17.08.12

Gasalarm

War es wirklich Pfefferspray?

Lohbrügge. Noch immer leiden vier Stadtteilschülert unter den Folgen des Reizgases, dem sie am Mittwoch ausgesetzt waren. Derart schwere Belastungen nur durch ein Pfefferspray sind ungewöhnlich. In der Regel sollte die Wirkung schon nach kurzer Zeit wieder nachlassen. Am Mittwoch hatte die Feuerwehr bereits ein Lösungsmittel in den Toilettenräumen der Schule nachgewiesen.

Gasalarm Gesamtschule bergedorf, Suche und Fund Tatwaffe
Foto: Neff Ein Experte der Feuerwehr mit dem dubiosen Spray.

Nach dem Gasalarm an der Bergedorfer Stadtteilschule am Mittwochmittag sind Schüler und Eltern weiter verunsichert. Es gibt bei den Betroffenen Zweifel, dass es das von beiden Zehntklässlern (15/16) versprühte Pfefferspray allein war, was die schweren Krankheitssymptome ausgelöst haben kann. 41 Schüler und vier Lehrer hatten neben schweren Atemwegsreizungen und tränenden Augen vor allem über Schwindel, Kopfschmerzen und Übelkeit geklagt.

Dass eine kleine Dose Pfefferspray bei so vielen Menschen derart heftige Reaktionen hervorruft, sei mehr als ungewöhnlich, meint eine besorgte Mutter. Sie will ihren Namen nicht nennen, befürchtet aber, "dass von den Behörden hier etwas vertuscht" werde. Und in der Tat passen die Anzeichen von Übelkeit und Schwindel nicht zu dem in den Abwehrsprays verwendeten Stoffen.

Nach Herstellerangaben ist in dem gefundenen Pfefferspray vom Typ "NATO K.O. Fog" als Wirkstoff je nach Produkt zwischen drei Prozent und 13,2 Prozent Oleoresin Capsicum enthalten. Dabei handelt es sich um den auf Schleimhäuten stark brennenden natürlichen Wirkstoff des Cayenne Pfeffers, ergänzt durch Alkohol und Treibgas.

Die Wirkung tritt laut Werbetext binnen Sekunden ein und kann je nach Sprühdauer einige Stunden andauern.

Bei den Schülern ging es jedoch erheblich langsamer und dauerte über Tage an. Erst am gestrigen Freitag konnte Schulleiterin Renate Nietzschmann vermelden, dass alle wieder aus den Kliniken entlassen worden sind. Doch vier spürten noch immer die Nachwirkungen des Gases.

"Unsere Ermittlungen in dieser Angelegenheit dauern an", erklärt Polizeisprecher Andreas Schöpflin. Die gefundene Spraydose befinde sich beim Landeskriminalamt zur eingehenden Untersuchung und chemischen Analyse des Restinhalts. "So etwas geht nicht in zwei Tagen."

Stutzig macht allerdings, dass die Feuerwehr bei ihren Messungen vor Ort einen Gefahrstoff analysiert hatte, der in dem Pfefferspray gar nicht enthalten sein dürfte. Die Technik- und Umweltwache hat noch am Mittwochnachmittag Luftproben und Wasserproben aus den Toilettenbecken untersucht und dabei vor allem ein Lösungsmittel nachgewiesen "welches auch in Farben und Lacken vorkommt", so Feuerwehrsprecher Hendrik Frese.

Auf Nachfrage unserer Zeitung gestern Nachmittag bei der Polizei erklärte Sprecher Andreas Schöpflin: "Den Ermittlern der Kripo liegen der Messergebnisse der Feuerwehr bislang nicht schriftlich vor. Wir warten ab."

Aus Sicht der Eltern ist das verwunderlich. Schließlich sind Proben Mittwoch mit Blaulicht in das Labor der Technik- und Umweltwache transportiert und die Ergebnisse schon kurz darauf dem Einsatzleiter der Feuerwehr in Bergedorf mitgeteilt worden. Eltern und Schüler drängen nun auf eine umfassende Information der Betroffenen.

cn
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