ganz andere Summen. Für jeden Bürger, der zusätzlich in Hamburg angemeldet ist, zahlt Hamburg 2500,- Euro weniger in den Länderfinanzausgleich.
Bei 6300 Kindern plus ca. 12000 Eltern macht das 45,75 Millionen Euro, dazu würde noch die Einkommensteuer kommen.
Alles in allen reden wir hier von ca.100 Millionen Euro, die Hamburg fehlen.
Natürlich darf man das nicht auf dem Rücken der Kinder austragen, aber das Haben ihre Eltern zu verantworten. Sie wollten ja lieber ins Grüne, weniger Kfz-Steuern zahlen, aber gleichzeitig die Vorteile einer Großstadt genießen.

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