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Sie kämpfen für Indiens Kinder

Bergedorf/Wentorf. Der Erfolg kommt mit ihrer eigenen Begeisterung und die ist ungebrochen: Der ehemalige Bergedorfer Orthopäde Dr. Jörge Ropohl (69) und seine Frau Evamaria (67) „ködern“ neue Indien-Freunde und Paten für ihr Projekt nur zu gern in ihrem Haus am Wentorfer Hochweg.
Die indische Skulptur einer heiligen Kuh hat bei Dr. Evamaria und Dr. Jörge Ropohl einen festen Platz daheim auf der Terrasse.
Foto: Hardter
Die indische Skulptur einer heiligen Kuh hat bei Dr. Evamaria und Dr. Jörge Ropohl einen festen Platz daheim auf der Terrasse.
„Wir kochen lecker indisch, erzählen von unserer Arbeit in Südindien und so ergibt es sich fast automatisch, dass unsere Gäste anfangen, sich für die kleinen Menschen zu erwärmen, die wir dort medizinisch versorgen, in Heimen betreuen und fördern. Und oft möchte unser Besuch angespornt von den Erfolgen, über die wir berichten können, dann auch eine Patenschaft übernehmen“, sagt Dr. Jörge Ropohl.
Der 69-Jährige ist jetzt wegen seines unermüdlichen Engagements als Kandidat für den zehnten Bergedorfer Bürgerpreis von Volksbank Stormarn und Bergedorfer Zeitung vorgeschlagen worden. In loser Folge stellen wir alle Kandidaten in den nächsten Wochen vor. Preisverleihung wird im Mai sein.
Gerade sind Ropohl und seine Frau nach achtwöchigem Aufenthalt am Indischen Ozean wieder zurück in Bergedorf – wie immer „mit beschwingter Seele, total im Glück und unglaublich beschenkt!“, wie sie sagen.
Der leidenschaftliche Mediziner engagiert sich mit Hilfe seiner Frau seit fünf Jahren als Helfer bei der „Patengemeinschaft für hungernde Kinder e.V.“ in Indiens tiefstem Süden in der Ortschaft Mylaudi (tanzender Pfau) nahe der Küste. Er operiert dort in der vereinseigenen 20-Betten-Orthopädie-Klinik mit angeschlossenem Rehazentrum stark behinderte Mädchen und Jungen – gemeinsam mit Dr. Jürgen Zippel, dem ebenfalls aus Hamburg stammenden Projektchef. Sie können auch auf eine gut ausgestattete Material-Werkstatt für den Bau von Gehhilfen, Rollstühlen sowie Arm- und Beinschienen zurückgreifen. Die Experten behandeln Klumpfüße und die in Indien häufig auftretende Kinderlähmung, richten während ihrer Aufenthalte im südwestlichen Bundesstaat Kerala viele angeborene schwere Fehlbildungen bei Kindern.
„Es waren schockierende Bilder, die auf mich einstürmten, als ich 2004 das erste Mal dort ankam, ohne zu wissen, was mich erwartete“, erinnert sich Ropohl. Er und seine Partnerin betreuen parallel dazu noch Heimkinder in drei Häusern auf dem Gelände der Hilfsorganisation, organisieren Ausflüge und Sport. In Abwesenheit der deutschen Helfer kümmern sich in Hamburg ausgebildete indische Mitarbeiter um ein funktionierendes und kindgerechtes Heimleben.
Als ehemalige Ärztin für Allgemeinmedizin leitet Ropohls Ehefrau die regelmäßigen Sprechstunden, plant die Transporte der jungen Patienten in ein 13 Kilometer entferntes Krankenhaus, in dem kompliziertere Operationen bewältigt werden. Impfungen zum Beispiel gegen Polio (Kinderlähmung) gehören zum Standard-Programm. Ropohl: „Deutsche Gründlichkeit ist Trumpf.“
Und der Erfolg kann sich sehen lassen: Die Zahl der Kinderlähmungs-Opfer sei bereits beträchtlich zurückgegangen. Infektionen hätten aufgrund akribischer Hygiene ebenfalls weniger Angriffsmöglichkeiten. Eine Erklärung für die große Zahl an Behinderungen hat der Mediziner nicht. Doch Mangelernährung könnte ein Grund sein.
Ein Team aus meist hanseatischen Physiotherapeuten, die sich in der Hilfe abwechseln und die Ropohl für sein Projekt rekrutiert wenn er zu Hause ist, sorgt verlässlich für die notwendigen motorischen Fortschritte im Anschluss an Operationen, kümmert sich um die Nachsorge, macht mit jungen Patienten auch Wasserübungen in einem Therapiebecken auf dem Gelände.
Und damit nicht genug: Auch um die Förderung von Schul- und Ausbildung der Heimbewohner mit Hilfe von Computern sowie um die Wiedereingliederung der kleinen Patienten in die Gemeinschaft sorgt sich das Ehepaar.
Alles wird mit Hilfe von Spendeneinnahmen und Patenschaften finanziert, oft stecken die ehrenamtlichen Helfer auch einen Teil des eigenen Vermögens in Verbesserungen. Ein Wentorfer Unternehmer habe 2009 eine ganze Volleyballanlage gesponsert, „die unsere Kinder – sogar die Mädchen – begeistert nutzen“, freut sich Ropohl. Auch Fahrräder konnten angeschafft werden. „Spenden können gezielt an einen Zweck gebunden sein.“
Ganz wesentlich ist die Schulbildung der Halbwaisen und Tsunami-Opfer, die ihre Eltern vor fünf Jahren bei der Naturkatastrophe verloren haben: Sie wohnen zwar im Heim, gehen aber täglich im Dorf zur Schule, bleiben so im Dorfleben integriert und müssen keine Kinderarbeit auf den Reisfeldern leisten. Familien, in denen der Vater gestorben oder erwerbsunfähig ist, hilft die Patengemeinschaft mit regelmäßigen Spenden. Ropohl bilanziert sein bisheriges Engagement: „Wir helfen, Kindern eine Zukunft zu geben, ihr Leben im wahrsten Sinne des Wortes wieder auf gesunde Beine zu stellen, geben ihnen die Chance auf ein menschenwürdiges Leben, wo sie sonst zu Außenseitern würden.“ Der Staat helfe ihnen nicht.
Ropohl selbst profitiert auch. „Ich bin ein glücklicher Mensch, der endlich etwas zurückgeben kann von dem, was mir und meiner Familie geschenkt wurde“, sagt er. Sein Leben habe „einen tieferen Sinn bekommen“.
Dabei ist er dereinst in das Indien-Projekt mehr so „hineingerutscht“, wie er sagt: „Dr. Zippel bat mich um Unterstützung.“ Nun möchte er noch möglichst lange dabeibleiben: „Wir haben schon so viel dort unten entwickelt und berührende Kontakte geknüpft. Engagement kennt keine Grenzen, ist nur an Taten zu messen“, meint der Kinderfreund, der sich „keinen schöneren und sinnvolleren Zeitvertreib“ vorstellen kann.
Wer spenden möchte, sich für eine Patenschaft interessiert oder vielleicht sogar selbst mitreisen möchte, kann sich unter der Telefonnummer (040) 7202602 näher über das Projekt informieren.
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