Großbaustelle
ZOB doppelt so teuer wie geplant
Dienstag, 30. Juni 2009 20:58
- Von André Herbst
Bergedorf. Aufatmen in Bergedorf, lautstarke Kritik der Opposition in Hamburg: Der Senat hat gestern für Bergedorfs neuen ZOB weitere 16,8 Millionen Euro bewilligt – und zusätzlich einen „Risikozuschlag“ von weiteren vier Millionen.
Die „Verdopplung“ gegenüber den 2003 prognostizierten 20,8 Millionen Euro wertet die SPD-Bürgerschaftsfraktion mit Blick auf Elbphilharmonie und Hafencity-U-Bahn als „neuen Beweis für die Unfähigkeit des Senats bei der Realisierung von Infrastrukturprojekten“.
In Bergedorf reagieren VHH- und Bezirksamtsspitze dagegen mit Erleichterung. „Das ist ein wichtiger Tag, ein Signal für Bergedorf“, sagt Bezirksamtsleiter Dr. Christoph Krupp. Das Ensemble aus neuem ZOB an den Bahngleisen und darunter neuer Bahnhof und ein Parkhaus sollte ohne weitere Verzögerung realisiert werden. Allen falle ein Stein vom Herzen, sagt VHH-Vorstand Dr. Thomas Becker, die Verkehrsbetriebe fungieren für Hamburg als Bauherr: Ohne das frische Geld hätte ein Baustopp gedroht.
Mit der aktuellen Entscheidung hat der Senat an der Bürgerschaft vorbei außerplanmäßig Geld bewilligt. Dies ist nach Hamburgs Landeshaushaltsrecht möglich, wenn die Ausgaben unvorhersehbar und unabweisbar sind, etwa das Warten auf einen späteren Entschluss der Bürgerschaft hohen Schaden auslösen würde.
Kritiker sagen, der sei bereits eingetreten. Tatsächlich hat sich beim Projekt der Wahlspruch „Zeit ist Geld“ bewahrheitet. So wurden neuer ZOB und Bahnhof bereits geplant, als mit der Bahn AG noch über den Abriss des alten Bahnhofs an gleicher Stelle verhandelt wurde: Die Kosten für den aus Steuern finanzierten Ersatzbau schnellten derweil von 3,1 auf 6,3 Millionen Euro empor.
Die vorzeitige Aufgabe des alten ZOB und die Umleitung von 30 Buslinien durch die Alte Holstenstraße hat ebenfalls eine siebenstellige Summe an Mehrkosten verursacht. Der erhoffte Zeitgewinn für die Realisierung von Bergedorfs Neuer Mitte (ZOB: Dezember 2009) ist dagegen wie Schnee in der Sonne dahin geschmolzen.
In spätestens sechs Wochen sollen nun die Rohbauarbeiten beginnen.
Dr. Becker rechnet mit Fertigstellung von ZOB und Bahnhof für August 2010.
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