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„Ich habe mich nur gewehrt und dabei etwas übertrieben“

Bergedorf. Die Fäuste flogen heftig an diesem Morgen im August 2009 auf der Bergedorfer Schloßstraße. Weil er ihm angeblich die Vorfahrt genommen hatte, schlug der 36-jährige Olaf B. blindwütig auf einen Lkw-Fahrer ein.
So berichteten wir im August 2009.
Foto: BZ
So berichteten wir im August 2009.
Waldemar B. (51) hatte gegen den körperlich weit überlegenen Angreifer keine Chance; er ging zu Boden, musste noch Fußtritte einstecken und wurde schließlich mit dem Kopf gegen eine Hauswand geschlagen. Zahlreiche Schaulustige verfolgten das Drama, nur durch das Eingreifen zweier Passanten konnte der ungleiche Kampf beendet werden. Am Montag wurde gegen Olaf B. vor dem Bergedorfer Amtsgericht wegen gefährlicher Körperverletzung verhandelt.
„Ich habe mich zunächst nur gewehrt, der Lkw-Fahrer hat mir eine Kopfnuss verpasst, mitten auf die Nase, das Blut lief in Strömen“, verteidigte sich der Angeklagte. Er habe mit den Fäusten zurückgeschlagen und seine Notwehr „vielleicht auch etwas übertrieben“ räumte er schließlich ein.
Über drei Stunden lang bemühten sich Richterin, Staatsanwältin und Verteidigerin, die Vorgeschichte und den Ablauf der blutigen Auseinandersetzung aufzuklären. Nach zum Teil widersprüchlichen Aussagen der beiden Kampfhähne sowie einiger Zeugen stand so viel fest: An der Einmündung Chrysanderstraße/Bergedorfer Schloßstraße hatte es Differenzen wegen der Vorfahrt gegeben, beide Fahrer stiegen aus. Sie hielten sich nur kurz mit Beschimpfungen auf, dann begann die Schlägerei. Eine Zeugin wollte sogar beobachtet haben, dass der Angeklagte den Lkw-Fahrer aus dem Führerhaus gezerrt habe. Hier wurde er aber vom Opfer selbst entlastet: „Wir sind beide ausgestiegen“, sagte Waldemar B.
Die Staatsanwältin stellte die nahe liegende Frage, warum man nicht einfach weitergefahren und so allen Schwierigkeiten aus dem Wege gegangen sei. Beide Fahrer blieben die Antwort schuldig.
Am Ende zog der Angeklagte bei dem Kampf doch den Kürzeren. Der 27-jährige Passant Sven B. hatte ihn mit zwei Fußtritten gegen den Kopf außer Gefecht gesetzt. „Ich wusste mir nicht anders zu helfen, der Mann war wie rasend, ich hatte Angst, dass er den Kleinen richtig fertig macht“, erklärte er gestern als Zeuge. Olaf B. erlitt einen Kiefer- und Jochbein-Bruch.
Kurz zuvor hatte die an Multipler Sklerose erkrankte Bergedorferin Rosemarie K.* (47) versucht, den Angeklagten zu bändigen, und wurde von diesem zu Boden geschubst . Auch Rosemarie K. sagte als Zeugin aus. Sie äußerte sich anschließend gegenüber unserer Zeitung überrascht: „Das Gericht legt besonderen Wert auf die Frage, wer mit der Schlägerei begonnen hat. Dass aber der Angeklagte die Grenze zwischen Prügeln und Töten nicht gezogen und auf sein Opfer weiter eingedroschen hat, als es auf dem Boden lag, war nicht wirklich Thema.“
Der Prozess wird am 26. März fortgesetzt.
*Name geändert

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