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HAW-Studenten sind sauer

Lohbrügge. Mit der Senkung der Studiengebühren wurden Befreiungen zum Beispiel für Eltern oder besonders Begabte abgeschafft. Mehr als 100 Studenten in Bergedorf werden jetzt zur Kasse gebeten. Der Asta macht Front.
HAW Studentenärger
Foto: Kim Nadine Meyer
Florian Wichmann (27, re.) vom Asta-Vorstand der HAW kämpft für eine Veränderung des Hamburger Hochschulgesetzes. Studentin Dorothea Kröhnert (25, Mitte) – hier mit Kommilitonin Nadine Frerichs (24) – wurde das Begabten-Stipendium gestrichen.
Seit einer Novellierung des Hamburger Hochschulgesetztes im Oktober vergangenen Jahres zahlen Studenten nur mehr 375 statt 500 Euro Studiengebühren pro Semester. Doch was sich im ersten Moment positiv anhört, hat mehr als einen Haken. Denn im Zuge der Gebührensenkung wurden die „Ausnahmetatbestände“ reduziert. Das bedeutet: Es gibt für Studenten kaum noch eine Chance, sich von der Gebührenpflicht befreien zu lassen. Mussten bisher Eltern, behinderte Menschen, chronisch Kranke, aber auch Studenten, die herausragende Leistungen erbracht haben, keine Studiengebühren zahlen, sind diese Befreiungen jetzt abgeschafft. Mehr als 100 Studenten der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) in Lohbrügge werden deshalb jetzt zur Kasse gebeten.

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Eine von ihnen ist Dorothea Kröhnert. Die 25-Jährige studiert Verfahrenstechnik im neunten Semester und war bisher, weil sie zu den Besten ihres Jahrgangs gehört, von den Gebühren befreit. „Seit diesem Semester muss ich zahlen, bin in einem Schreiben explizit dazu aufgefordert worden“, ärgert sich die Studentin aus Schnelsen. Ähnlich geht es Nicola Grelck. Die 21-Jährige hatte sich im ersten Semester im Studiengang Hazard Control (Katastrophenmanagement) extra angestrengt, als einzige alle Prüfungen auf Anhieb bestanden. „Ich hatte gehofft, als Begabte von den Gebühren befreit zu werden. Jetzt muss ich sie stunden.“
Aufschub heißt die Alternative zur Befreiung: „Studenten können die Gebühren stunden“, erläutert Timo Friedrichs, Sprecher der Behörde für Wissenschaft und Forschung. Dann würde das Geld erst nach dem Studium und ab einem Mindesteinkommen von 30 000 Euro im Jahr fällig. Die Befreiungen hätten dazu gedient, Chancengleichheit zu schaffen, diese sei nun durch die Möglichkeit der Stundung gegeben, so Friedrichs.
Wenn Florian Wichmann vom Asta-Vorstand der HAW eine solche Begründung hört, verzieht er das Gesicht: „Im Prinzip sind alle Stipendien, die die HAW vergeben hat, mit einem Schlag weggefallen“, sagt der 27-Jährige, der knapp 12 000 Studenten an den vier HAW-Standorten vertritt. „Wenn ein Student heute seine Unterschrift unter einen Stundungsantrag setzt, schließt er einen Kredit ab. Darüber informiert der Antrag aber nicht, auch nicht über die Höhe der Zinsen, die irgendwann zu entrichten sind. Das ist unverschämt.“ Zumal zu den Gebühren auch noch 259,70 Euro für das HVV-Ticket, Verwaltungskosten, Studentenwerk und Asta kämen. „Es ist klar, dass Studenten einen Unkostenbeitrag leisten müssen, aber Gebühren sollten nicht sein“, findet Wichmann. Und wenn doch müssten sie wenigstens bei den Studenten ankommen. „Derzeit landen aber nur 40 Prozent der Gelder bei den Fakultäten.“ Der Asta setzt sich deshalb für mehr Transparenz bei der Ausgabe der Gebühren ein.
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