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Sie griff ein, als alle anderen nur zusahen

Bergedorf. Heldenhaft oder leichtsinnig? „Ich habe in dem Moment gar nicht über die Gefahren nachgedacht“, sagt Rosemarie K. (47, Name geändert). Sie ist die Frau, die sich dazwischen warf, als Freitag vergangener Woche ein 35-jähriger Opelfahrer aus Lohbrügge brutal auf einen Lkw-Fahrer einprügelte, weil der ihm vermeintlich die Vorfahrt nehmen wollte.
Zeugin Hauerei
Foto: Katja Hardter
Rosemarie K. an der Ecke Chrysanderstraße/Bergedorfer Schloßstraße. Hier schlug der 35-Jährige brutal auf einen 51 Jahre alten Lkw-Fahrer ein.
Rosemarie K. ist noch immer erschüttert – über die Brutalität des Täters und die Ignoranz der vielen Menschen, die dem Geschehen nur zusahen.
„Ich hatte keine Angst, nur ganz viel Wut im Bauch, dass jemand wegen einer Lappalie so gewalttätig und brutal auf einen anderen Menschen einschlägt, derart ausrastet, dass er schwere Verletzungen oder sogar dessen Tod in Kauf nimmt“, erzählt die 47-Jährige. „Der merkte gar nichts mehr, prügelte seinen Rivalen wie im Rausch, schlug dessen Kopf immer wieder auf den Boden, später noch gegen die Hauswand.“
Über ein Dutzend Zeugen sahen an diesem Morgen, kurz nach 9 Uhr, an der Ecke Chrysanderstraße/Bergedorfer Schloßstraße, was Rosemarie K. sah, zumeist erwachsene Männer und Schüler der Berufsfachschule. Als niemand eingriff, nahm sich die 47-jährige Mutter dreier Kinder ein Herz. Trotz ihrer Gehbehinderung warf sich die an Multipler Sklerose erkrankte Frau auf den Schläger. „Zum Glück hat er mich nur umgeschubst“, sagt Rosemarie K. Prellungen und blaue Flecken an den Knien erinnern noch daran.
Obwohl sie die Umstehenden noch angeschrien habe zu helfen, hätte niemand reagiert. „Vermutlich aus purer Angst“, so die 47-Jährige. Erst ein junger Mann, der gerade vorbeikam, setzte den Angreifer dann mit zwei gezielten Fußtritten gegen die Brust außer Gefecht. Gegen den 35-Jährigen Schläger läuft inzwischen ein Strafverfahren: Sein Opfer – ein 51-Jähriger aus Nettelnburg – hatte riesiges Glück: Er konnte nach Versorgung seiner Platzwunden und Prellungen die Klinik wieder verlassen.
Erste Hilfe hatte – wiederum allein – Rosemarie K. geleistet.
Würde sie in einer vergleichbaren Situation wieder so handeln? „Ich würde immer eingreifen, wenn es zum Äußersten kommt und jemand in Todesgefahr ist. Mit dem Gedanken leben zu müssen, ich hätte einen Menschen retten können, wenn ich nur nicht untätig geblieben wäre, finde ich unerträglich“, sagt Rosemarie K.
Das sagt die Polizei:
Nur eingreifen, wenn man sich nicht selber in Gefahr bringt.
Schnellstmöglich 110 wählen.
Für spätere Zeugenaussage Details merken.
In einer Notlage Passanten laut zur Hilfeleistung auffordern, dabei die Menschen direkt ansprechen („Sie in dem blauen Pullover…).“
Selbstverteidigungswaffen wie Reizgas dürfen nur zur Abwehr einer Gefahr für Leib und Leben eingesetzt werden.
2 Kommentare
MS meint:
Der Frau gebührt meine Hochachtung und Respekt!

Toll, dass es noch Menschen gibt, die bei soetwas nicht tatenlos zusehen!

Peter Jauernig meint:
Eine mutige Frau mit viel Herz!
ES müsste mehr von solchen Mensche geben!
Ich weiss nicht wie ich reagiert hätte...

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