03.04.12

Koopmanns

Einkauf und Klönschnack wie früher bei Tante Emma

Boberg. Einkaufen muss kein Stress sein: Einen modernen Tante-Emma-Laden mit Vollbedienung bieten Fabian Guder und sein Mitarbeiter Yücel Ekilmis in Boberg. Der "Koopmann" will das Einkaufen entschleunigen. Von Thomas Voigt

Kolonialwarengeschäft und Gastronomie in einem: Marktleiter Fabian Guder serviert im "Friedrich Koopmanns"
Foto: Voigt Kolonialwarengeschäft und Gastronomie in einem: Marktleiter Fabian Guder serviert im "Friedrich Koopmanns"

Der junge Friedrich Koopmanns ging schon im Alter von 16 Jahren für sein Leben gern auf den Bremer Wochenmarkt, suchte dort die besten und frischesten Waren für seine Familie aus, feilschte mit den Händlern. Das war im Jahr 1827. Drei Jahre später zeigten ihm Seeleute im neuen Bremer Hafen ihre Konservendosen, erklärten ihm, dass die Lebensmittel darin ein Jahr oder länger genießbar blieben. Da hatte er die Idee, selbst ein Lebensmittelgeschäft mit frischen Waren aus der Region und Konserven aus aller Welt zu betreiben.

Wer heute das Lebensmittelgeschäft "Friedrich Koopmanns" am Reinbeker Redder 8 betritt, kann diese Geschichte nachlesen, die allerdings einen Haken hat: Friedrich Koopmanns aus Bremen hat es nie gegeben. Eine findige Werbeagentur hat ihn erdacht. "Hätte dieser Kaufmann mit Herz und Leidenschaft aber jemals gelebt, dann würde sein Geschäft heute so aussehen wie unseres", sagt Marktleiter Fabian Guder.

Nach seinen Worten ist "Koopmanns" ein Kolonialwarengeschäft der alten Schule, das nicht nur mit Qualität und Auswahl, sondern auch mit dem "Erlebnis Einkaufen" punktet. Keine Einkaufswagen, keine Körbe, hier wird von Hand bedient und beraten wie einst bei Tante Emma. "Wir nehmen uns Zeit für unsere Kunden, klönen mit ihnen, bestellen auf Wunsch jeden gewünschten Artikel, den wir noch nicht führen", sagt Guder. Etwa den Bio-Ziegenjoghurt einer neuen Stammkundin oder neulich den Margarita-Mix für die Hausbar eines Kunden. In einer Zeit, in der alles immer schneller, hektischer wird, stehe "Koopmanns" für Entschleunigung, meint der Marktleiter. Dass viele der rund 2000 Artikel im Sortiment – ein Supermarkt hat etwa 10.000 – dann auch mal 20 Cent teurer sind als schräg gegenüber bei Edeka oder gar bei Aldi, sei dann ganz sicher kein Problem. Denn Zielgruppe ist laut Guder weniger die vierköpfige Familie mit ihrem Wocheneinkauf, eher Singles oder kinderlose Paare, die den Tagesbedarf decken. Öffnungszeiten von 6 bis 23 Uhr passen dazu.

Betrieben wird das Geschäft von einer Tankstellen-Kette. Das Familienunternehmen Lühmann mit rund 100 "Classic"-Tankstellen überwiegend in Niedersachsen probierte im vergangenen Jahr an einer seiner Sprit-Stationen im heimischen Hoya/Weser ein neues Shop-Konzept aus: "Größeres Sortiment, eigenes Personal und eine sehr moderne Gastro-Lounge", beschreibt "Classic"-Sprecherin Katharina Potreck. "Das lief sofort gut an und hat uns ermuntert, so etwas auch einmal ohne Tankstelle anzubieten." Auch bei "Koopmanns" gibt es Frühstück, Mittagstisch, Snacks, selbst gebackenen Kuchen, Getränke. Bei Erfolg sollen weitere Läden folgen.

Noch stehen die Kunden vor dem Ende 2011 eröffneten Geschäft nicht gerade Schlange. "Es dauert sicher drei Jahre, bis wir etabliert sind", sagt Fabian Guder. Ute Holtmann, Sprecherin des Europäischen Handelsforschungsinstituts (EHI) in Köln, räumt der Idee aber Chancen ein: "Persönliche Bedienung liegt im Trend. Wir beobachten auch in Supermärkten seit einigen Jahren eine Rückkehr zur althergebrachten Bedientheke."

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