Retter im Großeinsatz

Reizgas: Neun Verletzte am Luisen-Gymnasium

An der Straße Pfingstberg stehen die Rettungswagen bereit. In Rettungsdecken gehüllt, werden die Verletzten einzeln zur Behandlung gebracht und dabei registriert. 35 Feuerwehrleute sind im Einsatz

Foto: NEWS & ART

An der Straße Pfingstberg stehen die Rettungswagen bereit. In Rettungsdecken gehüllt, werden die Verletzten einzeln zur Behandlung gebracht und dabei registriert. 35 Feuerwehrleute sind im Einsatz

Bergedorf. Ein 17-jähriger Schüler hat am Luisen-Gymnasium Reizgas versprüht. Neun Verletzte mussten in Krankenhäuser.

Acht Schüler und eine Mitarbeiterin der Cafeteria sind gestern Mittag im Luisen-Gymnasium durch Reizgas verletzt worden. Die Betroffenen mussten mit Augen- und Atemwegsreizungen und teilweise deutlichen Schocksymptomen in Krankenhäuser eingeliefert werden.

17-Jähriger sprüht Mitschülerin an

Der Vorfall ereignete sich um kurz vor 14 Uhr in der Mittagspause im Flur vor der Cafeteria der Schule. „Ein 17-jähriger Schüler des Gymnasiums hat einer Mitschülerin Reizgas auf die Jacke gesprüht“, sagte Polizeisprecher Rene Schönhardt.

Die Gaswolke breitete sich schnell in dem Schulflur aus. Nach wenigen Sekunden klagten mehr als ein Dutzend Schülerinnen und Schüler über Atemnot und stark tränende Augen. Einige hatten heftige Kreislaufprobleme.

Feuerwehr löst Großalarm aus

Die Schulleitung alarmierte die Feuerwehr, diese löste Großalarm aus: Unter dem Einsatzstichwort „Massenanfall an Verletzten“ rückten sechs Rettungswagen, der Rettungshubschrauber, der Großraumrettungswagen, Notärzte, Hamburgs Leitender Notarzt, der Organisationsleiter Rettungsdienst und hochrangige Führungsdienste nach Bergedorf aus.

Noch vor Eintreffen der Rettungskräfte hatten sich die betroffenen Schüler an der frischen Luft vor dem Eingang versammelt. Die restlichen Schüler schickte die Schulleitung nach Hause. Nach und nach wurden die Verletzten gesichtet und in den Rettungswagen behandelt. Die Schüler im Alter von 13 bis 17 Jahren kamen in das Kinderkrankenhaus Wilhelmstift. Die 43-jährige Angestellte in das Bethesda.

Keine schweren Verletzungen - dennoch in die Klinik

„Nach erstem Augenschein handelt es sich um leichte, in keinem Fall aber lebensbedrohliche Verletzungen“, sagte Feuerwehrsprecher Werner Nölken vor Ort. Messungen im Schulgebäude hätten keine signifikante Gefahrstoffkonzentration mehr feststellen können.

Täter stellt der Polizei - Motivation unklar

Der 17-jähriger Schüler, der das Reizgas versprüht haben soll, meldete sich selbst bei der Polizei und wurde auf die Wache gebracht. Bis Redaktionsschluss dauerte die Vernehmung noch an, seine Motivation blieb zunächst unklar. „Es soll zuvor keinen Streit unter den Schülern gegeben haben“, sagte Schulleiter Dr. Werner Baum: Möglicherweise hätten die Schüler das Spray ausprobieren wollen und die Wirkung unterschätzt. „Wir gehen von einem Jugendstreich aus, der folgenschwer eskaliert ist.“

Kripo ermittelt - Eltern kritisieren Schulleitung

Folgenschwer vermutlich auch für den Täter, dem nun ein Verfahren wegen Körperverletzung und Schmerzensgeldansprüche drohen.

Im Internet haben einige Eltern die Informationspolitik der Schule kritisiert. Vermeintlich nicht betroffene Schüler seien einfach nach Hause geschickt worden, noch bevor die Rettungswagen eintrafen. Eine Information, was eigentlich an der Schule passiert sei, habe es an Schüler und Eltern zunächst nicht gegeben. „Wir wurden zuerst über die Facebookseite der Bergedorfer Zeitung informiert“, schrieb eine besorgte Mutter.