Bürgepreis-Kandidat Bodo Link
Ein Tischler aus Leidenschaft
Mittwoch, 24. März 2010 22:44
- Von Thomas Voigt
Bergedorf Ganz ohne Aufgabe kann er sich ein Leben nicht vorstellen. Und die erfüllt er gern hemdsärmelig, wie es sich für einen erfahrenen Handwerker gehört, aber stets mit Herz und Leidenschaft.

Foto: Thomas Voigt
Dackel-Gokarts sind fast schon Serienprodukt in der von Bodo Link geleiteten HiP-Holzwerkstatt. zehn Jahren ist Bodo Link Herz und Motor der Werkstatt.
Seit zehn Jahren leitet der Bergedorfer Bodo Link (72) die Holzwerkstatt an der Kurt-A.-Körber-Chaussee, eine Abteilung des Begegnungszentrums „Haus im Park“ (HiP) der Körber-Stiftung. Jetzt wurde er für den von Volksbank Stormarn und Bergedorfer Zeitung ausgelobten Bürgerpreis Bergedorf vorgeschlagen.
In der Werkstatt ist er mehr als nur Chef: Bodo Link ist die Seele der Einrichtung.
Wenn die anderen Senioren, die hier an vier Vormittagen in der Woche Holzprodukte herstellen, Feierabend machen, ist für ihn noch lange nicht Schluss. Irgendwo ist immer noch etwas zu regeln, etwa eine Maschine zu reparieren, Material zu organisieren, ein Auftrag heranzuholen. Kaum eine gemeinnützige Einrichtung, die nicht schon mal etwas bei der HiP-Holzwerkstatt in Auftrag gegeben hat, von Gartenmöbeln bis Holzspielzeug.
Und auch außerhalb verliert der Leiter seine Holzwerkstatt nicht aus dem Sinn, akquiriert so ganz nebenbei Personal: „Neulich bei einem Spaziergang am Oevelgönner Elbufer habe ich einen früheren Kollegen wieder getroffen, der jetzt auch im Ruhestand ist“, schildert Link. „Den habe ich zum Besuch der Werkstatt eingeladen – jetzt macht er regelmäßig mit.“
Den Zugang zur Tischler-Arbeit fand Link schon in jungen Jahren in Schweden. Dorthin hatte es den gebürtigen Ostpreußen 1952 verschlagen, weil sein Vater dort Arbeit fand. „Als ich 14 Jahre alt war, lernte ich im Werkunterricht das Tischlern“, erinnert er sich. Sein erstes Werkstück, einen Kinderstuhl, hat er noch heute zu Hause stehen. „Schon damals hatten die Schweden Ganztagsschulen“, sagt Link, „und da haben wir richtig was gelernt. Es wird höchste Zeit, dass wir das auch hier so machen.“
Die Jahre haben ihn geprägt: „Das war meine Sturm-und-Drang-Zeit“, denkt er ein wenig wehmütig zurück. „Ich pflege noch viele Freundschaften in Schweden.“
Zurück in Deutschland, lernte Bodo Link 1959 bei einer Kaffeemühlen-Firma den Beruf des Reparaturschlossers, 1964 kam er zur Hauni. Anfangs arbeitete er in der Konstruktion, bildete sich dann zum Maschinenbau-Ingenieur weiter. Jahrelang war er bei Bergedorfs größtem Arbeitgeber für Sicherheitstechnik und Strahlenschutz zuständig. Den Maschinenpark der Hauni-Werke kannte er irgendwann wie seine Westentasche: „Es war meine kleine Bastelbude.“
Dass ihn das Unternehmen dann Ende der 90er-Jahre in den Vorruhestand schickte, tat ein bisschen weh, sagt Bodo Link. Gleichwohl war er sich nicht zu fein einzuschlagen, als ihm die ehrenamtliche Leitung der Holzwerkstatt angeboten wurde. Seinen langjährigen Vorgänger Werner Hertel kannte er gut aus dem Betriebssportverein, wo Link jahrelang als Vorstopper kickte. Als ihn dann der Vorstands-Vorsitzende der Körber-Stiftung Christian Wriedt anrief und ihm die Holzwerkstatt ans Herz legte, war er sogar ein bisschen stolz auf sich.
Im Team der Werkstatt sieht Bodo Link sich als Erster unter Gleichen, und die Kollegen schätzen ihn dafür: „Hier gilt das Prinzip der gegenseitigen Hilfe, jeder kann irgendetwas besser als die anderen. Bei uns sind die unterschiedlichsten Berufe vertreten. Die Leute waren früher Schlosser, Monteure, Dreher, waren Architekten oder Ingenieure, aber auch Postbeamte, Bankleute, Versicherungsberater, Schulleiter, Polizisten, Apotheker oder Kaufleute.“
Gern stellt der Holzwerkstatt-Chef seine Einrichtung in den Dienst guter Zwecke. So hat das Team dieses Jahr zum fünften Mal Nistkästen angefertigt, die Umweltfreunde mit Unterstützung von Schulen im Schlosspark oder anderen Grünstreifen postieren. „Für die Produktion verwenden wir Altholz aus der Hauni“, sagt Link. „So müssen wir nicht mal die Deckung der Materialkosten verlangen.“

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