Fachhochschule

Ideen zu HAW-Umzug schlagen Wellen

Viel Platz für Gedanken: Das Areal der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) im Herzen Lohbrügges. Gebaut wurde der Komplex ab Ende der 1960er-Jahre. Heute gibt es hier fast 4000 Studenten.

Foto: Weitzel / aufwind-luftbilder

Viel Platz für Gedanken: Das Areal der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) im Herzen Lohbrügges. Gebaut wurde der Komplex ab Ende der 1960er-Jahre. Heute gibt es hier fast 4000 Studenten.

Lohbrügge. Wird die Fachhochschule ins geplante Oberbillwerder verlegt? Die Idee des Beszirksamtsleiters löst Diskussionen aus.

Lohbrügge.  Es ist eine eher beiläufig geäußerte Idee, mit der Bezirksamtsleiter Arne Dornquast für heftige Diskussionen in Bergedorf sorgt: Im Jahresinterview unserer Zeitung sinnierte Bergedorfs Rathauschef Anfang Januar über die Verlegung der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) vom Lohbrügger Campus in den noch zu bauenden Stadtteil Oberbillwerder zwischen Neuallermöhe-West und Boberg.

Wirtschaftskreis: Fatal für Entwicklung Bergedorfs

„Ein fataler Vorstoß“, ärgert sich Dr. Farhang Logmani, der im Wirtschaftskreis „Wir in Bergedorf“ seit Jahren für den Bau von Studentenwohnungen im Bezirk kämpft. „Regelmäßig wird beklagt, dass sich im Zentrum unseres Bezirks keine junge Kultur- und Kneipenszene etabliert, wie sie etwa Lüneburg zu seinem Aushängeschild gemacht hat. Dabei haben wir an der HAW fast 4000 Studenten.“ Doch die meisten pendelten leider täglich von Hamburg ein.

„Wir müssen für sie Wohnungen in Bergedorf schaffen. Dann entsteht die junge Szene – etwa am Serrahn – von ganz allein“, meint Logmani. „Die HAW ist ein Schatz, den wir heben müssen – auf keinen Fall einfach wegplanen dürfen.“

Dornquast: Hochschule „in die Jahre gekommen“

So negativ will Dornquast seine Idee für den Campus Lohbrügge nicht gewertet wissen. Tatsächlich sei der Ende der 1960er-Jahre vom Senat zusammen mit dem Unternehmer Kurt A. Körber als Ingenieurschule entwickelte Hochschul-Campus heute „schon beim energetischen Standard nicht mehr zeitgemäß“ und „auch sonst sehr in die Jahre gekommen“. Entsprechend spannend sind für Dornquast, der von Haus aus Stadtplaner ist, Ideen wie die, dass „eine solche Institution ihr ganzes Potenzial in einem neu zu planenden Stadtteil entfalten kann“.

HAW: Einbindung in den Stadtteil ist gelungen

Bei der HAW erntet er mit seinen Gedankenspielen jedoch Kopfschütteln: „Wir möchten uns an derartigen Spekulationen nicht beteiligen“, sagt Sprecherin Katharina Jeorgakopulos. „Die Einbindung unserer am Standort untergebrachten Fakultät Life-Sciences in den Bezirk Bergedorf und den Stadtteil Lohbrügge war und ist äußerst positiv.“ Zudem habe die HAW in den vergangenen Jahren erheblich in die Bausubstanz investiert. „Ein Verwaltungsneubau ab Ende 2016 wird ein weiterer Meilenstein in der Abrundung dieses Standorts sein“, sagt die Sprecherin.

Gänzlich undenkbar scheint ein Umzug dennoch nicht, wie unsere Zeitung aus Hochschulkreisen erfuhr – die Frage wäre nur wohin. Der Campus platzt aus allen Fugen, weil sich die Zahl der Studenten hier innerhalb der vergangenen fünf Jahre verdoppelt hat. Doch sei ein Standortwechsel wegen immenser Kosten eher unrealistisch.

Logmani: Empfehle Blick nach Lüneburg

Ob Dornquast den Umzug mit seinen Ideen nun beschleunigt hat, mag Dr. Logmani nicht bewerten: „Ich hoffe eher auf eine andere Wirkung. Nämlich die, dass endlich darüber nachgedacht wird, wie wir die HAW-Studenten zu Bergedorfern machen. Ich empfehle den Blick nach Lüneburg.“