Feierstunde
Zwei Preisträger teilen sich den Bürgerpreis
Donnerstag, 10. Mai 2012 15:31
- Von André Herbst
Bergedorf. Ute Meier-Eberlin, Initiatorin der Reinbeker Suppenküche, und Ole Rehmeyer, Begründer des Bergedorfer Vereins „Music helps", teilen sich den zwölften Bergedorfer Bürgerpreis. Sie dürfen sich über je 2000 Euro für ihre Arbeit freuen.
Ungewöhnliche Szenerie im Spiegelsaal. Die Vorhänge zum Garten waren
zugezogen, „auf der Seite wird die Rathausfassade derzeit saniert“,
begründete Bezirksamtsleiter Arne Dornquast das ungewohnte Bild bei der
Feierstunde zur Verleihung des Bergedorfer Bürgerpreises. Er fungierte
erstmals als Hausherr im Rathaus, würdigte die zwölf engagierten Teilnehmer
als Menschen, „die alle einen Preis verdient hätten: Sie leisten alle viele
Dinge, zu denen wir, der Staat, nicht mehr in der Lage sind“.

Foto: Schütt
Arne Dornquast heißt die Gäste willkommen.
Neben Initiatoren und Jury-Mitgliedern war auch eine Kandidatin bereits zum
wiederholten Male dabei – allerdings das erste Mal als Aspirantin für den
Bürgerpreis. Bereits zum 11. Mal sorgte Angela Tenne – begleitet von Nele B.
Nelle – für die musikalische Umrahmung der Feierstunde.
Gemeinsam mit der früheren Geschäftsführerin des Lichtwarkausschusses,
Christine Schiller, sorgt die bekannte Bergedorfer Musikerin seit vielen
Jahren für das Gelingen des Jugendmusikantenwettstreits. Trotz
Finanzproblemen soll im kommenden Jahr der 50. Wettbewerb im Haus im Park
über die Bühne gehen. „Es ist schon ein erheblicher Aufwand“, bestätigte
Schiller. „Ohne dass die Jury-Mitglieder sich alljährlich ehrenamtlich
bereit finden, an zwei Wochenenden bis zu 160 junge Musiker zu bewerten,
würde das alles nicht funktionieren“, ergänzte Angela Tenne.
Wie die beiden Frauen bestätigten auch die zehn Einzelbewerber die Bedeutung
der Unterstützung, die sie erfahren – sei es durch Ehrenamtliche, die teils
im Hintergrund agieren, durch organisatorische oder finanzielle
Unterstützung oder einfach durch Anerkennung. „Ich sehe nicht, dass das
Ehrenamt überall die Wertschätzung erfährt, die es verdient“, bedauerte
Preisträgerin Ute Meier-Eberlin, Initiatorin der Reinbeker Suppenküche. „Von
daher haben eigentlich auch Volksbank Stormarn und Bergedorfer Zeitung eine
Auszeichnung verdient, für die Erfindung des Bürgerpreises.“
Lob für großes Engagement
Wie sie wurde auch Ole Rehmeyer mit 2000 Euro für sein Wirken bedacht. Der
junge Krankenpfleger aus Neuallermöhe hat mit „Music helps“ eine Initiative
ins Leben gerufen, die mit den Erlösen aus Konzerten und weiteren
Aktivitäten soziale Projekte unterstützt. „Dass ich dies tue, liegt auch
daran, dass mein Kopf voller Ideen steckt“, bekannte der überraschte
Preisträger. Der Jury-Vorsitzende, Propst Matthias Bohl, lobte das
Engagement aller Bewerber: „Dank Ihres Engagements entsteht
gesellschaftliche Wärme, wo sich staatliche Kälte breit macht. Das Ehrenamt
ist stärker ins öffentliche Interesse gerückt, die Gesellschaft ist
keinesfalls nur am Spaßfaktor ausgerichtet.“ Wobei der Spaß für
Ehrenamtliche eine nicht zu vernachlässigende Rolle spielt. Etwa für Jutta
Bedürftig, die Lernhelfer für Schüler koordiniert, selbst als Lesehelfer
jungen Menschen hilft. Oder für Hans-Jürgen Bolte, der neben Radfahr- und
Reisetreff auch eine Selbsthilfegruppe für an Parkinson erkrankte Menschen
organisiert hat. „Du hast von Dir gesagt, dein Engagement sei Ausdruck
deines Egoismus. Es helfe Dir, mit der eigenen Krankheit umzugehen – wir
brauchen mehr solche Egoisten“, lobte Jury-Mitglied Horst Rödinger.
Die Krankheit eigener Kinder haben zu Beginn Swantje Rüß (Verein
„Intensivkinder zuhause“) und Prof. Günther Miehlich (biwag e.V.)
veranlasst, tätig zu werden. Inzwischen geht ihr Engagement über die
unmittelbare Problembewältigung weit hinaus. Swantje Rüß kümmert sich als
Bundesvorsitzende des Vereins um die Probleme vieler Familien mit Kindern,
die Intensivpflege benötigen. Und Prof. Miehlich trägt entscheidenden Anteil
an einer Wohngruppe für junge Erwachsene, die ihr Leben weitgehend selbst
regeln. „Sie sind nicht nur Vorreiter der Integrationsbewegung, sie beraten
bis heute Betroffene“, lobte „bz“-Maketingleiter und Jury-Mitglied Ulf
Kowitz.
Ehrenamtliche wünschen sich größere Wertschätzung
Monika Maureschat war für die erkrankte Irmgard Wendt eingesprungen, nahm die
Urkunde entgegen. Die beiden Frauen aus Bergedorf-West zählen zu den Motoren
des Flohmarkts für Bedürftige im Haus Christo und des Flohmarkt-Cafés. Einen
hohen Zeitaufwand bewältigt auch Ute Schönrock. Neben diversen Gruppen im
Lohbrügger Bürgerverein organisiert sie auch das monatliche Info-Frühstück
mit interessanten Referenten im „haus Brügge“. „Sie können unmöglich etwas
langsam tun, sonst könnten Sie nie das Tempo halten, um alles zu
bewältigen“, äußerte Jury-Mitglied Traute Rohmann Anerkennung. Die gilt auch
Filiz Akpinar. Die Mutter zweier Töchter organisiert seit Monaten Proteste
und Mahnwachen gegen einen Glinder Modeladen, der von Nazis gefragte Labels
vertreibt. Rohmann: „Sie engagieren sich in der kleinen bunten Stadt gegen
Rechts. Wir müssen uns alle fragen, hätten wir auch diesen Mut?“
Die Arbeit von Gerd Plambeck, Vorsitzender des Bergedorfer Seniorenbeirat,
würdigte schließlich Britta Buhck mit leichtem Augenzwinkern: „Kaum zu
glauben, dass Sie 80 sind. Sie engagieren sich charmant und penetrant, um
den Senioren das Leben schöner zu machen.“ Plambeck revanchierte sich, lobte
die Veranstaltung samt Chancen zum Gedankenaustausch und zum Aufbau neuer
Kontakte. Und befand: „Die Anerkennung ist der Lohn des Ehrenamtes. Häufig
wird aber nicht mal dieser Mindestlohn gezahlt.“
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