Darmverschluss

Ärztemangel: Not-OP rettet Schwerkranken

„Wir sind eklatant unterversorgt“: Dr. Monika Charpentier, Allgemeinmedizinerin in Bergedorf

Foto: Thomas Voigt / BGZ

„Wir sind eklatant unterversorgt“: Dr. Monika Charpentier, Allgemeinmedizinerin in Bergedorf

Bergedorf. Zwei Wochen lang versuchte ein 43-Jähriger vergeblich, einen Arzttermin zu bekommen. In letzter Minute rettete ihn eine Not-Operation.

Bergedorf.  Sven Uekmann fühlte sich schlecht. Es drückte und schmerzte im Bauch, und er beschloss zum Arzt zu gehen. Der 43-jährige Leibwächter wohnt seit Mai in Bergedorf-Süd, hatte noch keinen Hausarzt im Bezirk. Also rief er bei Allgemeinmedizinern in Bergedorf an, bat um Aufnahme und um einen Termin. Doch zu seiner Verwunderung war das gar nicht so einfach: „Ich habe vier Ärzte angerufen, aber entweder kam ich telefonisch nicht durch, oder die Damen beim Empfang waren sehr gestresst und meinten, sie seien belegt.“

„Ich brauche dringend einen Arzt“

Weil die Beschwerden auch eine Woche später nicht nachließen, versuchte Uekmann per E-Mail sein Glück: „Ich brauche dringend einen Arzt, bitte um Aufnahme und einen Termin“, schrieb er an drei weitere Ärzte, erhielt aber ebenfalls Absagen. Eine Terminvergabe sei kurzfristig nicht möglich. Uekmann könne sich aber morgens oder am frühen Nachmittag in die Warteschlange einreihen und werde dann irgendwann wohl auch untersucht – jedoch nur einmalig.

Not-Operation im Bethesda-Krankenhaus

Sven Uekmann aber suchte einen Hausarzt, den er letztendlich mit Dr. Monika Charpentier fand – nach zwei Wochen. Die stellte einen bedrohlich verhärteten Bauch bei ihm fest, schickte ihn zur Notaufnahme ins Bethesda-Krankenhaus, wo der Oberarzt nach einer Blutuntersuchung sofort eine Not-OP einleitete: Der Patient hatte eine geplatzte Zyste im Bauchraum, was zu Blinddarmdurchbruch und Darmverschluss geführt hatte: „Zwei Tage später wäre ich tot gewesen, meinte der Oberarzt, und ich hätte wohl eine Macke, so lange damit spazieren zu gehen. Mir war aber nicht klar gewesen, wie ernst es ist. Und man liest doch immer, dass viel zu viele Leute die Klinik-Notaufnahmen belagern, obwohl sie ambulant behandelt werden könnten.“

Patienten kommen ambulant nicht unter

Bethesda-Sprecherin Kristin Netik kann das bestätigen. Nach ihren Worten waren im vergangenen Jahr von 25 000 Besuchern der Notaufnahme 55 Prozent ambulante Fälle: „Tendenz steigend, und das liegt zweifellos daran, dass diese Patienten bei den niedergelassenen Ärzten nicht unterkommen.“

„Bergedorf eklatant unterversorgt“

„Bergedorf ist fachärztlich eklatant unterversorgt“, sagt Dr. Monika Charpentier, „auch wenn die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Hamburg beharrlich das Gegenteil behauptet. „Wir brauchen dringend mehr Kassenarztsitze. Fast alle Fach- und Allgemeinärzte haben Aufnahmestopp.“ Grotesk: Einer ihrer Patienten bekam jetzt bei einem Kardiologen im Februar 2018 einen Termin.

Kassenärztliche Vereinigung schweigt zum Vorfall

Die KV argumentiert stets, Hamburg sei mit Ärzten gut versorgt und die Bergedorfer könnten zum Arztbesuch nach Hamburg fahren. Sven Uekmann will sich jetzt bei der KV beschweren. Die war gegenüber der bz zu seinem Fall gestern nicht aussagebereit.