Bürgerpreis Bergedorf
Ehepaar Opitz hat ein offenes Ohr für die Nöte der Kranken
Samstag, 3. April 2010 18:55
- Von Katja Hardter
Lohbrügge. Alles fing mit dem Fall der DDR-Mauer vor mehr als 20 Jahren an: Heike und Jürgen Opitz öffneten ihr Mehrfamilienhaus an der Lohbrügger Landstraße 50 (vier Wohnungen) für vorübergehende Gäste.

Foto: Hardter
Heike und Jürgen Opitz engagieren sich seit vielen Jahren für das Unfallkrankenhaus Boberg.
"Sie wohnten bei uns, weil sie Angehörige im Unfallkrankenhaus Boberg (BUKH) besuchen wollten. Menschen, die dort operiert und für längere Zeit behandelt werden mussten - oft waren das schwer verletzte Unfallopfer aus dem Osten, die mit einem neuen Auto verunglückt waren", erzählt Heike Opitz. Die 70-Jährige gehört seitdem zum ehrenamtlichen Helferkreis des BUKH. Nun ist sie gemeinsam mit ihrem Mann Jürgen Opitz (72) für den Bürgerpreis nominiert.
Manchmal waren es auch die ehemals Verletzten selbst, die in den vier Wänden der Opitz' Platz fanden, wenn sie zur Nachbehandlung erneut nach Boberg kommen mussten. So gab es einen libyschen Kapitän, dem in seiner Heimat beide Beine amputiert werden sollten. Doch seine Reederei hatte ihm geraten, sich in Hamburg im UK Boberg operieren zu lassen - "und hier wurde alles gut, die Beine des Mannes wurden gerettet", erzählt Heike Opitz. Heute ist der Mann wieder "auf großer Fahrt".

Foto: BZ
Heike und auch ihr Mann Jürgen Opitz können Geschichten erzählen, die zu Herzen gehen. Jürgen Opitz ist selbst Rollstuhlfahrer, hat "alle Tiefen eines gehandicapten Menschen am eigenen Leib erfahren". Vieles haben die beiden gemeinsam erlebt und durchgestanden. Beiden ist eine große Hilfsbereitschaft zu Eigen: Heike Opitz wusch auch oft die Wäsche der Gäste, kochte für sie und leistete seelischen Beistand. Nur manchmal kamen Sprachbarrieren dazwischen. "Dann haben wir uns mit Händen und Füßen verständigt oder etwas Englisch probiert, um uns zu unterhalten", sagt die 70-Jährige. "Tolerant sollte man schon sein, wenn man so viel kulturelle Vielfalt unter einem Dach beherbergt", schmunzelt die kleine Frau.
BUKH-Pflegedienst-Leiterin Anne Weßling lobt das engagierte Paar: " Die beiden hatten immer ein offenes Ohr, halfen, wenn es nötig war." Etwa 1000 Menschen aus aller Welt fanden bis zum Jahr 2000 bei den Opitz' ein vorübergehendes Zuhause _ dann funktionierte das BUKH das ehemalige Schwesternzimmer zu Angehörigenräumen um.
Die Opitz' sind seitdem dazu übergegangen, Patienten im Querschnittgelähmten-Zentrum und in der Neurologie mindestens einmal wöchentlich zu besuchen. "Wir möchten Langzeit-Patienten Mut machen, sie bestärken, in ihrer Situation nicht zu resignieren, wollen sie unterhalten, ihnen zeigen, dass sie nicht allein sind", sagt Heike Opitz, die früher 25 Jahre lang auf Wochenmärkten exotische Kleintiere verkaufte, außerdem eine Gärtnerei hatte. "Für die Kranken und Behinderten vergeht die Zeit in der Klinik schneller, wenn jemand am Bett sitzt und gute Laune und etwas Mitgefühl mitbringt." Motivation ist für sie wie für ihren Mann ganz einfach Nächstenliebe: "Wir haben einen tiefen Glauben an Gott."
Auch ihr Mann Jürgen, der selbst als Rollifahrer durch eine frühe Kinderlähmung direkt Betroffener ist, möchte den Kranken " kleine schöne Auszeiten vom Frust" gestalten. Der 72-Jährige: "Ich bin für viele von ihnen glaubwürdiger, da ich mich mit den Problemen gut auskenne. Auch ich hatte früher schlimme Schmerzen und Depressionen." Das Helfen gebe ihm "Sinn und Kraft". Jüngster Fall ist ein Suizid-Patient, der "sich so sehr an meine Besuche gewöhnt hatte, dass ich ihn auch im Winter fast täglich gesehen habe. Trotz Schnee und Eis. Ich habe ihn abgelenkt von seinen Problemen, und es ging ihm deutlich besser."
Verantwortungsgefühl, Verlässlichkeit, dies sei bei einer ehrenamtlichen Aufgabe besonders wichtig, sagt Jürgen Opitz, "die Menschen, denen wir helfen, verlassen sich auf uns. Ich hoffe, dass mich später auch mal jemand aufmuntert, wenn ich länger im Krankenhaus bleiben muss."
Wer sich im Helferkreis der Boberger Unfallklinik engagieren möchte, kann sich unter Telefon (040) 73 06 23 34 melden.

Abo
Printarchiv
Leserbrief
Kontakt
RSS
Preisvergleich
Leserreisen
Versicherungscheck
Energievergleich
Immobiliensuche










