Präventionskonzept Nicht alle Sportvereine beugen Kindesmissbrauch vor

Mehr als die  Hälfte der Bergedorfer Sportvereine ignoriert bislang die Gesetzesvorgaben zum Schutz vor Kindesmissbrauch (Symbolbild)

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Mehr als die Hälfte der Bergedorfer Sportvereine ignoriert bislang die Gesetzesvorgaben zum Schutz vor Kindesmissbrauch (Symbolbild)

Bergedorf. Erst 27 der insgesamt 80 Sportvereine im Bezirk erfüllen die Auflagen zur Vorbeugung von Kindesmissbrauch nach dem Kinderschutzgesetz.

Etwa 80 Sportvereine gibt es im Bezirk Bergedorf, davon bieten laut TSG-Chef Boris Schmidt mehr als 50 Vereine Kinder- und Jugendsport an. Doch bisher haben nur 27 dieser Vereine die Auflagen zur Prävention von Kindesmissbrauch nach dem neuen Bundeskinderschutzgesetz erfüllt. Das teilte der Sport-Referent des Bezirksamts, Fred Osterhage, den Fachpolitikern des Ausschusses für Sport und Bildung in dieser Woche mit.

Präventionspaket ist für alle Vereine verbindlich

Im Zuge der Gesetzesreform aus dem Jahr 2012 war für Vereine mit Mitgliedern unter 18 Jahren ein umfassendes Präventionspaket mit verbindlichen Bausteinen zum Schutz der Kinder vor sexuellen Übergriffen entwickelt worden.

Dazu gehören die Vorlage von erweiterten Führungszeugnissen von allen haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter, die Sensibilisierung aller Mitarbeiter durch spezielle Schulungen, die Installation eines Beauftragten für Prävention sowie die Abgabe von Ehrenerklärungen aller Personen, die mit Kindern unmittelbar arbeiten.

Keine Zuschüsse für Vereine ohne Vorbeugekonzept

Bergedorfs Bezirksversammlung und der Fachausschuss befassen sich bereits seit Monaten mit einem Antrag der Grünen, der das Ziel hat, Vereine ohne dieses Präventionskonzept von bezirklichen Zuwendungen auszuschließen.

Osterhage berichtete dem Ausschuss nun, dass sieben Sportvereine beim Bezirk Anträge auf Zuschüsse gestellt hätten. Sechs von ihnen hätten das Präventionspaket realisiert, siebter Verein sei die Sportvereinigung Polizei Hamburg und die habe keine Jugendabteilung. SPD-Vertreter Jürgen Schramm setzte dagegen: „Die bieten aber Kinderturnen am Bornbrook an. Dann müssen sie auch das Präventionskonzept umsetzen.“

Auch kleine Vereine müssen handeln

TSG-Chef Schmidt nannte es – ungeachtet möglicher Zuschuss-Streichungen – unbefriedigend, dass so viele, insbesondere kleine Vereine die Verpflichtung zu Vorkehrungen gegen Kindesmissbrauch ignorierten: „Gerade dort werden einschlägig orientierte Täter nun versuchen, als Mitarbeiter oder Übungsleiter unterzukommen.“

CDU-Vertreter Jürgen von Witte regte an, diesen Vereinen auch den Zugang zu Hallen und Sportanlagen zu verwehren. Mehrheitlich erklärte das Gremium aber die Absicht, mit den Vereinen Gespräche zu führen.