Polizei
Neuer Alco-Tester lässt Sündern keine Chance
Freitag, 12. März 2010 19:53
- Von Anne K. Strickstrock
Bergedorf. Ein Tankwart gab den Tipp, und tatsächlich fuhr ein Mann auf der Marschenautobahn in Schlangenlinien. Bergedorfs Polizisten stoppten den Neuallermöher und wirklich: Satte 4,3 Promille Atemalkohol wurden gemessen.

Foto: Anne Strickstrock
Oberkommissar Matthias Lübke pustet selbst, um den neuen Alco-Tester zu präsentieren.
„Unglaublich, dass der überhaupt noch stehen konnte“, wundert sich Hauptkommissar Hans-Georg Smak. Der Dienstgruppenleiter ist für gut 20 Beamte zuständig, die jetzt das neuen Alcotest-Gerät ausprobieren: Es heißt „Alcoquant“ und wird bei der Wismarer Firma Envitec hergestellt.
„Es ist handlich und erleichtert das Pusten, das nicht mehr so angestrengt lange sein muss. Schon nach fünf Sekunden haben wir ein verlässliches Ergebnis“, beurteilt Oberkommissar Matthias Lübke den elektrochemischen Sensor, der speziell auf Alkohol anspricht. „Der Einfluss von Substanzen wie Eukalyptus und Pfefferminz ist ausgeschlossen“, wirbt Envitec.
Genau das war manchmal ein Problem bei den Vorgänger-Geräten, die sich etwa von scharfen Kaugummis irritieren ließen. „Aber meistens riecht man Alkohol schon heraus. Und allein mit einem Asthma-Spray erreicht man keine astronomischen Promillewerte“, sagt Smak, der nach 30 Dienstjahren fast alle Ausreden kennt – und froh ist, dass es seit 1988 nicht mehr die alten Röhrchen gibt, in denen sich Salzkristalle verfärbten und damit Alkoholsünder aufdeckten – jedoch mit recht ungenauen Werten. Damals galt übrigens noch die 0,8 Promille-Grenze, erst im April 2001 wurde sie auf 0,5 Promille gesenkt.
Wer mit 0,5 bis 1,09 Promille gut fährt, handelt sich eine Ordnungswidrigkeit ein, ein Ersttäter muss 500 Euro blechen. Fährt jedoch jemand in Schlangenlinien mit nur 0,3 Promille, handelt es sich um eine Straftat: Mindestens 1000 Euro weg, plus Fahrverbot. Allein im Jahr 2008 gab es in Hamburg 1025 Unfälle unter Einfluss von Alkohol, dabei wurden 462 Menschen verletzt. Smak, der mit hoher Treffsicherheit gern auf dem Reinbeker Redder alkoholisierte Autofahrer stoppt, räumt jedoch ein: „BTM hat dem Alkohol den Rang abgelaufen, es gibt etwa viermal so viele Fahrten unter Drogeneinfluss.“
Nach wie vor sind die Ergebnisse aller Alco-Testgeräte nicht beweissicher. Dafür aber steht auf der Wache der „Evidential-Test“, ein anspruchsvolleres Gerät, das zwei Messungen vornimmt und den Endwert zugunsten des Pobanden abrundet. „Das nutzen wir auch nach Körperverletzungen, um der Staatsanwaltschaft nachweisen zu können, dass der Täter nicht nüchtern war“, erklärt Smak und lobt: „Es erspart die Blutprobe und kostet nix.“ Hintergrund: Wenn ein Arzt zur Blutprobe kommt, werden dafür 21 Euro berechnet, hinzu kommt die Anfahrt (37 Euro) und die Untersuchung des Blutes (42 Euro).

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H.-Jürgen L. meint: