Wissenschaft Holzwirtschaft: Protest gegen Einstellung des Studiengangs

Stehen zusammen: Mitarbeiter, Holzwirtschaft-Studenten und Wissenschaftler des Thünen-Instituts wehren sich gegen die Schließungspläne.

Foto: Gerrit Pfennig

Stehen zusammen: Mitarbeiter, Holzwirtschaft-Studenten und Wissenschaftler des Thünen-Instituts wehren sich gegen die Schließungspläne.

Lohbrügge. 60 Mitarbeiter und mehr als 250 Studenten hat das Zentrum Holzwirtschaft auf dem Thünen-Gelände. Sie alle stehen vor dem Nichts.

Lohbrügge.  Dutzende Studenten, Wissenschaftler und weitere Mitarbeiter der Universität Hamburg sowie Kollegen des Thünen-Instituts haben sich am Dienstag vor dem Tor des Instituts versammelt. Ihre Botschaft: „Das Zentrum Holzwirtschaft darf nicht sterben!“ Das sehen die Verantwortlichen der Universität offenbar anders. Sie wollen den Studiengang, der sich unter anderem mit Holzbau und der Entwicklung neuartiger Holzwerkstoffe beschäftigt, auslaufen lassen.

„Kollegen fallen uns in den Rücken“

Das Uni-Präsidium habe der Fakultät für Mathematik, Informatik und Naturwissenschaften (MIN) für den Zeitraum 2016 bis 2020 sowie darüber hinaus strenge Sparauflagen verordnet, sagt Prof. Jörg B. Ressel vom Zentrum Holzwirtschaft. Der Fachbereich Biologie habe sich dann dafür entschieden, das Holzwirtschaft-Studium an der Leuschnerstraße komplett aufzugeben, um seine drei weiteren Zentren zu schonen. Prof. Ressel: „Das ist besonders bitter, weil es die eigenen Kollegen sind, die uns in den Rücken fallen.“

Derzeit sind in der Holzwirtschaft mehr als 250 Studenten eingeschrieben. Dazu kommen rund 60 Mitarbeiter, zu denen sieben Professoren gehören. Nach den aktuellen Plänen sollen ihre Stellen jetzt nach und nach auslaufen und nicht mehr neu besetzt werden. Zum Wintersemester sollen sich noch Studenten neu einschreiben können, danach dürfte sich das Studienangebot aber deutlich verringern.

Millionen-Einsparung durch Schließung?

Prof. Ressel schätzt die Einsparauflagen im Fachbereich Biologie auf 1,5 bis 2 Millionen Euro. „Etwa 400 000 Euro könnte das Zentrum im Zeitraum bis etwa 2024 ohne Schließung durch Stellenkürzungen und Personalverschiebungen beitragen“, rechnet der Holzphysiker vor. Wesentlich dazu beitragen könne die Kooperation mit dem Thünen-Institut, das in Forschung und Lehre eng mit dem Zentrum Holzwirtschaft zusammenarbeite.

„Ohne das Thünen-Institut wäre die Situation hier heute schon dramatisch“, sagt Goran Schmidt, Doktorand und Mitglied des Fachschaftsrates. Bei einer Schließung werde jedoch die Qualität der Lehre erheblich leiden. Von den Einsparplänen seien besonders Jungwissenschaftler, die als Stipendiaten oder wissenschaftliche Mitarbeiter angestellt sind, betroffen. „Ich werde meine Doktorarbeit hier wohl nicht abschließen können“, sagt Schmidt.

Thünen-Institut hofft auf Fortsetzung der Kooperation

„Wir sind mit der MIN-Fakultät seit längerem in Gesprächen, weil wir sehr an einer Fortsetzung der Kooperation interessiert sind“, berichtet Thünen-Sprecher Dr. Michael Welling. Das Bundesforschungsinstitut profitiere sehr von den Ideen der Holzwirtschaft-Studenten und -Wissenschaftler. „Der Ball liegt bei der Universität.“ Und die mauert: Es gebe „zurzeit keinerlei Beschlüsse des Präsidiums oder anderer zentraler Gremien der Universität“, so Pressesprecherin Dr. Ariane Neumann. Man werde diese Angelegenheit nicht kommentieren.

Entmutigen lassen wollen sich die Lohbrügger nicht. Die Studenten wollen am Mittwoch Spruchbänder mit Aufschriften wie „Wir lassen uns nicht absägen!“ aufhängen, Professoren wollen sich bei Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank für den Erhalt des Studiengangs einsetzen.