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GAL-Senatorin Christa Goetsch: Ihr Auftritt war ein Heimspiel

Boberg. Punktsieg für Christa Goetsch (GAL): Beim Auftakt ihrer groß angelegten Info-Kampagne zur Hamburger Schulreform stand die Schulsenatorin am Dienstagabend in der Grundschule Heidhorst deutlich mehr Befürwortern als Gegnern ihrer Reform gegenüber.
Senatorin Christa Goetsch in Boberg. Auch wenn ihre Primarschule am Volksentscheid scheitert, will sie nach eigenen Worten im Amt bleiben.
Foto: Thomas voigt
Senatorin Christa Goetsch in Boberg. Auch wenn ihre Primarschule am Volksentscheid scheitert, will sie nach eigenen Worten im Amt bleiben.
Gut 100 Gäste – darunter neben Grundschuleltern auch viele Lehrer – waren in die Aula gekommen. Sie erlebten eine energiegeladene Senatorin, die ihrem Publikum per Powerpoint-Präsentation souverän die angeblichen Vorteile des neuen Schulsystems vortrug.
„Mir geht die geplante Schulerform nicht weit genug“, sagt Christiane Kaube, Lehrerin an der Schule Max-Eichholz-Ring und Mutter zweier Kinder in der 4. und 7. Klasse. „Besser noch wäre eine Primarschule für die Dauer von acht Jahren, wo nicht frontal, sondern individuell und in Gruppen gelehrt und gelernt wird. Ich bitte um Geduld für diese Reform.“
Foto: Thomas voigt
„Mir geht die geplante Schulerform nicht weit genug“, sagt Christiane Kaube, Lehrerin an der Schule Max-Eichholz-Ring und Mutter zweier Kinder in der 4. und 7. Klasse. „Besser noch wäre eine Primarschule für die Dauer von acht Jahren, wo nicht frontal, sondern individuell und in Gruppen gelehrt und gelernt wird. Ich bitte um Geduld für diese Reform.“
„Deutschland ist das einzige Land in Europa, das noch immer seine Schulkinder im frühen Alter von zehn Jahren nach Leistungen klassifiziert und in weiterführende Schulen aufteilt“, erklärte Goetsch. Die anderen Länder hätten längst Konsequenzen aus den OECD-Studien gezogen, nach denen längeres gemeinsames Lernen förderlich für alle Schüler sei. Ihre Schulreform sieht daher anstelle der vierjährigen Grundschule eine sechsjährige Primarschule für alle Hamburger Kinder vor. Danach geht es entweder auf eine Stadtteilschule mit dem Ziel Haupt-, Realschulabschluss oder Abitur nach sieben Jahren oder aufs Gymnasium mit Abitur nach sechs Jahren.
Bereits nach den Sommerferien soll die Schule Heidhorst (300 Schüler) nach der dann vollzogenen Fusion mit der Schule am Mittleren Landweg (120 Schüler) zur Primarschule werden. Zunächst einmal in den Klassenstufen 1 und 4 wird dann das neue Konzept umgesetzt, und ein Jahr später gibt es dort erstmals eine fünfte Klassenstufe – wenn nicht die Schulkonferenz diese Entwicklung noch um ein Jahr hinausschiebt oder gar die Primarschule per Volksentscheid noch gekippt wird. Auf Initiative der Reformgegner „Wir wollen lernen“ stimmen die Hamburger am 18. Juli – mitten in den Sommerferien – für oder gegen die Primarschule.
„Die geplante Fusion mit der Schule am Mittleren Landweg bereitet mir Kopfzerbrechen“, sagt Oliver Kruttschmitt, dessen Sohn in die zweite Klasse an der Schule Heidhorst geht. „Wie kommen die Schüler dann bei Bedarf zum anderen Standort? Mit dem ÖPNV dauert es bis zu 35 Minuten. Sollen die Kinder etwa zu den Lehrern ins Auto steigen?"
Foto: Thomas voigt
„Die geplante Fusion mit der Schule am Mittleren Landweg bereitet mir Kopfzerbrechen“, sagt Oliver Kruttschmitt, dessen Sohn in die zweite Klasse an der Schule Heidhorst geht. „Wie kommen die Schüler dann bei Bedarf zum anderen Standort? Mit dem ÖPNV dauert es bis zu 35 Minuten. Sollen die Kinder etwa zu den Lehrern ins Auto steigen?"
Im Vorfeld der Infokampagne mit insgesamt 85 Auftritten der Behörde an Hamburger Schulen hatte es schon öffentliche Kritik an Schulsenatorin Goetsch gegeben, da sie Vertreter der Gegeninitiative bei diesen Info-Abenden nicht auf dem Podium duldet, obwohl sie als Behördenvertreterin vor Wahlen zu Neutralität verpflichtet ist. „Die Veranstaltungen sind öffentlich“, erklärte dazu Goetsch-Sprecherin Brigitte Köhnlein. Reformgegner dürfen also kommen.
Die Zuhörer in der Schule Heidhorst indessen hatten andere Sorgen: „Die künftigen Primarschulen haben noch keine Profile erstellt“, bemängelte ein Vater. „Wie sollen wir uns da entscheiden, auf welche Schule wir unsere Kinder schicken?“ Andere Eltern zweifelten am Sinn des jahrgangsübergreifenden Unterrichts, der an der Heidhorst-Primarschule von Klasse 4 an vorgesehen ist. „Viele Fragen kann nur der Schulalltag beantworten“, gab Ulrich Brosch, Leiter der jetzigen Schule Mittlerer Landweg, unumwunden zu. Die Frage einer Mutter, ob nach der Heidhorst-Fusion auch alle Schüler am Mittleren Landweg ein Musikinstrument spielen lernen, musste Schulleiterin Ursula Jürgensen verneinen: „Dafür fehlt das Geld.“
1 Kommentar
H. Hamster meint:
KEIN HEIMSPIEL!
Sehr geehrter Herr Voigt,
auf welcher Veranstaltung waren SIE am Dienstag abend?? Ich war am Haidhorst. Es gab genau drei Leute, die sich auf dieser Veranstaltung als Befürworter outeten und das waren "erstaunlicherweise" alles Lehrerinnen ... Wer beschimpft schon öffentlich seine Chefin? Die Eltern sind aufgebracht und haben für die Zusammenlegung beider Schulen kein Verständnis! "Kurze Beine - kurze Wege" brachte die Senatorin es auf den Punkt - vergass allerdings, dass die Kinder das nicht haben werden. Sie hat öffentlich die Elternschaft verunsichert, indem sie an dem Abend behauptete, dass alles im Falle eines Gewinnens des VE von Wir-wollen-lernen hinfällig wäre. Und hat genau das Gegenteil am Donnerstag in der GS Poßmoorweg behauptet. Wie können wir Eltern ihr da vertrauen und was werden unsere Kinder noch allen ertragen müssen?
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