Flüchtlinge

„Sea Watch II“: Größeres Schiff für effektivere Rettung

Michael Schwickart und Ingo Werth vom Verein Sea Watch präsentieren die Sea Watch II vor dem Umbau

Foto: Thomas Voigt / BGZ

Michael Schwickart und Ingo Werth vom Verein Sea Watch präsentieren die Sea Watch II vor dem Umbau

Bergedorf. Der Verein „Sea Watch“ rüstet nach. Für die Rettung von Flüchtlingen soll künftig ein ehemaliges Forschungsschiff zum Einsatz kommen.

Die Rettungsorganisation, in der sich die beiden Bergedorfer Ingo Werth und Michael Schwickart engagieren, hat im vergangenen Jahr mit dem Motorschiff „Sea Watch“ mehr als 2 000 in Seenot geratene Flüchtlinge aus dem Mittelmeer gerettet. In diesem Jahr werden sie nun mit einem leistungsfähigeren Schiff unterwegs sein. In England hat der Verein das ehemalige Forschungsschiff „Clupea“ gekauft und lässt es gegenwärtig in der Pella Sietas Werft in Neuenfelde umrüsten.

Einsatz schon ab März vor Libyen

Bereits im März, so der Plan, soll die „Sea Watch II“ mit elfköpfiger Crew in See stechen und wieder vor der libyschen Küste und in der Ägäis nach Flüchtlingen suchen. Viele treiben auf völlig ungeeigneten Schlauchbooten hilflos auf dem Meer.

„Mit dem neuen Schiff sind wir auch bei rauen Witterungsbedingungen und mehr als Windstärke 5 einsatzfähig“, sagt „Sea Watch“-Kapitän Ingo Werth. „Unsere Sea Watch I kam da schon an ihre Grenzen.“ Sie liegt jetzt in einem Hafen in Tunesien und soll als Reserveschiff dienen, sollte das neue Schiff ausfallen.

Neues Schiff ist dann doppelt so groß

Die 33 Meter lange „Sea Watch II“ ist mit acht Metern Breite und vier Metern Tiefgang mehr als doppelt so groß als das erste Schiff. „Darauf können wir deutlich mehr Rettungsinseln verstauen“, sagt Werth und erinnert an einen Tag im August 2015. Das Team der „Sea Watch I“ rettete 550 Flüchtlinge, war damit am Ende seiner Kapazität. Die Crew wartete händeringend auf die alarmierten Schiffe zur Übernahme der Menschen.

Behandlungsraum für Mediziner an Bord

Zudem verfügt das neue Schiff über einen Behandlungsraum für die Erstversorgung von Schwerverletzten. „Bisher mussten die Sanitäter das irgendwo zwischen Tür und Angel machen“, beschreibt der Kapitän. Nach seinen Worten sind es überwiegend schwere Hautverletzungen, die behandelt werden müssen: „Die Leute in den Schlauchbooten sitzen mitunter tagelang in einer ätzenden Plörre aus Treibstoff, Salzwasser, Kot, Urin und Erbrochenem“, schildert er schonungslos. „Wenn sie sich dann ein Kleidungsstück vom Leib ziehen, reißen sie oftmals ein großes Stück Haut mit ab.“

Kosten: Mehr als 800.000 Euro

200 000 Euro Spendengeld hat der Verein für das Schiff gezahlt, für Umrüstung und Betrieb braucht er in diesem Jahr noch einmal mindestens 550 000 Euro. „Eine Wärmebildkamera würde noch einmal 50 000 Euro kosten“, sagt Werth. „Dann könnten wir auch wieder nachts fahren. Letztes Jahr hätten wir in der Dunkelheit beinahe ein Schlauchboot mit Flüchtlingen über den Haufen gefahren. Seitdem sind wir nur noch bei Tageslicht unterwegs.“