Bergedorf Windforscher starten Info-Offensive

Energie-Campus  Politik streitet über Bürgerbeteiligung an Windriesen – Wissenschaftler planen Diskussion

Bergedorf. . Die Windkraft-Forscher vom Energie-Campus am Schleusengaben gehen in die Offensive. Am 13. Oktober und erneut zur Nacht des Wissens am 7. November informiert das Team um Prof. Dr. Werner Beba die Bürger „ausführlich und offen“ über ihre Forschungen zu intelligenten Stromnetzen, Speichermedien und die umstrittenen 180 Meter hohen Windkraftanlagen. Sie sind noch im Genehmigungsverfahren, sollen aber Mitte 2016 an der A-25-Anschlussstelle Bergedorf stehen.

Dass die Riesen auch im politischen Bergedorf die Gemüter erhitzen, zeigte sich gerade in der Bezirksversammlung: CDU-Fraktionschef Sven Noetzel wetterte wegen mangelnder Beteiligung der Bürger gegen Beba, während Heinz Jarchow für die SPD die Informations-Offensive begrüßte.

Beba selbst kann die Aufregung nicht nachvollziehen: „Es gab bereits im B-Plan-Verfahren Ende 2013 eine ordentliche Bürgerbeteiligung. Damals sind 600 Eingaben bei der Umweltbehörde eingegangen und bearbeitet worden. Bis heute hat sich an den Anlagen, ihren Standorten und der Bewertung des Eignungsgebietes nichts verändert“, begründet er das jetzt gewählte „einfache“ Genehmigungsverfahren ohne Bürgerbeteiligung. „Warum soll das ganze jetzt noch mal aufgezogen werden?“

Dass es trotzdem großen Diskussionsbedarf gibt, weiß der Forscher genau. Deshalb erwartet er beim Info-Abend am Dienstag, 13. Oktober, „mindestens 300 Gäste“. Eingeladen wird per Flyer an alle Haushalte für 18 Uhr in die Hochschule HAW im Ulmenliet 20 in Lohbrügge. Ähnlich gut besucht dürfte dreieinhalb Wochen später der Energie-Campus am Schleusengraben sein. Von 15 bis 23 Uhr stellt sich das Forschungszentrum dann im Rahmen der „Langen Nacht des Wissens“ vor.

Derweil tickt in der Dauer des Genehmigungsverfahrens der Windriesen eine Zeitbombe: Könnten sie erst 2017 in Betrieb gehen, muss Beba sich zusätzlich um grünes Licht beim Bundeswirtschaftsministerium bewerben. Das sieht zumindest ein Referentenentwurf zur Steuerung der Energiewende in Deutschland vor. Um die öffentlichen Zuschüsse zu reduzieren, sollen dann nur noch die ertragsreichsten Windanlagen ans Netz gehen.

Dann hätten die Bergedorfer deutlich schlechtere Karten als die Konkurrenz von der Küste. Dabei sollen die fünf Riesen neben der Stromerzeugung vor allem der Forschung durch Bebas Team dienen – und Zentrum der wissenschaftlichen Begleitung des „Schaufensters erneuerbare Energien – Windkraft“ werden. Das 130 Millionen Euro teure Pilotprojekt soll in den Jahren 2016 bis 2020 zeigen, dass sich die Metropole Hamburg ausschließlich durch Windkraft versorgen kann.