10.05.12

Feierstunde

Zwei Preisträger teilen sich den Bürgerpreis

Bergedorf. Ute Meier-Eberlin, Initiatorin der Reinbeker Suppenküche, und Ole Rehmeyer, Begründer des Bergedorfer Vereins "Music helps", teilen sich den zwölften Bergedorfer Bürgerpreis. Sie dürfen sich über je 2000 Euro für ihre Arbeit freuen. Von André Herbst

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Der Jury-Vorsitzende Matthias Bohl (li.) sowie Kay Schäding (Volksbank Stormarn) und Hans Pirch (Bergedorfer Zeitung) gratulieren Ute Meier-Eberlin und Ole Rehmeyer zum Bergedorfer Bürgerpreis.

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"Sie engagieren sich charmant und penetrant". Britta Buhcks Einschätzung mag Gerd Plambeck nicht widersprechen.

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"Wie schaffen Sie das alles?": Traute Rohmann (re.) ist schwer beeindruckt von Ute Schönrocks Engagement.

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Angela Tenne und Nele B. Nelle unterhalten die Anwesenden im Spiegelsaal musikalisch.

Ungewöhnliche Szenerie im Spiegelsaal. Die Vorhänge zum Garten waren zugezogen, "auf der Seite wird die Rathausfassade derzeit saniert", begründete Bezirksamtsleiter Arne Dornquast das ungewohnte Bild bei der Feierstunde zur Verleihung des Bergedorfer Bürgerpreises. Er fungierte erstmals als Hausherr im Rathaus, würdigte die zwölf engagierten Teilnehmer als Menschen, "die alle einen Preis verdient hätten: Sie leisten alle viele Dinge, zu denen wir, der Staat, nicht mehr in der Lage sind".

Volksbank-Vorstand Kay Schäding bedankte sich für die Initiatoren Volksbank und Bergedorfer Zeitung für die gewährte Gastfreundschaft. Und lobte das breite Engagement der Teilnehmer: "Die Jury ist von der Vielseitigkeit jedes Jahr wieder überrascht. Sie kümmern sich um Kinder und Behinderte, organisieren Flohmärkte und Suppenküchen für Bedürftige", engagierten sich für Völkerverständigung und gegen Gewalt oder trügen Sorge, dass junge Nachwuchsmusiker sich beim Jugendmusikantenwettstreit präsentieren können.

Neben Initiatoren und Jury-Mitgliedern war auch eine Kandidatin bereits zum wiederholten Male dabei – allerdings das erste Mal als Aspirantin für den Bürgerpreis. Bereits zum 11. Mal sorgte Angela Tenne – begleitet von Nele B. Nelle – für die musikalische Umrahmung der Feierstunde.

Gemeinsam mit der früheren Geschäftsführerin des Lichtwarkausschusses, Christine Schiller, sorgt die bekannte Bergedorfer Musikerin seit vielen Jahren für das Gelingen des Jugendmusikantenwettstreits. Trotz Finanzproblemen soll im kommenden Jahr der 50. Wettbewerb im Haus im Park über die Bühne gehen. "Es ist schon ein erheblicher Aufwand", bestätigte Schiller. "Ohne dass die Jury-Mitglieder sich alljährlich ehrenamtlich bereit finden, an zwei Wochenenden bis zu 160 junge Musiker zu bewerten, würde das alles nicht funktionieren", ergänzte Angela Tenne.

Wie die beiden Frauen bestätigten auch die zehn Einzelbewerber die Bedeutung der Unterstützung, die sie erfahren – sei es durch Ehrenamtliche, die teils im Hintergrund agieren, durch organisatorische oder finanzielle Unterstützung oder einfach durch Anerkennung. "Ich sehe nicht, dass das Ehrenamt überall die Wertschätzung erfährt, die es verdient", bedauerte Preisträgerin Ute Meier-Eberlin, Initiatorin der Reinbeker Suppenküche. "Von daher haben eigentlich auch Volksbank Stormarn und Bergedorfer Zeitung eine Auszeichnung verdient, für die Erfindung des Bürgerpreises."

Lob für großes Engagement

Wie sie wurde auch Ole Rehmeyer mit 2000 Euro für sein Wirken bedacht. Der junge Krankenpfleger aus Neuallermöhe hat mit "Music helps" eine Initiative ins Leben gerufen, die mit den Erlösen aus Konzerten und weiteren Aktivitäten soziale Projekte unterstützt. "Dass ich dies tue, liegt auch daran, dass mein Kopf voller Ideen steckt", bekannte der überraschte Preisträger. Der Jury-Vorsitzende, Propst Matthias Bohl, lobte das Engagement aller Bewerber: "Dank Ihres Engagements entsteht gesellschaftliche Wärme, wo sich staatliche Kälte breit macht. Das Ehrenamt ist stärker ins öffentliche Interesse gerückt, die Gesellschaft ist keinesfalls nur am Spaßfaktor ausgerichtet." Wobei der Spaß für Ehrenamtliche eine nicht zu vernachlässigende Rolle spielt. Etwa für Jutta Bedürftig, die Lernhelfer für Schüler koordiniert, selbst als Lesehelfer jungen Menschen hilft. Oder für Hans-Jürgen Bolte, der neben Radfahr- und Reisetreff auch eine Selbsthilfegruppe für an Parkinson erkrankte Menschen organisiert hat. "Du hast von Dir gesagt, dein Engagement sei Ausdruck deines Egoismus. Es helfe Dir, mit der eigenen Krankheit umzugehen – wir brauchen mehr solche Egoisten", lobte Jury-Mitglied Horst Rödinger.

Die Krankheit eigener Kinder haben zu Beginn Swantje Rüß (Verein "Intensivkinder zuhause") und Prof. Günther Miehlich (biwag e.V.) veranlasst, tätig zu werden. Inzwischen geht ihr Engagement über die unmittelbare Problembewältigung weit hinaus. Swantje Rüß kümmert sich als Bundesvorsitzende des Vereins um die Probleme vieler Familien mit Kindern, die Intensivpflege benötigen. Und Prof. Miehlich trägt entscheidenden Anteil an einer Wohngruppe für junge Erwachsene, die ihr Leben weitgehend selbst regeln. "Sie sind nicht nur Vorreiter der Integrationsbewegung, sie beraten bis heute Betroffene", lobte "bz"-Maketingleiter und Jury-Mitglied Ulf Kowitz.

Ehrenamtliche wünschen sich größere Wertschätzung

Monika Maureschat war für die erkrankte Irmgard Wendt eingesprungen, nahm die Urkunde entgegen. Die beiden Frauen aus Bergedorf-West zählen zu den Motoren des Flohmarkts für Bedürftige im Haus Christo und des Flohmarkt-Cafés. Einen hohen Zeitaufwand bewältigt auch Ute Schönrock. Neben diversen Gruppen im Lohbrügger Bürgerverein organisiert sie auch das monatliche Info-Frühstück mit interessanten Referenten im "haus Brügge". "Sie können unmöglich etwas langsam tun, sonst könnten Sie nie das Tempo halten, um alles zu bewältigen", äußerte Jury-Mitglied Traute Rohmann Anerkennung. Die gilt auch Filiz Akpinar. Die Mutter zweier Töchter organisiert seit Monaten Proteste und Mahnwachen gegen einen Glinder Modeladen, der von Nazis gefragte Labels vertreibt. Rohmann: "Sie engagieren sich in der kleinen bunten Stadt gegen Rechts. Wir müssen uns alle fragen, hätten wir auch diesen Mut?"

Die Arbeit von Gerd Plambeck, Vorsitzender des Bergedorfer Seniorenbeirat, würdigte schließlich Britta Buhck mit leichtem Augenzwinkern: "Kaum zu glauben, dass Sie 80 sind. Sie engagieren sich charmant und penetrant, um den Senioren das Leben schöner zu machen." Plambeck revanchierte sich, lobte die Veranstaltung samt Chancen zum Gedankenaustausch und zum Aufbau neuer Kontakte. Und befand: "Die Anerkennung ist der Lohn des Ehrenamtes. Häufig wird aber nicht mal dieser Mindestlohn gezahlt."

Arne Dornquast heißt die Gäste willkommen.
Foto: Schütt Arne Dornquast heißt die Gäste willkommen.
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