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Nur Feigenblatt der Schulreform?

Bergedorf. Alte Daten von 2007, Fotos von Zettel-Tafeln als Protokolle, Moderatoren ohne Konzept: Eltern lassen an Bergedorfs Regionaler Schulkonferenz kein gutes Haar.
Unterricht in einer Haupt- und Realschule. Die Reform der Schullandschaft in Hamburg schlägt hohe Wellen.
Foto: AP
Unterricht in einer Haupt- und Realschule. Die Reform der Schullandschaft in Hamburg schlägt hohe Wellen.
Die Diskussion um die Hamburger Schulreform, etwa die Abschaffung von Haupt- und Realschulen, nimmt kuriose Züge an: Während Kritik an der Umwandlung von Gesamt- zu Stadtteilschulen, längerem gemeinsamen Lernen in den geplanten Primarschulen und der verkürzten Gymnasialzeit nicht verstummen will, wappnet sich „Wir wollen lernen“: Die Initiative plant ein Volksbegehren gegen die Neuordnung. Derweil sammeln Grundschulleiter zur Unterstützung der Reformbestrebungen Unterschriften. Tatsächlich wächst aber auch bei wohlmeinenden Eltern der Ärger über Planungschaos und dilettantisch organisierte Regionale Schulkonferenzen.
Prinzipiell sei die Einbeziehung von Eltern- und Schülervertretern über die RSK positiv, befinden die Elternvertreter Verena Grewe (Grundschule Max-Eichholz-Ring), Karen Herrmann (GS Nettelnburg), Barbara Mathieu-Üffing (GS Mittlerer Landweg), Christian Heine (GS Zollenspieker) und Christiane Bertram (Luisen-Gymnasium). Was sie jedoch auf den bisherigen drei Sitzungen für den Bezirk Bergedorf erlebten, treibt ihnen Ärger ins Gesicht und Sorgenfalten auf die Stirn.
Phasenweise erfolgten Einladungen ohne klare Benennung der Themen, dann wieder wurden Diskussionen von den Moderatoren abgewürgt: „Gefragt ist keine inhaltliche Auseinandersetzung, etwa wie ambitionierte Konzepte mit Leben zu füllen wären“, kritisiert Heine. Vor der Frage von Kooperationen müssten alle Grundlagen geklärt werden. „Stattdessen wird das Verfahren von hinten aufgezäumt, und das noch unter großem Zeitdruck“. Bis Mai sollen die RSK ihre Arbeit abschließen.
„Wir sollen über Standorte beraten, dabei stammten die von der Behörde gelieferten Raumdaten wie die Schülerzahlen von 2007“, sagt Grewe. Kein Wunder, dass manche Beratungen drohten, in Beliebigkeit abzugleiten. Grewe: „Die Schule Leuschnerstraße war bei uns mal Mittelstufenzentrum, dann Primarschule, zwischendurch geschlossen.“
Vorschläge der Behörde zu bestimmten Kooperationen lassen Eltern an deren Kompetenz zweifeln. „Die Schulen Sander Straße und Ernst-Henning-Straße zusammenführen zu wollen, ist, freundlich ausgedrückt, eigentümlich“, befindet Herrmann: „Die eine Schule eine normale Halbtagsschule, die andere bekannt für ihre Integrationsklassen.“
Umgekehrt weigere sich die Behörde, auf erkennbare Entwicklungen zu reagieren: „In Nettelnburg hatten wir 84 Anmeldungen. 14 müssen wir ablehnen, das wird kaum ohne Gerichtsverfahren abgehen“, sagt die Schulelternratsvorsitzende. Mit dem alten Güterbahnhof kommt ein Neubaugebiet mit weiteren Kindern dazu, „die Behörde lehnt eine Erweiterung dennoch ab.“
Der Zusage von Senatorin Christa Goetsch, die Schulen Mittlerer Landweg und Altengamme blieben erhalten, schenken die Eltern wenig Vertrauen: „Wie soll das funktionieren, woher sollen die Lehrer von weiterführenden Schulen kommen? Aus Bergedorf, das sind doch enorm lange Wege“, sagt Barbara Mathieu-Üffing. Das werde auch für die Schüler gelten: „Der Grundsatz kurze Beine kurze Wege wird mit einer Verteilung der Klassenstufen 1 bis 3 und 4 bis 6 auf verschiedene Standorte der Vergangenheit angehören.“
Zudem sei völlig unklar wie die kleinen Landgebietsschulen die geforderten Angebote realisieren sollen. „Eine Primarschule soll doch prinzipiell dreizügig sein, um eine zweite Fremdsprache anbieten zu können, müssten es sogar vier sein“, warnt Christiane Bertram. „Welche Grundschule in den Vier- und Marschlanden erreicht diese Zahlen?“
Die Arbeit der RSK werde als Feigenblatt missbraucht, fürchtet die Vertreterin der Luisenschule. Auch für Christian Heine ist das Urteil klar: „Wir sollen für die Politik die Kohlen aus dem Feuer holen.“

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