Schriftgröße: A A A
Logo der Bergedorfer Zeitung
http://www.bergedorfer-zeitung.de/bergedorf/article58445/Im_Wasser_sind_Radio_und_Gameboy_lebensgefaehrlich.html
Link in E-Mail oder Instant-Message einfügen close

Im Wasser sind Radio und Gameboy lebensgefährlich

Bergedorf. „Was kann man alles machen, wenn man allein zu Hause ist?“ wollte Susanne Koppe, Jugendbuchautorin und Literaturagentin, von den Kindern wissen.
Das Blaulicht eines Einsatzfahrzeuges blitzt und wirft seinen blauen Schein auf die Kinder, die im Feuerwehrhaus bei Buchautorin Susanne Koppe stehen.
Foto: Hesse-Sommer
Das Blaulicht eines Einsatzfahrzeuges blitzt und wirft seinen blauen Schein auf die Kinder, die im Feuerwehrhaus bei Buchautorin Susanne Koppe stehen.
Auf dem Sofa rumhüpfen, eine Stunde Fernsehen gucken, spät ins Bett gehen und so viele Süßigkeiten essen, wie man will, so lauteten einige Vorschläge der vier bis zehn Jahre alten Jungen und Mädchen. Manche Eltern dürften erleichtert sein, bei so harmlosen Wünschen. Wie gefährlich es aber auch werden kann, wenn Kinder ohne Aufsicht sind, zeigen Unfallzahlen des Statistischen Bundesamtes. Danach stehen Unfälle im Haus bei Kindern unter 15 Jahren an erster Stelle. Bundesweit sind es jährlich mehr als 200.000.
„Damit Kinder unbeaufsichtigt einige Stunden überstehen“, hat Susanne Koppe den Ratgeber „Endlich allein zu Haus – Überlebenstipps für Kinder“ geschrieben. Auf Einladung unserer Zeitung las sie daraus im Rahmen der „bz“-Bucherfinderreihe.
Und welcher Ort ist dafür besser geeignet als eine Feuerwache? Wo sonst die Freiwilligen Feuerwehren Bergedorf und Bille an der Chrysanderstraße ihre Einsatzfahrzeuge unterstellen, drängelten sich 80 Kinder mit ihren Eltern.
„Wann kann ein Radio gefährlich werden?“, fragte die Jugendbuchautorin. Wenn es explodiert, wusste der siebenjährige Paul. Das stimmt, aber wann noch? Wenn es ins Wasser fällt. Das wollte Susanne Koppe hören. „Geht niemals mit dem Gameboy, einem Radio oder etwa einem Föhn in die Badewanne“, mahnte die Autorin ihre kleinen Zuhörer, die wie gebannt an ihren Lippen hingen.
Moritz Schmid und seine Schwester Paula sind manchmal für eine halbe Stunde allein zu Hause, wenn ihre Mutter den Vater zum Bahnhof fährt. „Dann dürfen wir uns einen Film angucken“, sagte Moritz (4) stolz. Angst hätten sie nicht gehabt. „Doch, ich habe mir schon mal Sorgen gemacht, als ich ganz allein war“, sagt Paula (7) leise, „weil meine Mutter länger wegblieb.“ Was hat sie da gemacht, wollte die Autorin wissen. Paula wusste sich zu helfen: „Ich habe Papa bei der Arbeit angerufen.“
Susanne Koppe erzählt in ihrem von Axel Scheffler witzig illustrierten Buch Geschichten, die das Leben schreibt. Erzählt von der Pizza, die sich Gerhard (12) in den Ofen schiebt, und dann ausgiebig mit seinem Freund telefoniert – bis es in der Küche qualmt und stinkt. Sie warnt zudem vor heißen Herdplatten und gibt „bitterernste Warnungen für kleine Köche“: Wenn es im Topf brennt, verliere nicht die Nerven. Pack schnell den Deckel drauf!
Doch alle Theorie ist grau: Die Feuerwehrmänner demonstrierten den Kindern nach der Lesung eindrucksvoll, was passiert, wenn sie versuchen sollten, brennendes Fett mit Wasser zu löschen – eine meterhohe Stichflamme schoss aus dem Topf.
Wissbegierig lauschten die Kinder der Autorin. Und weil Lernen hungrig macht, hatten die Feuerwehrleute für Verpflegung gesorgt, verkauften an die kleinen Besucher und ihre Eltern Würstchen und Getränke. Die Schreckensmeldungen aus der Karibik bewegen auch vielfach erprobte Retter: Spontan haben sie sich entschlossen, den Erlös daraus den Erdbebenopfern in Haiti zu spenden!
Manch Kind ging nach dieser aufregenden Stunde stolz mit einem Buch unterm Arm nach Hause, das die Autorin liebevoll signiert hatte.
So auch Jezabel Aysche: Die Zehnjährige liest viel. „ Zu Weihnachten habe ich drei Bücher bekommen“, erzählte sie. Am liebsten mag sie Pferdegeschichten. Clara Leinens (7) Lieblingslektüre sind zurzeit die Geschichten von Astrid Lindgren. Lesen macht Spaß und manchmal kann man dabei sogar was lernen. „Viel Glück bei allen Abenteuern“, schrieb Susanne Koppe den kleinen Gästen in ihre Bücher.
Noch kein Kommentar abgegeben

Onlineanzeigenannahme
nach oben
© Bergedorfer Zeitung 2008