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Helfen ist ihr eine Herzensangelegenheit

Glinde/Oststeinbek. Karin Goldau steht nicht gern im Mittelpunkt. Dabei hätte die 69-jährige Oststeinbekerin allen Grund dazu:
Karin Goldau gibt Nachhilfeunterricht an der Förderschule.
Foto: Undine Brandt
Karin Goldau gibt Nachhilfeunterricht an der Förderschule.
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Foto: BZ
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Seit neun Jahren gibt sie dienstags und donnerstags ehrenamtlich drei Stunden Nachhilfe an der Wilhelm-Busch-Förderschule in Glinde, sie ist immer zur Stelle, wenn ihre 92-jährige Nachbarin zum Arzt oder zum Einkaufen gefahren möchte, sie betreut einen ehemaligen Obdachlosen und seit einigen Wochen engagiert sich die zierliche Frau auch im Ortsverband der Arbeiterwohlfahrt (Awo) in Oststeinbek.
Vier gute Gründe, um sie für den diesjährigen Bürgerpreis der Bergedorfer Zeitung und der Volksbank Stormarn vorzuschlagen.
Bis zu ihrem Renteneintritt vor neun Jahren hatte die Sekretärin eines japanischen Handelshauses mit Schule wenig am Hut. Dann las sie eine Anzeige der Migrationsstelle, die ehrenamtliche Nachhilfelehrer für Kinder suchte. Karin Goldau meldete sich. Seitdem übt sie regelmäßig mit Zehn- bis 16-Jährigen mit und ohne Migrationshintergrund lesen, schreiben und rechnen.
"Am Anfang war ich über die Ausdrücke, die sich die Schüler an den Kopf warfen, geschockt", erinnert sie sich, doch abschrecken lassen habe sie sich davon nicht. Auch nicht davon, dass es oft ein Kampf gegen Windmühlen ist, weil viele der Schüler immer nur bis zum nächsten Test lernen und fast nie darüber hinaus, der Wille zum Weiterkommen fehlt.
Wenn ihr dann aber eine Mutter sagt, dass ihr Kind schon viel besser lesen könne oder sie einen ehemaligen Schüler trifft, der es geschafft hat, in Lohn und Brot zu kommen, weiß sie, dass ihre Arbeit doch Sinn hat.
Besonders stolz mache sie, dass ein Jugendlicher sogar den Realschulabschluss abgelegt hat. "Bei ihm konnte ich den Ehrgeiz wecken", erzählt die engagierte Oststeinbekerin voller Stolz.
Schon als Kind hat Karin Goldau von ihren Eltern gelernt, für andere da zu sein, sich für sie einzusetzen. "Wenn es einem gut geht, sollte man auch ein bisschen zurückgeben", ist ihr Motto. Da sei es nur selbstverständlich, dass sie ihrer 92-jährigen, alleinstehenden Nachbarin Maria Hempf ein wenig unter die Arme greift, sie zum Einkaufen und zum Arzt fährt. "Jeden Tag fragt sie, wie es mir geht. Eine bessere Betreuung kann ich mir nicht wünschen", sagt die alte Dame.
Andere allein lassen, wegsehen und nur für sich sein - für Karin Goldau unvorstellbar. "Das macht einsam", ist die engagierte Frau überzeugt. Auch deshalb hat sie sich der Betreuung eines ehemaligen Obdachlosen in der Gemeinde angenommen, hat mit ihm zusammen eine Wohnung gesucht, geholfen, sie einzurichten, übernimmt die Behördengänge.
Nur Ehemann Hugo ist das ehrenamtliche Engagement seiner Frau manchmal ein wenig zu viel. Er hätte es gern, wenn sie ein wenig öfter an seiner Seite wäre. "Das können wir doch auch noch später machen", antwortet sie ihm liebevoll.
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