Selbstständigkeit Apotheker sorgen sich um Nachfolger

Mit 88 noch im Geschäft: Dr. Georg Zohm, Bergedorfer Apotheker.

Foto: Thomas Voigt / BGZ

Mit 88 noch im Geschäft: Dr. Georg Zohm, Bergedorfer Apotheker.

Bergedorf. Kleinere Einzelapotheken geraten bei sinkenden Krankenkassen-Vergütungen zunehmend in Existenznot. Apotheker finden schwer Nachfolger.

Bergedorf.  „Ich werde wohl in meiner Apotheke stehen, bis ich umfalle“, sagt Dr. Georg Zohm (88), Inhaber der Linden-Apotheke am Bergedorfer Markt. Gerade vor wenigen Tagen ist der geplante Verkauf seiner Apotheke an einen deutlich jüngeren Nachfolger geplatzt.

192 Apotheken in einem Jahr geschlossen

„Inhaber von Einzelapotheken haben es immer schwerer, Nachfolger zu finden“, sagt Christian Hoffmann, stellvertretender Präsident der Hamburger Apothekerkammer. Das sei längst nicht mehr nur auf dem Land, sondern auch in Großstädten wie Hamburg der Fall und ein Grund dafür, warum die Zahl der Apotheken rückläufig ist: Ende 2015 gab es laut Hoffmann in der Hansestadt 416 Apotheken, zehn Jahre zuvor waren es noch 470. Bundesweit sank die Zahl im vergangenen Jahr um 192 auf 20 249. Überwiegend Einzelapotheken wurden geschlossen.

„Personal verdünnen“

Zwar scheiterte der Wechsel in der Linden-Apotheke aus steuerlichen Gründen und nicht etwa, weil der Nachfolger plötzlich absprang. Dennoch weiß Zohm von mehreren Kollegen – ebenfalls im fortgeschrittenen Alter –, die händeringend Nachfolger suchen. „Kleine Apotheken wie wir arbeiten hart an der Existenzgrenze, und eine 60-Stunden-Woche ist normal. Darauf haben viele junge Kollegen einfach keine Lust.“ Die immer längeren Öffnungszeiten in Einkaufsmeilen machen die Sache nach seinen Worten nicht gerade besser: „Mit zusätzlichem Personal lässt sich das nicht ausgleichen. Die ständigen Kürzungen unserer Vergütungen wirken sich aus. Auch ich muss jetzt mein Personal ein wenig verdünnen.“

Den Krankenkassen ziemlich ausgeliefert

In ländlichen Gebieten ist das Apotheken-Sterben schon länger ein Thema. „Erst verschwindet der Arzt aus dem Dorf, dann die Apotheke“, sagt Christian Hoffmann von der Kammer. Erst im Mai 2015 hat Anke Döcke die Apotheke Zollenspieker und die Apotheke in Fünfhausen übernommen, beide liegen am Süderquerweg. „Ich bereue es nicht“, sagt die Unternehmerin, „habe ganz gezielt beide Geschäfte übernommen, weil eine Einzelapotheke in dieser Größe sich nicht mehr rechnet.“ Sie findet aber verständlich, dass nicht jeder Kollege bereit ist, selbst eine Apotheke zu betreiben: „Es weht ein harter Wind, wir sind den Krankenkassen ziemlich ausgeliefert. Und es ist nicht gerade leicht, unsere Kunden für die rezeptfreie Ware zu begeistern.“

Nachfolger für Löwen-Apotheke

Auch Apotheker Jost Gehrken (72) sucht Ende 2016 einen Nachfolger für seine Löwen-Apotheke, Hinterm Graben: „Interessenten hatte ich schon, die sind aber wieder weg.“