Neujahrsempfang

Vom Sinn und Unsinn des Körberhauses

Bergedorf. Zukunftsprojekte des Bezirks zwischen Begeisterung und Kritik. Dornquast startet Wahlkampf.

Bergedorf.  Was wird bloß aus Bergedorf? Dass die Antwort auf diese Frage angesichts der vielen Großprojekte im Bezirk für 2017 sehr unterschiedlich ausfallen kann, wurde am Sonntag beim Neujahrsempfang im Spiegelsaal des Rathauses klar. Vor 200 Gästen machte Bürgervereins-Chefin Christa Timmermann mit gewohnt kritischer Rede den Anfang, gefolgt von einem durch und durch optimistischen Bezirksamtsleiter Arne Dornquast.

Muss die Bücherhalle ins Körberhaus?

„Bitte schütten sie das Kind nicht mit dem Bade aus“, mahnte Christa Timmermann mit Blick auf die hochtrabenden Körberhaus-Pläne, für die im Oktober das Lichtwarkhaus abgerissen werden soll. „Damit geht Bergedorf das Bewegungsbad vom Haus im Park verloren und auch das neue Miteinander seiner Besucher und denen des Lichtwarkhauses wird sicher nicht ganz einfach werden.“ Einen Sinn mag sie auch im (Zwangs-)Umzug der Bücherhalle in den Neubau nicht erkennen. Timmermann: „Mir wäre es lieber, die bliebe an der Lohbrügger Einkaufsstraße. Dort werden ihre Besucher als Frequenzbringer dringend gebraucht.“

Warnung vor Verkehrsinfarkt

Neben weiteren kritischen Anmerkungen rief die Bürgervereins-Chefin dazu auf, sich tunlichst um den drohenden Bergedorfer Verkehrsinfarkt zu kümmern: „Die vielen neuen Wohnungen und Gewerbeflächen am Schleusengraben und in der City werden die vorhandenen Straße überfordern. Wir brauchen eine veränderte Verkehrsführung und nebenbei Ideen, wie das Zerschneiden unserer City durch die Bergedorfer Straße endlich beseitigt werden kann.“

Bergedorf hat jetzt 125.000 Einwohner

Bezirksamtsleiter Arne Dornquast stellte dem das Bild eines stetig wachsenden Bergedorfs gegenüber: „Wir haben gerade die Zahl von 125.000 Einwohnern überschritten. Und wir bauen weiter – in diesem Jahr wieder mit Genehmigungen für über 800 Wohnungen, neuen Flüchtlingsunterkünften am Hubschrauber-Landeplatz in Boberg und am Binnenfeldredder beim Ortsausgang Richtung Reinbek.“ Damit seien im Flüchtlingsbereich zumindest vorerst genug Plätze geschaffen, beim allgemeinen Wohnungsbau müsse es wegen der stetig wachsenden Nachfrage aber weitergehen: „Dafür brauchen wir ab 2020 Oberbillwerder.“

Lichtwarkhaus-Abriss im Oktober

Auch den Abriss des Lichtwarkhauses sieht Dornquast ganz ohne Emotionen als rein technischen Akt: „Für die Awo werden wir in dieser Woche den Vertrag für ein Ausweichquartier in direkter Nachbarschaft unterzeichnen.“ Im April werde dann mit Abschluss des Architekten-Wettbewerbs das genaue Aussehen des Neubaus festgelegt. Abgerissen wird aber nicht vor Oktober, weil das Bezirksamt die Immobilie noch als Wahldienststelle für die Bundestagswahl im September brauche.

Dornquast startet seinen Wahlkampf

Dornquast nutzte den Empfang auch als Auftakt für seinen eigenen Wahlkampf, will er im April doch von der Bezirksversammlung für weitere sechs Jahre auf dem Chefsessel des Rathauses bestätigt werden: „Auch wenn es noch manche Wankelmütige gibt, sprechen Sie die an, damit auch sie mich unterstützen. Ich will die vielen Dinge, die ich angeschoben habe, auch umsetzen“, sagte er mit Blick auf die zahlreich anwesenden Politiker.

Alle Reden sind im Internet unter goo.gl/itaZpZ (Dornquast) und goo.gl/xx17Jo (Timmermann) zu finden