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Schwarzfahrer – Bezirk wird geteilt

Bergedorf. Auf 20 Millionen Euro im Jahr schätzt Hamburgs Verkehrsverbund den Schaden durch Schwarzfahrer in Bussen und Bahnen. Im Oktober startet der HVV in den Bezirken Harburg und Bergedorf einen Großversuch, das Problem einzudämmen.
Die neue Regelung: Vorne rein und hinten raus. Fahrgäste müssen beim Fahrer einsteigen. Auch am Mohnhof sollen Busnutzer künftig nur noch vorn einsteigen dürfen.
Foto: Thomas Schütt
Die neue Regelung: Vorne rein und hinten raus. Fahrgäste müssen beim Fahrer einsteigen. Auch am Mohnhof sollen Busnutzer künftig nur noch vorn einsteigen dürfen.
Planer haben das Konzept den Verkehrspolitikern vorgestellt.
Die Schwarzfahrerquote wird im Großraum Hamburg auf über fünf Prozent geschätzt. Sie auf den bundesweiten Durchschnitt von gut drei Prozent zu senken, ist ein lohnendes Vorhaben: Die Einnahmen im HVV-Gebiet steigen um etwa vier Millionen Euro je Prozentpunkt. Kontrollen an großen Schulzentren im Umland haben ein überraschendes Ergebnis erbracht – obwohl viele Schüler Buskarten gestellt bekommen, sind die Schwarzfahrerzahlen enorm. „Bei Kontrollen aller Schüler haben wir bis zu 22,6 Prozent Schwarzfahrer ermittelt, in Geesthacht waren es immerhin 7,6 Prozent“, erläutert Carsten Hübner.
Bevor im Oktober neue Regeln für Busnutzer in Kraft treten, würden sie über Flyer, Info-Tafeln und die Presse informiert, verspricht Hübner. „Im Bezirk Harburg müssen dann alle vorn einsteigen, ihren Fahrausweis vorweisen. In Bergedorf dagegen nehmen wir den ZOB und die starken Buslinien in Lohbrügge von dieser Regelung aus.“
In der aus Geesthacht kommenden Linie 12 sowie den Linien 232 und 332 (zwischen Bergedorf und Mümmelmannsberg) sowie der 234 (Neuallermöhe, Bergedorf-West, Lohbrügge-Nord und ZOB) soll dafür vermehrt kontrolliert werden, kündigt Ulrich Freiberg vom HVV an. Zudem würden Schwerpunktkontrollen analog zu denen an den Schulen im Umland vorbereitet. „Um aber etwa den S-Bahnhalt Nettelnburg und den Busverkehr dort komplett zu kontrollieren, bräuchten wir etwa 80 Personen. Dafür müssen Prüftrupps verschiedener HVV-Unternehmen zusammengefasst werden.“
Im März/November 2011 soll erneut ermittelt werden, wie sich der Fahrkartenverkauf beziehungsweise die Schwarzfahrerquoten auf verschiedenen Linien entwickelt haben. Und inwieweit die Beschränkung für den Buseinstieg zu Fahrzeitverlusten führt. Freiberg ist optimistisch: „Was in Berlin und Nürnberg funktioniert, klappt auch bei uns.“
Prinzipiell haben Bergedorfs Verkehrspolitiker nichts gegen den Versuch: „Es macht Sinn, dafür zu sorgen, dass die Nutzer für den Service zahlen“, befindet etwa Julian Emrich (CDU). „Aber führt der Verzicht auf den Einstieg hinten nicht zu Verzögerungen?“, gibt der Ausschussvorsitzende Lenhard Correll zu bedenken. Der Christdemokrat fürchtet zudem Gefahren für Senioren oder Behinderte, wenn sie lange Zeit in einem Gelenkbus unterwegs sind und der Fahrer bereits startet.
Lutz Jobs (Linke) sieht Behinderte benachteiligt, weil sie die Öffnung der hinteren Tür extra anfordern müssen. Paul Kleszcz (SPD) fürchtet Chaos im Schulbusverkehr und an stark frequentierten Haltepunkten: „Warum wird neben dem ZOB und den Lohbrügger Linien nicht auch der Mohnhof von der Einsteigeregelung ausgenommen?“
Für den Schulbusverkehr erwartet der HVV keine Schwierigkeiten. „In Lüneburg war ich dabei, wie dort in einem Gelenkbus Richtung Uni kontrolliert wurde – trotz hoher Fahrgastzahlen gibt es dort keine Probleme“, berichtet Freiberg. Busfahrer könnten zudem weiterhin die hinteren Türen öffnen, um etwa Behinderte, Frauen mit Kinderwagen oder größere Reisegruppen einsteigen zu lassen.
Eine Trennung von Ein- und Ausstieg könne den Ablauf sogar beschleunigen, hofft Freiberg. „Wir machen die Testphase ja auch, um zu sehen, dass uns die Fahrpläne nicht auseinander fliegen.“
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