Abriss-Gerüchte
Nettelnburger fürchten um alte Gutshof-Villa
Montag, 1. März 2010 18:23
- Von Ulf-Peter Busse
Nettelnburg. Die Nettelnburger sorgen sich um den Gutshof, der als Keimzelle ihres Stadtteils gilt. „Seit Monaten kursieren Gerüchte über den bevorstehenden Abriss“, beschreibt Dagmar Strehlow (SPD) die angespannte Stimmung.
Auch die Arbeitsgemeinschaft (Arge) Nettelnburg , der Zusammenschluss der Vereine und Verbände des Stadtteils, macht sich Sorgen.
Grund für die Gerüchte ist der schon zehn Monate währende Leerstand der mächtigen Gründerzeit-Villa aus dem Jahr 1895, die nahe der Kreuzung Katendeich/Nettelnburger Straße versteckt hinter Wohnblocks liegt. Bis zum vergangenen Frühjahr residierte in dem einstigen Wohnhaus des Gutsbesitzers das Hotel Nettelnburg samt angeschlossener Gaststätte. Dann gab Pächter Walter Jäger auf. Nach 19 Jahren.
Einen Nachfolger hat der Eigentümer, die Baugenossenschaft Bergedorf-Bille, noch immer nicht gefunden. „Diese Immobilie ist sehr schwer zu vermieten“, sagte Vorstand Marko Lohmann am Montag auf Nachfrage unserer Zeitung. „Die Auslastung von Hotel und Gaststätte ist in den letzten Jahren rückläufig gewesen. Vor allem weil wegen der Wohnhäuser in direkter Nachbarschaft eine Außengastronomie kaum möglich ist.“ Die Bergedorf-Bille wolle in Ruhe eine „gute Lösung“ suchen, sich dafür aber „langfristig alle Offerten offenhalten“.
„Seit das Haus geschlossen ist, fehlt uns ein wichtiger Treffpunkt, der für Familienfeiern und Klassentreffen aber auch zum Unterbringen von weit angereisten Gästen zur Verfügung steht“, sagt Arge-Vorsitzender Michael Niemeyer. Zudem sei die mächtige graue Villa letztes Zeugnis des Gutshofes, dem Nettelnburg seine erste Erwähnung vor 801 Jahren verdankt. Ein Ereignis, das im vergangenen Jahr mit einer ganzen Festwoche begangen wurde.
Jetzt arbeitet das Kultur- & Geschichtskontor an einem historischen Rundgang durch den Stadtteil, der im Sommer eröffnet wird. Seine erste Station ist natürlich der Gutshof. „Und der steht erstaunlicher Weise nicht unter Denkmalschutz“, bedauert Kontor-Chef Dr. Geerd Dahms.
Dass dieser fehlende Eintrag gleich den Abriss fürchten lässt, weist Marko Lohmann zwar von sich: „Allerdings darf der Leerstand auch nicht unendlich dauern.“ Bei der Arge-Sitzung am 30.März will er das Thema mit den Nettelnburgern diskutieren.



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Manfred Siedler meint:
Ein Abriss und eine Neubebauung des Grundstücks mit Tiefgaragen und weiteren drei Wohnhäusern, wie es die bisherigen Pläne der Bergedorf Bille vorsehen würde zudem auch den teilweise schon recht alten Baumbestand kosten.
Auch ist das Grundstück nicht sehr groß und eine Bebauung mit drei Wohnhäusern gleicher Höhe wie die bereits existierenden Häuser, würde dazu führen, dass man sich die Frühstückbutter quasi von Balkon zu Balkon reichen könnte.
Eine so dichte Bebauung bedeutet eine rapide Herabsetzung der Wohn- und Lebensqualität durch ein erhöhtes Verkehrs- und Lärmaufkommen, welches Spannungen zwischen den Bewohner nach sich ziehen würde.
Es wäre vorbei mit dem "Wohnen im Grünen" denn anstatt Bäume und Grünflächen würden die Menschen hier wie in einem Getto aufeinander hocken.
Ich kann mir die momentane Politik der Baugenossenschaft Bergedorf Bille auch nicht so recht erklären. Überall wurde in den letzten 20-30 Jahren wert darauf gelegt, Wohngebiete nicht so dicht zu gestalten. Selbst in Allermöhe Ost und West wurde darauf geachtet, dass die Bebauung durch großzügige Grünflächen und einen hohen Baumbestand eine erhöhte Lebensqualität gewährleistet.
In den letzten Jahren jedoch nutzt die Baugenossenschaft selbst kleinste Baulücken um daruf Häuser zu bauen aus denen sich die Bewohner "von Fenster zu Fenster" die Hand reichen können (siehe die Neubauten am Oberen Landweg gegenüber der Postschule).
Ich denke man sollte sich im Vorstand mal wieder mehr an den Gründungsgedanken der Genossenschaft erinnern - nämlich LEBENSWERTEN Wohnraum für die MITGLIEDER zu schaffen und nicht nach dem Prinzip eines wirtschaftlich orientierten Großkonzerns handeln.
Von daher kann ich mich meinem Vorkommentator nur anschließen. Ein Gästehaus für die Bergedorfer Wirtschaft, oder auch eine Begegnungsstätte der ARGE Nettelnburg mit Informationscharakter über die Nettelnburger Geschichte, wären recht sinnvoll. Zudem wäre auch hierbei eine kleine Gastronomie nicht ausgeschlossen wie sich ja auch am Beispiel des Bergedorfer Schlosses zeigt.
Ich bin mir sicher, dass es noch eine Vielzahl von Möglichkeiten gibt, die das historische Gebäude des Gutshauses, als auch die Wohn- und Lebensqualität in Nettelnburg erhalten könnten.
Man muss sie nur finden WOLLEN.
Rainer Sielaff meint:
Der Gutshof muss unbedingt erhalten werden...könnte er nicht zusätzlich von der Hauni als Gästehaus genutzt werden? So hätte man eine zusätzliche Auslastung.
MfG
Sielaff